Hässlicher Neujahrsgruß München: Rassistischer Brief an Restaurant - Polizei ermittelt

Ein beleidigender Brief (klein, oben) hängt am ersten Januar am israelischen Restaurant Eclipse in der Heßstraße. Foto: Sigi Müller/privat

Trauriger Start in das neue Jahr: Am 1. Januar erhält das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt einen rassistischen Brief. Nun schaltet sich die Polizei ein.

 

Update vom 4. Januar 2019: 

Am Neujahrsmorgne klebte ein rassistischer Brief an der Tür des israelischen Restaurants Eclipse in der Heßstraße. Der Fall sorgte nicht nur bei dem Betreiber und seiner Familie für Entsetzen. Nun schaltet sich die Münchner Polizei ein. In einer Mitteilung heißt es: "Dieses (Schreiben, Anm.d.R) war mit fremdenfeindlich geprägten Inhalten in diffamierender Weise an die Veranstalter, beziehungsweise Teilnehmer der vorangegangenen Feierlichkeiten gerichtet."

Die Polizei kündigte Ermittlungen durch das Kommissariat für politische motivierte Kriminalität an. "Bisher ist der Verfasser des Schreibens nicht bekannt", sagt Polizeisprecher Benjamin Castro Tellez. Der Brief wird im Labor nach Fingerabdrücken und DNA untersucht. 

Die Erstmeldung von 2. Januar 2019

München - An Silvester wurde in ganz München kräftig gefeiert. Auch die Gäste der Grillbar Eclipse, einem israelischen Restaurant in der Maxvorstadt, ließen es ordentlich krachen. Bis um vier Uhr morgens wurde in dem Familienbetrieb in der Heßstraße gefeiert.

Am Tag nach der friedlichen Silvesterfeier kam das dicke Ende in Form eines handgeschriebenen Zettels nach, den jemand anonym an die Tür geklebt hatte.

Die Betreiber und Gäste des Eclipse werden darauf als "Schweine" beschimpft. Sie hätten "gesoffen, gefressen und geraucht" und ihren Dreck liegengelassen. Bis dahin hätte das Schreiben noch von einem wütenden, müllgeplagten Anwohner kommen können, der sich im Ton vergriffen hat.

Familie ist schockiert von dem Schreiben

In dem Brief heißt es weiter: "Warum spenden Sie nicht das Geld für Ihr armes Land, wo sie herkommen? Der Dreck bleibt liegen für die deutschen fleißigen Müllmänner." Dem Verfasser ging es offenbar also nicht nur um die Hinterlassenschaften der Partygäste.

Der Inhaber der Gaststätte, Ben Malenboym, hat ein Foto des Zettels selbst am Neujahrstag auf der Facebookseite der Grillbar veröffentlicht. "Wir hatten alle ein schönes Fest und wünschen allen nur das Beste für das neue Jahr", schreibt Malenboym dazu. "Das Essen war lecker, die Gäste waren zufrieden. Heute fanden wir gegen 16 Uhr folgende Nachricht an unserer Tür. Maxvorstadt 2019."

Der 41-Jährige und seine Familie stünden noch immer unter Schock, erzählt er auf AZ-Nachfrage. "Wie kann so etwas richtig sein", fragt sich Malenboym. Wer von seinen Nachbar das geschrieben haben könnte, weiß er nicht. Eigentlich gebe es nur selten Probleme mit den Anwohnern, so der Wirt. Seit 2007 betreibt er das Restaurant in der Maxvorstadt, es ist das erste Mal, dass so etwas passiert.

Noch keine Anzeige

Die Fans des Restaurants bei Facebook reagieren entsetzt auf die wüste Botschaft: "Das jemand so was schreibt macht mich traurig und fassungslos. Lasst euch das Feiern nicht vermiesen", schreibt Sabine M. Ein anderer rät zur Anzeige.

Das hat Ben Malenboym auch vor: Nach den stressigen Feiertagen möchte er ein wenig Zeit mit der Familie verbringen. Danach will er mit dem Zettel auf die nächste Polizeiwache gehen. Das neue Jahr lässt er sich davon nicht vermiesen: "2018 war wunderbar, sagt er. Ich hoffe das nächste wird noch besser."

Antisemitismus und Rassismus nehmen zu

Miriam Heigl von der Fachstelle für Demokratie in München hat festgestellt, dass Derartiges öfter vorkommt. Betroffene und spezielle Beratungsstellen in München, aber auch in ganz Deutschland, berichteten, dass rassistische und antisemitische Beleidigung zunähmen. "In einem zunehmend aufgeheizten gesellschaftlichen Klima entladen sich menschenfeindliche Einstellungen immer häufiger in Form menschenverachtender Parolen und Taten", sagt sie.

In München wurden 2017 51 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund registriert, 2016 waren es noch 37. Heigl fordert eine klare gesellschaftliche Ächtung von antisemitischen und rassistischen Äußerungen. Außerdem sollen diese Delikte konsequent verfolgt werden.

Malenboym ist übrigens - auch wenn er ein israelisches Restaurant betreibt - aus Weißrussland und lebt seit 2005 in Deutschland.

 

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