Nach dem Zoff mit Dortmund-Coach Klopp Alle gegen Sammer - hau den Mattes!

Nach seiner Frage, ob andere Teams überhaupt hart trainieren, watschte Dortmunds Klopp den Bayer hart ab. Jetzt gibt es weitere Verbalprügel aus der Liga.

 

Wolfsburg - Schlusspfiff in Wolfsburg. Die Fakten: 6:1 für Bayern. Die Wahrnehmung: Höchst unterschiedlich. Während Pep Guardiola seinem Trainerkollegen Dieter Hecking kurz die Hand reichte und dann schwer beladen mit Gedanken (Der Rückstand! Der nächste Gegner Arsenal!) in die Kabine stapfte, lagen sich drei andere Angestellte des FC Bayern in den Armen. Matthias Sammer hatte Domenec Torrent und Hermann Gerland, die beiden Assistenz-Trainer, in den Schwitzkasten genommen, lange und innig umarmt.

Der Sportdirektor wusste: Der Sieg war auch für ihn eminent wichtig. Ein abruptes Ende der Serie von nun 49 ungeschlagenen Partien hintereinander hätte eine Welle an Häme als Echo auf Sammers Aussagen zur Trainingsgestaltung der übrigen 17 Bundesligisten gegeben. Sammers Kernbotschaft hatte er als Frage formuliert: „Wird denn woanders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben?“

Doch auch der deftige Konter von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp am Freitag („Ich an Sammers Stelle würde jeden Tag Gott danken, dass ich da dabei sein darf“) blieb nicht unkommentiert – und fand eine Menge Unterstützer. Die Liga verbündet sicb gegen Matthias Sammer, sie spielen „Hau den Mattes!“

An vorderster Front HSV-Manager Oliver Kreuzer. Der Ex-Bayern-Profi glaubt: „Die Bayern haben so viele Punkte Vorsprung, weil sie die besten Spieler haben. Nicht, weil sie die beste Trainingslehre haben.“ Kreuzer schlug sich auf die Seite des BVB-Trainers: „Gratulation an Jürgen Klopp. Ich glaube, er hat viel Unterstützung in der ganzen Liga.

Am deutlichsten wurde Manager Dirk Dufner von Hannover 96 in „BamS“: „Es ist eine Frechheit, den anderen Mannschaften zu unterstellen, sie würden nicht genug trainieren. Ich kann Jürgen Klopp da voll verstehen.“ Sammers Aussagen seien „hochgradig arrogant“. Christian Heidel (Mainz 05) meinte süffisant: „Wenn wir auch die Möglichkeit hätten, uns in zwei Jahren Spieler für 130 Millionen zu kaufen, werden wir auch ohne die Ratschläge von Sammer Deutscher Meister. So schwer ist das nun auch nicht.“ Gladbachs Coach Lucien Favre schloss sich der Kritik an: „Ich kann nicht beurteilen wie der FC Bayern trainiert, aber ich denke, das stimmt nicht. Jeder hat seine Methode.“ Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen warnte, man könne den Eindruck bekommen, „dass da jemand die Weisheit in dieser Fußballwelt allein gepachtet“ hätte. Vor dem Wolfsburg-Spiel hatte Sammer auf „Sky“ versucht, seine Aussagen zu relativieren: „Ich habe nur gesagt, was wir machen und dass der eine oder andere es sich überlegen sollte.“

Klopps Spott wird lange an Sammers Wirken haften bleiben. „Ich glaube, Bayern hätte nicht einen Punkt weniger, wenn er nicht da wäre. Was er mit dem Training zu tun hat, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob er Pep Tipps gibt“, hatte Klopp auf Sammers Eigenlob („Vielleicht sind wir von der Qualität, aber auch von der Mentalität im Moment anderen überlegen“) gekontert.

Einen Fürsprecher hatte Sammer: Klaus Allofs, gut erholt vom 1:6 seiner Wolfsburger. Der Wölfe-Manager Allofs sagte im „Sport1-Doppelpass“: „Den Aufstand kann ich nicht nachvollziehen. Er zeigt, dass sich einige vielleicht angesprochen fühlen.

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