Nach dem Koma - Formel-1-Star wieder wach Michael Schumacher: Zurück im Leben

Michael Schumacher lag seit einem schweren Ski-Unfall mehrere Monate im Koma - jetzt ist er aufgewacht. Foto: dpa

Rennfahrer Michael Schumacher ist nach fünfeinhalb Monaten aus dem Koma erwacht und befindet sich in einer Reha-Klinik in Lausanne. Was das bedeutet.

 

Grenoble/Lausanne - Sportfans hatten sich diesen Montag schon seit Monaten im Kalender markiert: Der erste Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien. Doch keiner konnte ahnen, dass sechs Stunden vor dem Anpfiff in Salvador eine ganz andere Nachricht die Sportwelt bewegen würde: Formel-1-Rekordmeister Michael Schumacher ist nicht mehr im Koma.

„Michael hat das CHU Grenoble verlassen, um seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen“, teilte Schumachers Managerin Sabine Kehm um kurz vor 12 Uhr mit. Wer an höhere Macht glaubt, muss darin einen besonderen Zusammenhang sehen: Dass Fußballfan Schumacher just an diesem Tag das Krankenhaus verlässt, in dem er seit seinem schweren Skiunfall am 29. Dezember 2013 mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma lag. Zwei Tage, nachdem Nationalspieler und Schumacher-Freund Lukas Podolski twitterte, er hoffe, „dass Michael eventuell noch das eine oder andere Spiel sehen kann“. Alle anderen atmen einfach auf: Schumachers Zustand hat sich verbessert.

Zuletzt hatte es lange Zeit keine Nachrichten aus Grenoble gegeben. Bei dem Sturz kurz vor Silvester war Schumacher abseits der Piste in Meribel auf einen Felsen geprallt und hatte schwere Kopfverletzungen erlitten – sein Helm, so die Ärzte, rettete ihm das Leben. Nach mehreren Notoperationen versetzen ihn die Ärzte in der Uni-Klinik Grenoble ins künstliche Koma – und leiteten Ende Januar die Aufwachphase ein, indem sie die Narkosemittel reduzierten.

Zwischendurch gab es mehrmals Spekulationen über einen Rückfall, doch Managerin Kehm wies all das zurück und betonte mehrmals: „Wir sind und bleiben zuversichtlich, dass Michael da durchgehen und aufwachen wird.“ Die letzte optimistische Nachricht stammt vom 4. April, als Kehm mitteilte, dass Schumacher „Fortschritte auf seinem Weg“ mache. Er zeige „Momente des Bewusstseins und des Erwachens“.

Diese Momente müssen in der Zwischenzeit immer zahlreicher geworden sein. Momente, die der Münchner Anästhesist Lorenz Frey in der AZ so beschrieb: Meist sind es winzige Schritte, in denen der Patient aufwachst – von zuckenden Augenlidern und Pupillen bis zu unbewussten Zuckungen, ausgelöst durch Schmerzen. Der Patient kann noch nicht sprechen – aber schon gesprochenes wahrnehmen – bis er nach Wochen aus dem Tiefschlaf aufwacht. Beim Aufwachen, so beschreibt es der Berliner Charité-Neurologe Peter Vajkoczy, würde ein Patient „beginnen, die Augen zu öffnen und auf Ansprache und auf Manipulationen an seinem Körper zu regieren“. Eine solche Reaktion könnte eine Blickwendung sein oder eine Bewegung der Arme oder Beine.

Wie es Schumacher geht, ob er, wie die „Bild“ schreibt, Stimmen hört, auf Berührungen reagiert und mit Ehefrau Corinna (45) und den Kindern Mick und Gina-Maria kommunizieren kann, darüber wurde gestern nichts bekannt. Auch nicht über die weitere Behandlung. Managerin Kehm bat stattdessen um „Verständnis, dass die weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll“.

Nichtsdestotrotz teilte kurz darauf ein Sprecher der Uni-Klinik in Lausanne mit, dass Schumacher zu ihnen verlegt worden sei – Schumacher und seine Familie leben seit Jahren in der Schweiz. Zum weiteren Verlauf der Behandlung und zu den Reha-Maßnahmen teilte der Sprecher nichts mit.

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Nach Auskunft des Charité-Arztes Vajkoczy lässt sich allein aus der Verlegung in eine Reha-Klinik nichts über den Gesundheitszustand ableiten. Zu vielfältig seien die Diagnosen – von Patienten, die nur die Augen öffnen und wenig Reaktion zeigen, bis zu Patienten, die beginnen, herumzulaufen. Entscheidend für die Genesung eines Patienten sei, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind. So zeigt sich nach der Aufwachphase, welche Einschränkungen – etwa motorischer oder sprachlicher Art – geblieben sind oder ob Wesensveränderungen auftreten. In jedem Fall liegt vor Schumacher ein langer Rehabilitations-Prozess, der Wochen und Monate dauern kann.

Dass er ihn meistert, daran zweifeln seine Anhänger jedenfalls nicht. 91 Grand-Prix-Siege, 68 Pole Positions, sieben Titel, die vielen Rekorde – schon seit seinem Unfall heißt es immer wieder: „Wenn es einer schafft, dann er.“ Entsprechend viele aufmunternde Botschaften müssen die Familie von Schumacher in den letzten Monaten erreicht haben. Gestern bedankte sich Managerin Kehm dafür ausdrücklich: „Sie haben ihm sicher geholfen.“ Außerdem dankte sie den behandelnden Ärzten Pflegern, Schwestern und Therapeuten in Grenoble sowie den Ersthelfern am Unfallort.

In Zukunft werden sich andere Ärzte und Pfleger um Schumacher kümmern – und mit ihm auf das hin arbeiten, was seine Familie und Fans so sehr ersehnen: Dass er ganz zurückkehrt. Nicht umsonst hatte Schumacher bei seinem Abschiedsrennen 2012 erklärt: „Ich habe neben der Formel 1 ein Leben, darauf freue ich mich.“

 

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