Nach dem Tod des Thai-Boxers Fight Night: "Letzte Ehre für Besim"

Der Schwergewichts-Champion im Thaiboxen, Besim Kabashi, wurde im Dezember tot aufgefunden. Foto: dpa

Trotz des Todes von Thaibox-Weltmeister Kabashi findet die Fight-Night am Freitag im Krone statt. Christine Theiss will für den Freund siegen. Derweil soll im Kosovo ein Abschiedsbrief aufgetaucht sein

 

MÜNCHEN Das schnelle „Bum, Bum, Bum”, das es macht, wenn Fäuste auf die Pratzen trommeln wechselt sich ab mit dem dumpfen, harten „Bumm” eines Kicks. Nach etwa einer Minute nimmt Pavlica Steko seine Hände runter, und Christine Theiss, die ihren Trainer eben noch mit Schlägen bearbeitet hatte, tänzelt aus. Kurz huscht ein Lächeln über ihr Gesicht.

Am Freitag wird Theiss wieder in den Ring steigen. Im Circus Krone will die Kickbox-Queen ihren WM-Titel gegen die Tschechin Martina Müllerova verteidigen (22.15 Uhr, Sat 1 live). Theiss ist fit, die letzten zehn Wochen Wochen hat sie sich in Spanien, wo sie für ihre im neuen Jahr startende TV-Sendung The Biggest Loser gedreht hat, auf ihren 34. Profikampf vorbereitet. Seit Samstag ist sie zurück in München. Sie ist zuversichtlich, doch richtig freuen auf den Kampf kann sie sich nicht.

Vergangenen Sonntag ist ihr Trainingspartner, der Thaibox-Weltmeister Besim Kabashi, im Klinikum Bogenhausen verstorben. Die Todesursache ist nachwievor unklar. Doch es sieht so aus, dass Kabashi, dieser Bär von einem Mann, es am Ende nicht mehr ausgehalten hat in dieser Welt. Die Anzeichen sprechen für einen Selbstmord, ausgeführt durch Medikamentenmissbrauch. Die Staatsanwaltschaft hat ein toxikologisches Gutachten angefordert, mit den Ergebnissen ist in etwa drei Monaten zu rechnen.

Anzeichen für Fremdverschulden lägen der Staatsanwaltschaft jedenfalls nicht vor. Und mittlerweile soll auch ein Abschiedsbrief Kabashis aufgetaucht zu sein. Das sagt Mladen Steko, Trainer und Manager sowohl von Theiss als auch von Kabashi. „Ich habe mit seinem Bruder sprechen können”, sagt er, „wie es aussieht, hatte Besim schon länger Probleme, von denen wir nichts wussten.” Was im Abschiedsbrief drinsteht, weiß aber auch Steko noch nicht. „Die Familie will den Brief der Staatsanwaltschaft übergeben, sobald sie aus dem Kosovo, wo Besim beerdigt wurde, wieder zurück in München ist”, sagt Steko.

Dann bekommen vielleicht er, Theiss und die anderen Trainingspartner und Freunde eine Antwort auf die quälende Frage nach dem Warum.

Theiss hat viel geweint um Kabashi die letzten Tage. Als jetzt während des öffentlichen Trainings vor der Fightnight am Freitag sein Name erwähnt wird, blickt sie zu Boden. „Besim war ein Kämpfer. Er hätte gewollt, dass wir kämpfen”, sagt sie, sagen alle Boxer des Kickboxzentrums Steko, die am Kampfabend teilnehmen sollen. Mladen Steko beteuert, dass er kein Problem damit gehabt hätte, die Fight-Night abzusagen. „Wir haben es allen offen gelassen, ob sie kämpfen wollen. Auch der Sender hat keinen Druck gemacht. Am Ende haben aber alle gesagt, dass sie in den Ring steigen und Besim die letzte Ehre erweisen wollen”, sagt er später zur AZ.

Neben Theiss war Kabashi das Aushängeschild seines Kickbox-Stalls. „So einen Typen wie ihn findest du vielleicht nie wieder”, sagt er, „Besim war wie Rocky. So einen wie ihn gibt es sonst nur im Fernsehen.” Pures Spektakel seien die Kämpfe gewesen. „In der zweite Runde lag er am Boden, in der dritten Runde hat er den Gegner dann niedergeschlagen”, so Steko und klingt betont geschäfstmäßig.

Doch natürlich hat Kabashis Tod Steko auch persönlich mitgenommen. „Ich habe Besim öfter gesehen als meine Frau, wir haben teilweise dreimal am Tag trainiert, wir waren Freunde”, sagt er. Am Freitag war Steko bei Kabashis Beerdigung im Kosovo. Tausende Menschen hätten die Straßen gesäumt. Steko sagt: „Besim war ein echter Volksheld dort. Es war sehr bewegend”

 

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