Nach Rücktritt wegen Morddrohungen "Unser Pfarrer soll bleiben"

Dass Olivier Ndjimbi-Tshiende wegen rassistischer Hetze und Todesdrohungen zurückgetreten ist, sorgt nicht nur in Zorneding für Bestürzung. Jetzt sammeln Bürger Unterschriften für ihn.

 

Zorneding - Das Erzbistum München und Freising „bedauert die Entscheidung sehr“, Ministerpräsident Horst Seehofer nennt die Vorgänge in Zorneding „völlig inakzeptabel“ und die Bewohner der kleinen Gemeinde im Landkreis Ebersberg haben im Internet eine Petition gestartet mit dem Titel: „Unser Pfarrer soll bleiben!“

Am Tag nach dem Rücktritt des Pfarrers von St. Martin, Olivier Ndjimbi-Tshiende (66) war die Betroffenheit gestern groß – nicht nur in Zorneding.

Der Professor der Philosophie, ein gebürtiger Kongolese, hatte im Gottesdienst am Sonntag erklärt, dass er Zorneding zum 1. April verlassen werde, weil er wiederholt rassistisch beleidigt und mit dem Tod bedroht worden war.

Am Montag sagte Ndjimbi-Tshiende, er fühle sich erleichtert, nachdem er die Entscheidung zum Weggang getroffen und diese der Gemeinde mitgeteilt habe. Die Situation sei für ihn sehr belastend gewesen, gleichwohl blicke er ohne Verbitterung auf die Zeit in Zorneding zurück. Er sei dort 2012 gut und freundlich aufgenommen worden und habe viele Freunde gewonnen.

Der Abschied des Pfarrers ist das traurige Ende einer Schmutzkampagne, die mit einem Hetzartikel der örtlichen CSU-Politikerin Sylvia Boher gegen Flüchtlinge aus Eritrea im Parteiblatt „Zorneding Report“ begann. Der Pfarrer äußerte sich kritisch, der Kirchengemeinderat forderte, die beiden Kirchtürme aus dem Logo der Postille zu entfernen. Doch stattdessen legte Bohers Stellvertreter Johann Haindl in einem Interview nach: Er warnte Ndjimbi-Tshiende, „unseren Neger“.

Boher und Haindl mussten den Vorsitz der Zornedinger CSU abgeben. Ihr Gemeinderatsmandat behielt Boher freilich, Haindl legte es nieder.

Doch da war der Damm schon gebrochen: Die Ausfälle der Politiker hatten Fremdenfeinde im Volk zum Nachlegen ermuntert. Der Geistliche erhielt Drohbriefe: „Ab mit Dir nach Auschwitz!“, „Nach der Vorabendmesse bist du fällig.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen unbekannt.

Bei der Zornedinger CSU herrscht zu all dem Schweigen. Generalsekretär Andreas Scheuer lehnte eine Stellungnahme für den BR explizit ab. Partei-Chef Horst Seehofer hingegen äußerte sich: „Ich verurteile das total. Die bayerische Polizei und Justiz muss alles daran setzen, das aufzuarbeiten. Null Toleranz ist da bei uns in Bayern der Maßstab.“

Im Internet sammeln von Bürger nun Unterschriften für eine Petition, mit der sie Olivier Ndjimbi-Tshiende zum Bleiben bewegen wollen. „Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptiert, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld“, schreibt die Initiatorin bezugnehmend auf die rassistisch motivierten Morddrohungen. Dann würde man  "signalisieren, dass es in Deutschland wieder so weit ist, dass eine Gruppe, die Angst verbreitet nicht mit Gegenwehr zu rechnen hat.“

 

13 Kommentare