Nach AZ-Bericht Rathaus-Grüne fordern Ende der "Oben ohne"-Schikane an der Isar

Männer mit "Sicherheitsdienst"-T-Shirts sprechen Frauen ohne Bikini-Oberteil an der Isar an. Foto: Privat

Der AZ-Bericht schlägt hohe Wellen: Ein von der Stadt München beauftragter Sicherheitsdienst hat oben ohne badende Frauen zurechtgewiesen. Die Stadtratsfraktion "Die Grünen - rosa liste" fordert OB Reiter auf, die Schikane zu unterlassen, der Zweite Bürgermeister Pretzl setzt auf "die richtigen Schlussfolgerungen".

 

München - Fünf stämmige Männer mit rotem Shirt und dem Aufdruck "Sicherheitsdienst", patrouillierten am Freitagnachmittag an der Isar und sprachen zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke Frauen an, die ohne Bikini-Oberteil sonnenbadeten. Man sei von der Stadt beauftragt worden und fordere jetzt die Frauen auf, sich zu bedecken, hieß es. 

Die Grünen im Stadtrat lehnen dies entschieden ab. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dominik Krause fordert in einer Anfrage Auskunft über den Vorgang und über die rechtliche Grundlage für das Einschreiten des Sicherheitsdienstes.

Grüne und rosa Liste fordern Reiter zum Handeln auf

Krause ist empört: "Das Vorgehen des Sicherheitsdienstes ist ein Angriff auf die so häufig von allen beschworene Liberalität und Weltoffenheit der bayerischen Landeshauptstadt. Es ist höchst zweifelhaft, dass die 'Kommunale Badebekleidungsverordnung' eine ausreichende Rechtsgrundlage dafür bildet, um an der Isar einen Sittenkodex durchzusetzen, der offenkundig dem Grundsatz der Gleichheit der Geschlechter widerspricht und auch nach geltender Rechtsprechung als veraltet gelten muss. Ich fordere OB Reiter auf, dafür zu sorgen, dass 'oben ohne' Badende – gleich welchen Geschlechts – an öffentlichen Münchner Badestellen nicht schikaniert werden und nötigenfalls die Verträge mit den Sicherheitsdienste entsprechend anzupassen."

Zweiter Bürgermeister Pretzl: "Das darf sich nicht wiederholen"

Auch den Zweiten Bürgermeister Manuel Pretzl beunruhigt das Vorgehen der Sicherheitskräfte. "Die Schilderungen der Ereignisse vom Freitag - und die dazugehörigen Bilder - lösen bei mir ein beklemmendes Gefühl aus. Das ist nicht das München, das wir kennen und schätzen", sagte der CSU-Fraktionsvorsitzende am Dienstag.

"Leben und leben lassen" sei - insbesondere im Sommer - das "Leitmotiv dieser Stadt". Nichts passe weniger dazu, als Sicherheitsleute, die Nacktbadende einschüchtern. Pretzl: "Das Verhalten des Sicherheitsdienstes muss jetzt zügig und transparent aufgeklärt werden. Und wir müssen die richtigen Schlussfolgerungen aus diesem 'Einsatz' ziehen. So etwas darf sich unter keinen Umständen wiederholen."

Was sagt die Stadt zur Security an der Isar?

Wurde die "Sittenpolizei" tatsächlich von der Stadt beauftragt? Eine AZ-Nachfrage beim Baureferat blieb erst tagelang unbeantwortet, dann bestätigte man das Einsetzen eines Sicherheitsdienstes, der über die geltenden Regeln der Landschaftsschutzverordnung informiert und zur gegenseitigen Rücksichtnahme auffordert. Zum Nacktbaden, das in München eine lange Tradition habe, mache die Landschaftsschutzverordnung keine Angaben, so Sprecherin Dagmar Rümenapf.

Tatsächlich gilt im Münchner Stadtgebiet ein generelles Nacktbadeverbot. Ausgenommen sind sieben Zonen, wie einige Abschnitte an der Isar, im Englischen Garten und am Feldmochinger See. Das Isar-Ufer zwischen Reichenbach- und Wittelbacherbrücke gehört nicht dazu. Ob der Sicherheitsdienst dies auch überwachen soll, bleibt zunächst unklar.

Sicherheitsmänner hätten Nacktbadende nicht zurechtweisen dürfen

Erst am späten Dienstagnachmittag meldet sich erneut das Baureferat zu Wort. Baureferat-Sprecherin Dagmar Rümenampf zur AZ: "Die Badebekleidungsverordnung ist dem Sicherheitsdienst an der Isar zwar bekannt, deren Durchsetzung gehört jedoch nicht zu den vertragsgemäßen Aufgaben, sondern liegt in der Zuständigkeit der Ordnungsbehörden und der Polizei. An der Isar ist das textilfreie Baden auf der Isarinsel am Flaucher erlaubt. Der Bereich zwischen der Reichenbachbrücke und der Wittelsbacherbrücke liegt demnach nicht innerhalb des offiziellen FKK-Bereiches. Das am Freitagnachmittag eingesetzte Personal handelte zunächst in der irrigen Meinung, es gehöre zu ihren Aufgaben, dies anzusprechen. Auch die hinzukommende Polizei sprach keine Verwarnung aus." Und weiter: "Insbesondere wurde der Wachdienst angewiesen, das textilfreie Baden an der Isar auch außerhalb der FKK-Zonen nicht von sich aus zu verfolgen."

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