Nach Maishäckler-Unfall Fünf Jahre mit den Armen eines Toten

Konzentrierter Blick: Ohne jedes Hilfsmittel lenkt Karl Merk sein Fahrrad über einen Kiesweg. Foto: Ingo Jensen

Karl Merk (59) hat im Maishäckler beide Unterarme verloren. Vor fünf Jahren wurden ihm andere transplantiert – mit erstaunlichen Folgen

 

MEMMINGEN „Das sind meine und die geb’ ich nimmer her!", sagte Karl Merk schon 2009, nur wenige Monate nach einer spektakulären Operation. Vor fünf Jahren begann das neue Leben des Landwirts aus dem Unterallgäu: Ihm wurden oberhalb der Ellbogen zwei neue Arme transplantiert – in einer 15-stündigen Operation im Klinikum rechts der Isar (AZ berichtete).

Jetzt sitzt Karl Merk auf seiner Terrasse in Westerheim und sagt lächelnd: „Ich bin mit dem Heilungsverlauf wirklich sehr zufrieden. Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich wieder mal mit bloßen Händen Fahrrad fahren kann oder mit meinem Traktor übers Feld, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt.“ Aber genau das macht der Vorzeige-Patient inzwischen, erstmals ohne die bisher nötigen Schienen oder Hilfshandschuhe. Nach wie vor schreitet der Heilungsprozess stetig voran, „es kommt immer mehr, was plötzlich wieder geht“, freut sich Merk.

Auch der Operateur und begleitende Arzt, Professor Dr. Christoph Höhnke, Leiter der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie am Klinikum Memmingen, ist sehr zufrieden: „Wir haben deutlich mehr erreicht, als wir erwarten konnten. Wir hatten Herrn Merk vor der Operation versprochen, dass er irgendwann einmal wieder seine Ellbogen wird beugen können. Dass er bereits jetzt eine nahezu normale Ellbogenfunktion hat und etwa ohne fremde Hilfe ein Glas Wasser trinken kann, konnten wir nicht voraussehen“, sagt der Mediziner.

Konsequent zog Karl Merk in den letzten Jahren seine Physio- und Ergotherapie bei Heidemarie Geier und ihrem Team am Klinikum Memmingen durch. Auch fünf Jahre nach der OP kommt der 59-jährige Landwirt noch fast täglich zur Behandlung nach Memmingen.

Karl Merk hatte im Jahr 2002 beide Arme verloren, als er auf dem heimischen Hof zuerst mit dem linken und dann mit dem rechten Arm in einen Maishäcksler geraten war. Mit den an einem Arm angepassten Prothesen kam er nie zurecht.

Im ersten Jahr nach der Operation hatte es bei dem Unterallgäuer noch drei Abstoßungsreaktionen gegeben, in denen sein Körper gegen das Fremdgewebe rebelliert hatte. „Damals mussten wir den Körper mit starken Medikamenten überlisten, und wir hatten befürchtet, dass dieser Prozess immer weiter gehen würde. Umso glücklicher sind wir, dass es in den vergangenen vier Jahren keine wesentlichen Probleme mehr gab“, sagt Höhnke, der das „Fünfjährige“ gemeinsam mit dem Patienten und den Kollegen im privaten Rahmen feiern und sich dabei nochmals bei allen Beteiligten bedanken will.

 

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