Nach Jagd auf Elefanten in Simbabwe Tierschützer fordert: "Einfuhr von Jagdtrophäen verbieten"

Thomas Pietsch von der Organisation "Vier Pfoten". Foto: Vier Pfoten

Der Wildtierexperte Thomas Pietsch im AZ-Interview: Was er jetzt von der EU fordert und was er von dem deutschen Hobbyjäger hält.

 

AZ: Herr Pietsch, nach dem Tod von Löwe Cecil ist nun wieder ein seltenes Tier in Simbabwe getötet worden. Was fordert Ihre Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, um diese Trophäenjagd einzudämmen?
Thomas Pietsch: Die EU oder gegebenenfalls auch einzelne Staaten wie Deutschland sollten die Einfuhr solcher Jagdtrophäen von bedrohten Tierarten verbieten.

Wie realistisch ist es, dass ein solches Einfuhrverbot umgesetzt werden kann?
Solche Verbote sind eine Frage des politischen Willens. Gerade die Einfuhr von Trophäen bedrohter Tierarten wie Löwen und Elefanten kann von Ländern verboten werden. Australien hat dies für beide Tierarten vorgemacht. „Vier Pfoten“ fordert, dass die in puncto Trophäenjagd wichtigsten Regionen EU und USA nachziehen. Dies ist sicher schwerer zu erreichen als in Australien, aber grundsätzlich möglich.

Ist es also bislang möglich, solche Tier-Trophäen in die EU problemlos einzuführen?
Als bedrohte Tierarten sollen Elefanten und Löwen im internationalen Artenschutzabkommen CITES geschützt werden. Löwen und die Elefantenpopulationen in Simbabwe sind derzeit bei CITES im sogenannten Anhang II gelistet. Dies bedeutet, dass Tiere mit vorheriger Genehmigung durch die Behörden geschossen und die Trophäen ausgeführt werden können.

Warum ist es aus Tierschutz-Gründen so wichtig, Tiere wie den Löwen Cecil oder jetzt diesen seltenen Elefanten zu schützen?
Die „Tradition“ der Trophäenjagd ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß. Die üblichen Rechtfertigungsargumente solcher Jäger – Artenschutz und Armutsbekämpfung – sind hoch umstritten und werden zunehmend widerlegt.

Wozu werden die Tiere dann geschossen?
Letztlich ist Trophäenjagd die Freizeitbeschäftigung einer kleinen Gruppe wohlhabender Menschen. Wildtiere werden zum persönlichen Vergnügen abgeknallt und das ist aus Sicht des Tierschutzes wirklich skandalös. Weiter haben besonders grausame Jagdmethoden wie das Canned Hunting in Südafrika zunehmend Konjunktur. Hier werden handaufgezogene, „zahme“ Löwen in umzäunten Gehegen geschossen, ohne dass sie die Chance auf ein Entkommen hätten.

Was tut Ihre Organisation dagegen?
Wir haben dazu eine Petition gestartet, sie findet sich im Internet (cannedhunting.com). Wir sind davon überzeugt, dass nur sanfte Formen der Nutzung wie zum Beispiel Foto-Tourismus das großartige Naturerbe Afrikas langfristig bewahren wird.

Was sagen Sie ganz persönlich dazu, dass es ausgerechnet ein Deutscher war, der das Tier abgeschossen hat?
Für mich spielt die Nationalität des Jägers keine Rolle. Ich hoffe nur, dass seine Herkunft vielleicht hilft, in Deutschland eine Diskussion über die grausame Trophäenjagd anzustoßen. Als großes Land mit vielen Jägern kann Deutschland in der EU Druck machen oder auch auf nationaler Ebene tätig werden.

Zur Person: Der Wildtierexperte Thomas Pietsch engagiert sich bei den Tierschützern „Vier Pfoten“.

 

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