Nach Schließung des Kult-Lokals Prozess und Schlaganfall: Das Roxy macht sie alle krank

Das Café Roxy in der Leopoldstraße 48. Selbst an einem kühlen Herbsttag sitzen viele Gäste draußen auf der Freischankfläche und betrachten das Treiben vor ihnen. Foto: AZ-Archiv

Nach dem Aus für das legendäre Café müssen Mitarbeiter auf ihren Lohn klagen – einer hat wegen des Ärgers einen Schlaganfall erlitten.

 

Schwabing - "Ich bin in den Bus gestiegen und wollte zum Gericht fahren, da ist mir plötzlich weiß vor Augen geworden. Ich habe die Beine nicht mehr gespürt und Schweißausbrüche bekommen“, berichtet Bernd S. (50) der AZ.

Jetzt liegt der ehemalige Schichtleiter vom Café Roxy auf der Leopoldstraße im Klinikum Bogenhausen. Schlaganfall – sagen die Ärzte. Nur der letzte Vorfall in einer ganzen Kette dramatischer Ereignisse, die mit dem Niedergang und dem schlussendlichen Aus des legendären Lokals zusammenhängen.

Bernd S. wollte gestern Vormittag zum Münchner Arbeitsgericht in der Winzererstraße in Schwabing, um seinen beiden Ex-Kolleginnen Gabi L. (35) und Natascha H. (29) beizustehen, die ihren Prozess gegen den ehemaligen Pächter des Roxy Guoqiang S. hatten, der sich David nennt und zum wiederholten Mal einen Gerichtstermin versäumte.

"Extremes Ärgernis"

Es ging um ausstehende Gehälter, die der gebürtige Chinese seinen Bedienungen nach dem Aus für die Roxy Restaurant GmbH noch schulden soll. Richter Tilman Engbers: „Das ist ein extremes Ärgernis, dass er nicht erschienen ist. Sein persönliches Erscheinen ist notwendig, deshalb war er ja geladen.“

Christian Bärnreuther, Anwalt des Beklagten, sagt, er könne ohne Absprache keinem Vergleich mit der Kellnerin Gabi L. zustimmen. Auf die Frage, wo Herr S. ist, sagt er: „Ich weiß es auch nicht. Ich kann ihn ja nicht prügeln.“ Und: „Wenn nicht gezahlt wird, mag das Gründe haben. Ich kenne sie aber nicht.“

Außerdem sagt der Anwalt: „Wenn Zahlungsansprüche geltend gemacht werden, kann ich darüber nicht entscheiden.“ Die Prozesse gegen den ehemaligen Roxy-Chef sind nur der letzte Akt in einem langen Trauerspiel um den Niedergang des berühmten Cafés, in dessen Räumen seit einigen Monaten der Italiener Via Appia Pizza und mehr anbietet.

Bewusst heruntergewirtschaftet

Das Roxy, das seine Blüte unter dem vorigen Pächter Gabriel Lewy, dem ehemaligen Lebensgefährten der Schauspielerin Iris Berben, hatte, wurde unter dessen Nachfolger bewusst heruntergewirtschaftet, sagen ehemalige Angestellte und Gäste. Abgewetzte Möbel drinnen, lieblos dekorierte Tische draußen. Den ehemaligen Mitarbeiterinnen blutet das Herz. Gabi L., die zwölf Jahre im Roxy gearbeitet und auch Lewy noch erlebt hat, sagt: „Das Roxy war wie ein Zuhause für mich.“ In der Anfangszeit hatte sie mal Oli Kahn als Gast.

Jetzt möchte sie knapp 1500 Euro ausstehenden Lohn, ihre Ex-Kollegin Natascha H. 1800 Euro. Beides brutto.

Dass der ehemalige Pächter Guoqiang „David“ S. nicht vor Gericht erscheint, hat wohl System. Ein Dutzend Angestellte waren von ihm in zwei Kündigungswellen bis Mitte des Jahres vor die Tür gesetzt worden, sieben von ihnen klagen wegen ausstehenden Geldes.

"Ich stand vor dem Nichts"

Der ehemalige Schichtleiter Bernd S., der seinen früheren Chef schon seit 1996 und gemeinsamen Zeiten im Restaurant China City direkt vis-à-vis vom Roxy kennt, ist darüber krank geworden. Er sagt: „Von einem Tag auf den anderen stand ich vor dem Nichts. Ich bekam nicht mal Hartz IV. Wenn mir ein Stammgast damals nicht 1000 Euro geliehen hätte, ich weiß nicht, was . . .“ Er lässt den Satz unbeantwortet, aber man spürt, wie ernst es ihm ist.

Diese letzten Kapitel in der Geschichte des Roxy sind traurig, so ganz anders als das Café selbst früher gewesen ist. Dort flanierten in den 90er und 2000er Jahren miniberockte Frauen vorbei, begleitet von den bewundernden Blicken der männlichen Roxy-Gäste. Die Stimmung war leicht, flirtiv und fröhlich – so ganz anders als ein Krankenzimmer im Klinikum Bogenhausen.


Am 8. Juni schloss das Roxy, das wohl legendärste Sehen- und gesehen-werden-Lokal auf der Leopoldstraße, für immer seine Pforten. Der Gastro-Unternehmer Gabriel Lewy („Café Wiener Platz“, „Atlas“), langjähriger Lebensgefährte von Schauspielerin Iris Berben, hatte es 1989 aufgemacht, fast 20 Jahre lang geführt und im Jahr 2008 verkauft.

Heuer ist das Lokal komplett entkernt und umgestaltet worden und zum Italiener mutiert: „Via Appia“ heißt es jetzt. Und Lewy? Eröffnet kommendes Jahr das neue-alte „Roma“ in der Maximilianstraße

 

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