Nach Beschwerde von Charlotte Knobloch Vortrag von Antisemiten? Caritas kündigt Verein fristlos

Die Caritas kündigte den Mietvertrag mit dem fraglichen Verein fristlos. Foto: dpa

Die Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe (JPDG) wollte am Montag bei der Caritas einen Vortrag halten. Das sorgt bei Charlotte Knobloch und der Israelitischen Kultusgemeinde für heftigen Protest – mit Konsequenzen.

 

München - "Mit Erstaunen und Verärgerung" habe sie den Vortrag zur Kenntnis nehmen müssen, schreibt Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitische Kultusgemeinde, an Peter Bachmeier, seines Zeichens Chef des Münchner Caritasverbandes. Der Beschwerdebrief liegt der AZ vor.

Was war passiert? Die Caritas hatte dem Verein "Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe (JPDG)" am kommenden Montag (23.9.) Räumlichkeiten für den Vortrag zur Verfügung gestellt. Eigentlich kein unübliches Vorgehen. Allerdings gehört die JPDG zu den eingetragenen Unterstützern der BDS-Kampagne (siehe unten). Und wird von der Stadt als antisemitisch eingestuft.

BDS-Kampagne gilt als antisemitisch

Bereits 2017 hatte der Stadtrat beschlossen, dass keine Räume mehr für Veranstaltungen der BDS-Kampagne genutzt werden dürfen – auch von der Stadt geförderte Einrichtungen sollten sich dem anschließen. Im Mai dieses Jahres strich auch der Bund die finanzielle Unterstützung.

Dass die Caritas nun einer solchen Veranstaltung eine Bühne biete, "muss ich im besten Fall als gefährliche Achtlosigkeit verstehen", schreibt Knobloch. Sie habe die Caritas bislang als "verlässlichen Partner im Kampf gegen Antisemitismus" erlebt, schreibt Knobloch weiter und bittet "nachdrücklich und eindringlich darum", die Raumüberlassung "zu überdenken".

Caritas kündigt fristlos

Auf Nachfrage teilt die Caritas mit: Der Mietvertrag wurde bereits fristlos gekündigt! "Wir sind Frau Knobloch für den Hinweis sehr dankbar", sagt eine Sprecherin und erklärt, dass man bei der Anfrage zur Anmietung getäuscht worden sei: ein zweiter, harmloser Verein sei ebenfalls als Veranstalter angegeben worden. Diesen habe man geprüft und der Anfrage stattgegeben. "Ein Fehler, für den wir uns entschuldigen".

"Antisemitismus hat bei uns natürlich keinen Platz. Die Caritas gibt dem im doppelten Sinne keinen Raum", so die Sprecherin. Das werde man auch Frau Knobloch noch einmal versichern. Ob es seitens der JPDG rechtliche Schritte gebe, war am Donnerstag noch unklar.


BDS steht für "Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen". Die Bewegung verlangt ein Ende der Besatzung des Westjordanlandes, der Golanhöhen und Ostjerusalems, die völlige Gleichberechtigung arabisch-palästinensischer Bürger Israels und ein Recht auf Rückkehr nach Israel für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen.

 

38 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading