Nach dem Finale bei DSDS Ein "Superstar", der Senioren betrügt

Jury-Mitglied Heino und Sieger Severino Seeger. Foto: dpa

Zumindest sieht das der Staatsanwalt so. Am 2. Juni muss sich Severino Seeger, der am Samstag „DSDS“ gewonnen hat, vor Gericht verantworten

 

Mit seiner Schmusestimme hat der 28-jährige Halbitaliener Severino Seeger am Samstagabend den Titel „Deutschland sucht den Superstar 2015“ (DSDS) gewonnen. 500 000 Euro bekommt er dafür jetzt auf sein Konto. Vor seiner DSDS-Karriere allerdings sollen auf dem auch schon andere hohe Summen eingegangen sein: durch EC-Karten-Betrug an Seniorinnen.

Deswegen hat der neue „Superstar“ auch schon einen festen Termin in seinem nun vollen Kalender: Am Dienstag, 2. Juni, muss sich der junge Hesse demnach in Frankfurt wegen „gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“ vor Gericht verantworten. Severino Seegers Prozess war im Februar verschoben worden – weil der Richter kurzfristig krank geworden war. Damals hatte DSDS-Chef-Juror Dieter Bohlen noch gesagt: „Ich weiß nicht, was an den Vorwürfen dran ist und halte mich an die Unschuldsvermutung. Falls Severino die alten Damen aber betrogen hat, dann ist bei „DSDS“ kein Platz für ihn. Wir wollen keine Kriminellen in der Show.“

59 Prozent stimmten für Severino Seeger

Drei Monate später siegt Seeger mit 59 Prozent. Sein neues Lied heißt: „Hero of my heart“ (Held meines Herzens). Das wird er für die von ihm mutmaßlich betrogenen Seniorinnen wohl kaum sein. Um über 100 000 Euro soll der IT-Manager zusammen mit mehreren Komplizen acht Seniorinnen im Alter von 63 bis 84 Jahre gebracht haben. Der Trick: Laut Staatsanwaltschaft rief die Gruppe bei den Frauen an und gaben sich als Mitarbeiter der Bank aus. Angeblich sei das Geld der Frauen versehentlich ins Ausland überwiesen worden. Um das rückgängig zu machen, sollten die Damen ihre EC-Karte abgeben und den PIN dazu mitteilen, so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Den Mitarbeiter, der die Karte abholte, soll Severino Seeger gemimt haben. Den älteren Damen stellte er sich als „Herr Struller“ vor.

„Wenns um eure Oma gehen würde, wärt ihr nicht so locker!“

Seeger soll Medienberichten zufolge aufgeflogen sein, als er vermummt mit Wollmütze und Schal im Hochsommer Geld mit einer EC-Karte abheben wollte. Das soll einem aufmerksamen Bank-Mitarbeiter komisch vorgekommen sein. Er notierte das Nummernschild des Autos. Die Bande hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 104 344,98 Euro abgehoben. Zwei der Betrüger-Gruppe sind bereits verurteilt worden: Ein 40-jähriger Mann und seine Zwillingsschwester bekamen zwei Jahre auf Bewährung. Seeger selbst saß im Jahr 2013 drei Wochen in U-Haft.

Dann kam er unter Auflagen frei. Seine Tochter (2) darf er seither nicht mehr sehen. Die Mutter des Mädchens will das angesichts der kriminellen Karriere nicht. Seegers drohen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft. Obwohl die Vorwürfe schon während der laufenden Staffel an die Öffentlichkeit kamen, stehen viele seiner Fans hinter ihm. Andere dagegen sind der Meinung, dass Seegers wegen der Vorwürfe nicht gewinnen hätte dürfen: „Wer alte Omis bescheißt, hätte von mir keine Stimme bekommen“, schreibt Zuschauer Manfred Hüfner an den Superstar. Giuvanna Simona Rad richtet sich direkt an seine Fans: „Wenn’s um eure Oma gehen würde, wärt ihr nicht so locker!“

 

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