Nach dem Tod von Friedrich Ewald Münchner Rotlichtkönig: Das unglaubliche Leben des Dicken Fritz

Schillernde Zeiten: Friedrich Ewald (links, alias "Der dicke Fritz") mit Box-Promoter Ebby Thust. Foto: AZ-Archiv

Er war Münchens Rotlicht-König und Multi-Millionär, der in einer kleinen Wohnung starb. Dazwischen ist verdammt viel passiert. 

 

Dicker Fritz. Natürlich ist das kein besonders schmeichelhafter Spitzname. Aber in der Halbwelt, wo so vieles undurchsichtig ist, braucht es auch klare Verhältnisse. Und der Fritz, der in Wahrheit Friedrich Ewald († 72)  hieß, war eben dick. So wie der Karlsruher Hans, der halt ein Mann namens Hans aus Karlsruhe war.

Doch der dicke Fritz wurde weder belächelt noch veräppelt. Die Menschen hatten sehr lange sehr viel Respekt, manche nennen es Angst, vor dem Mann, der in seinen besten Zeiten vier Rolls-Royce vor der Tür stehen und 15 Clubs mit "den schönsten Frauen", wie gerne geraunt wurde, von München bis Hamburg am Laufen hatte.

Teure Autos und schöne Frauen

Angefangen hatte Fritz in Amerika, schnell wurde München zum Mittelpunkt. Hier lebte, liebte und arbeitete er, wobei die Grenzen oft fließend waren, und wurde zu einem der erfolgreichsten Rotlicht-Könige – weit über München hinaus.

Die Krönung für sein Bordell-Imperium war der legendäre Leierkasten. Fritz verdiente Millionen, besaß Villen in Spanien und Trudering, traf unzählige Frauen (viele aus dem Milieu, manche nicht), bekam einige Kinder (heute im Alter von acht bis 37 Jahren) und war befreundet mit den mächtigsten Männern der Amüsier-Welt.

Der Leierkasten: Krönung für sein Bordell-Imperium

Einige von ihnen, sofern sie noch am Leben sind, werden sich nächste Woche wiedersehen. Bei der Beerdigung vom dicken Fritz, der vergangene Woche gestorben ist (AZ berichtete exklusiv). Vermutlich werden dort auch Größen auftauchen, die sonst das Rampenlicht scheuen – so wie Walter Staudinger ("Der Pate von München", lebt heute in Miami) oder Walter Djurkovich (hatte Läden wie Crazy Sexy und 1001 Nacht).

So schillernd und lebensfroh sein Leben war, so traurig und einsam war sein Ableben: Mit 72 Jahren wurde der dicke Fritz in einer Blutlache liegend in seiner nur 27 Quadratmeter großen Wohnung in Aschheim gefunden, die ihm sein Spezl, der Ernstl, besorgt hatte.

Zwischen dem Rotlicht-Olymp und dem tiefen Fall ist viel passiert. Oft wurde dem dicken Fritz in den letzten Jahrzehnten angeboten, ein Buch über sein Leben zu schreiben. Doch er lehnte immer ab: "Ich nenne keine Namen."

Loyalität war ihm wichtig, genauso wie die Familie. Viele seiner Kinder (exakte Zahlen weiß selbst von den Beteiligten niemand), die alle verschiedene Mütter haben, kennen sich persönlich noch nicht und werden sich wohl auf der Beerdigung zum ersten Mal sehen.

Dicker Fritz: Gentleman der alten Schule

Trotzdem, so beschreiben es sowohl Kinder als auch Lebenspartnerinnen in Gesprächen mit der AZ, war ihm das Wohl seiner Lieben heilig. "Er war der beste und liebevollste Vater", sagt seine Ex-Lebensgefährtin, mit der er vor 16 Jahren liiert war und die von ihm einen Sohn im Teenager-Alter hat. Ihren Namen möchte sie in der AZ lieber nicht lesen. "Das Leben muss ja weitergehen", sagt sie. Ihren Fritz wird sie trotzdem vermissen: "Er war einzigartig, ein Gentleman der alten Schule. Fritz hatte das größte Herz. Aber als Geschäftsmann war er knallhart und gefürchtet."

(Vorübergehenden) Ärger mit der Justiz hatte der dicke Fritz hochoffiziell zwei Mal.

Ärger mit dem Gesetz

2001 wurde er als Pächter vom Leierkasten mit 17 anderen Rotlicht-Größen in München verhaftet. Der Vorwurf: ausbeuterische Zuhälterei, Förderung der Prostitution und Steuerhinterziehung. Ziel war es, die Münchner "Sex-Mafia" zu zerschlagen. Drei Millionen Kaution wollte Fritz nicht zahlen. "Das Geld seh ich doch nie wieder", soll er, der mehr ein Freund von Bargeld als von penibler Kontoführung war, gesagt haben. Er ging lieber in U-Haft. Der Anfang vom Ende – aus finanzieller Sicht. Über ein Jahr war er weggesperrt. Was mit seinen Läden, dem vielen Geld passierte? Nichts Gutes.

Die zweite Geschichte hängt mit dem Mord an Kultdesigner Gianni Versace († 1997) zusammen. Der Callboy Andrew Phillip Cunanan, der ihn in Miami erschossen hatte, setzte seinem eigenen Leben ein Ende – ausgerechnet auf dem Hausboot vom Fritz in Miami. Zufall? Das FBI ermittelte, die Zeitungen waren voll mit Verschwörungstheorien.

Der Fritz hatte mit Versace nix zu tun und fand es amüsant. Was ihn störte: dass ihn die Amerikaner nicht mehr in ihr Land reisen lassen wollten.

Sohn Tommy dachte, sein Vater mache Immobiliengeschäfte

Für den heute 25-jährigen Tommy war die Geschichte ein Schlüsselerlebnis. Zur AZ sagt er: "Ich dachte, mein Vater macht Immobiliengeschäfte. In der Zeitung sah ich plötzlich sein Bild und erfuhr die Wahrheit." Dennoch kann er nur Gutes über den Papa berichten.

Auch Spezl und Wirt Hugo Bachmaier, der ihn in Aschheim besuchte, als es ihm nicht mehr gut ging, sagt: "Fritz hat nie gejammert, sondern gelacht. Er liebte das Leben bis zuletzt – mit allen Facetten.

 

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