Nach epileptischem Anfall Klinik weist Kind (1) ab: "Domenico hätte sterben können"

Marina D’Apolito mit ihrem 18 Monate alten Domenico am Montag auf der Intensivstation im Klinikum Großhadern. Foto: Daniel von Loeper

Unglaublich, dass so etwas in München passieren kann: Nach einem epileptischen Anfall ist Domenico bewusstlos. Der Sanka muss durch die ganze Stadt, weil das Klinikum Harlaching keine Kapazitäten hat.

 

München - Der Sonntag war einer dieser schlimmen Tage für Domenico (18 Monate) und seine Mutter Marina D’Apolito (28). Denn Domenico leidet an Epilepsie.

"Er hat unbeschreiblich viele Anfälle, aber am Sonntag war es besonders schlimm", sagt seine Mutter. Das Kind krampfte, war nicht ansprechbar, verlor das Bewusstsein. Seine Mutter rief einen Rettungswagen, um ihn ins Klinikum Harlaching zu bringen, wo Domenico seit der Diagnose Epilepsie im Dezember behandelt wird.

Die Familie lebt nur etwa vier Fahrminuten vom Klinikum Harlaching entfernt. Bei einem solchen Anfall zählt jede Minute, denn die Sauerstoffsättigung des Buben geht nach unten, während das kleine Herz immer schneller schlägt. Bei Babys ist es schwierig, einen Zugang zu legen, da die Venen nicht leicht zu treffen sind. Deshalb muss der Bub sofort ins Krankenhaus.

Das Klinikum Harlaching hat keine Kapazitäten

Doch im städtischen Klinikum in Harlaching haben sie an diesem Tag keine Kapazität, um Domenico aufzunehmen. Auch in Schwabing nicht. "Die Kindernotärzte und auch die Rettungssanitäter waren extrem nervös, mein Sohn ist in Lebensgefahr geschwebt", sagt D’Apolito. "Domenico hätte sterben können! Und nicht nur er. Viele andere auch, weil es zu wenig Personal in den Kliniken gibt."

Ein Sprecher der integrierten Rettungsleitstelle erklärt auf AZ-Nachfrage, wie Patienten auf die Krankenhäuser verteilt werden: Der Notarzt versorgt den Patienten am Einsatzort und bringt ihn in den Rettungswagen. Von dort aus funkt er an die Zentrale und gibt das Krankheitsbild durch. Die Disposition verteilt die Rettungswagen an die umliegenden Krankenhäuser.

In den Kliniken haben die Mitarbeiter Zugriff auf eine Software, in die sie ihre aktuellen Kapazitäten, also wie viele freie Betten sie auf welchen Stationen haben, eingeben. Das kann die Zentrale einsehen.

Domenico ist fast eine Stunde lang bewusstlos

Wenn etwa in der Kinderklinik keine freien Betten mehr vorhanden sind, muss ein Notfall in ein weiter entferntes Krankenhaus gebracht werden. Dies seien keine Einzelfälle, heißt es von der Feuerwehr, die für die Leitstelle verantwortlich ist. Wenn ein Patient in einem Krankenhaus bereits bekannt ist, kann die Disposition versuchen, dort telefonisch zu erfragen, ob eine Ausnahme gemacht werden kann – in Domenicos Fall war das wohl aber auch nicht möglich. Im Klinikum reagiert man erstaunt: "Im Falle einer lebensbedrohlichen Situation im Rettungswagen fährt der Notarzt das nächstgelegene Krankenhaus an und dort wird der Patient versorgt. Das Klinikum Harlaching wäre dafür zur Verfügung gestanden", sagt Kliniksprecher Raphael Diecke.

Fast eine Stunde lang ist Domenico bewusstlos. Der Krankenwagen muss 20 Minuten ins Klinikum Großhadern rasen. "Ich bin aber sehr froh, dass wir wenigstens hier in Großhadern aufgenommen wurden und so gut versorgt werden," sagt D’Apolito.

Einziges Problem: Es gibt für Mutter und Sohn kein Zimmer, in dem sie zusammen übernachten können. Deshalb hat sie die Nacht von Sonntag auf Montag sitzend neben ihrem kleinen Sohn auf der Intensivstation verbracht. "Er schläft sehr unruhig, hat Fieber. Ich muss bei ihm sein."

Auch in Großhadern, so berichtet es Marina D’Apolito, sagt ihr ein Arzt, hätten sie nicht genug Personal, um ihren Sohn so intensiv zu betreuen, wie es nötig wäre. Doch eines ist der Mutter noch wichtig: dass das Personal in den Kliniken keine Schuld trägt. Die Pflegekräfte gäben sich wirklich sehr viel Mühe, betont sie im Gespräch mit der AZ. Das Problem sei vielmehr: dass dieser wichtige Beruf so schlecht bezahlt wird und so wenig Ansehen genießt. Große Worte einer Mutter, die gerade noch um das Leben ihres Babys gebangt hat – und hofft, dass die Krankenhäuser endlich so ausgestattet werden, dass keine anderen Eltern solch schreckliche Minuten erleben müssen.

 

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