Nach Flucht beschlagnahmt Wo ist das Frauchen der Schildkröte aus Syrien?

Etwa 50 Jahre alt ist das namenlose Reptil. Foto: dpa

Der Lack ist ab von der beschlagnahmten Schildkröte aus Syrien – aber die Besitzerin leider verschwunden.

 

München - Die kleine Schildkröte war in der Jackentasche einer Geflüchteten aus Syrien entdeckt worden. Über 3000 Kilometer hatte die Frau das Tier so nach Deutschland transportiert, unter den Dingen, die ihr im Leben am wichtigsten waren.

Nun sind die beiden aber schon fast einen Monat lang getrennt – und das Frauchen nicht auffindbar. Ihre Spur verliert sich, nachdem sie die Erstaufnahmeeinrichtung eigenständig verlassen hat. „Wir wären sehr froh, wenn wir irgendetwas über ihren Verbleib erfahren würden“, sagt Florian Grabsch vom Verband Deutscher Vereine für Aquarien und Terrarienkunde (VDA). „Wenn sie greifbar ist und das Tier wiederhaben will, würden wir uns auch um eine sachkundige Schulung kümmern, damit sie das Tier nach unseren Gesetzen anständig halten kann.“

Der VDA hat die Patenschaft für die namenlose Schildkröte übernommen, das heißt, er finanziert Pflege, Futter und Unterbringung in der Münchner Reptilienauffangstation für mindestens ein Jahr. „So lange muss es aber nicht sein“, sagt Grabsch. Ziel des Verbandes sei es, das Tier zu vermitteln.

Ab 1. Januar 2016 ist die Maurische Landschildkröte theoretisch zur Vermittlung freigegeben – denn die Besitzerin hat bei der Beschlagnahmung „auf Rechtsmittel verzichtet“ – also danach keinen Einspruch eingelegt. „Ob sie überhaupt verstanden hat, dass sie das kann, weiß ich nicht“, sagt Grabsch.

 

Schildkröte im November in Haar beschlagnahmt

Die Frau zu finden ist nicht einfach: Als das Tier – damals noch mit schwarz lackiertem Panzer – im November in Haar beschlagnahmt wurde, weil die Besitzerin die Herkunft des Tieres nicht nachweisen konnte, wurde das Formular nicht gerade gründlich ausgefüllt. Weder der Name ist bekannt noch sind es Alter, Aussehen oder Ähnliches. Es gibt auch keine verlässlichen Informationen dazu, wohin sie wollte. „Man vermutet, dass sie nach Skandinavien weitergereist ist“, das sei aber auch unsicher.

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Auch ein neues Zuhause für die Schildkröte kommt infrage Sollte die Syrerin tatsächlich nach Skandinavien gelangt sein, wird es sehr schwierig mit der Zusammenführung: „Eine kranke Schildkröte über Grenzen nach Skandinavien zu schaffen wird haarig“, sagt Diplombiologe Grabsch. Denn das bisher namenlose, männliche Reptil ist mit einem Herpesvirus infiziert. „Das bedeutet nicht, dass er Bläschen an den nicht vorhandenen Lippen hat“, sagt Grabsch. „Es ist eine chronische Erkrankung, die auf Dauer die Organe angreift.“

Bei guter Pflege können infizierte Tiere trotzdem ein stattliches Alter erreichen. Dieses Exemplar ist etwa 50 Jahre alt. Wer etwas über die vorige Besitzerin weiß, meldet sich per Mail an Schildi@vda-online.info

 

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