Nach 60 Arbeitsjahren ist Schluss Griechische Spezialitäten in der Baaderstraße: Nikos geht in Rente

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Nikos Kostis. Foto: Sigi Müller

Der freundliche Grieche in der Baaderstraße schließt seinen Laden, doch er hat gute Neuigkeiten.

 

Isarvorstadt - Sechzig Arbeitsjahre hat Nikos Kostis (72) "auf dem Buckel", wie er es ausdrückt. "Jetzt ist die Zeit gekommen, dass ich sage, das war's."

Jeder in der Baaderstraße kennt Nikos, der seit 15 Jahren griechische Spezialitäten verkauft. Am Gründonnerstag wird Nikos seinen Laden zum letzten Mal öffnen. Zum letzten Mal wird er um 5 Uhr aufstehen und zur Großmarkthalle fahren. Zum letzten Mal wird er ab 7 Uhr in der Küche stehen und das Auflaufgericht Pastitsio (5 Euro) kochen, das es immer donnerstags gibt. Wird Bifteki (2 Euro) und Pita (3 Euro) zubereiten, die er täglich anbietet.

"Das waren schwierige Zeiten."

Auch wenn Nikos gefühlt immer lächelt, ist ihm viel Hass entgegengeschlagen. Noch heute muss er Kunden darauf hinweisen, dass er selbst als Wirtschaftsflüchtling kam, wenn einer bei ihm über Flüchtlinge zetert. "Ich wäre nicht aus Griechenland weggegangen, wenn ich den Bauch vollgehabt hätte." Während der Griechenlandkrise wurde Nikos immer wieder beschimpft, mal offen, mal anonym auf Zetteln. "Das waren schwierige Zeiten." 1969 kam Nikos als Gastarbeiter zuerst nach Nordrhein-Westfalen, wo er in Fabriken schuftete, und in den 70ern nach München. Als er 2004 arbeitslos wurde und mit 57 Jahren das Geschäft in der Baaderstraße übernehmen wollte, rieten ihm alle davon ab. Nikos war damals nach zwei Schulter-OPs und einem Bandscheibenvorfall 40 Prozent invalide, heute sind es 50 Prozent.

Nikos übernahm den Laden als fünfter Grieche in Folge und den Job als Hausmeister in der Baaderstraße 35. Fortan arbeitete Nikos 15 Stunden am Tag. 15 Stunden, die ihm seine Kunden nie ansehen. Für die Kinder hat er immer ein Kaubonbon.

Ein kleiner Bub, der an einem Tag fest seine Arme um Nikos Knie schlang und ihm weinend erzählte, dass seine Eltern sich scheiden lassen, ist heute über 20 Jahre. Nikos und seine deutsche Frau sind bis heute mit dem Buben und seinen geschiedenen Eltern befreundet, waren bei der Kommunion und beim Schulabschlussfest. Denn Nikos hat den Buben nicht nur einmal getröstet, sondern ihm oft in seinem Kummer zugehört und ihm viele Kaubonbons geschenkt.

Viel Zeit für die Enkel

Auch wenn Nikos in Rente geht und künftig viel Zeit mit seinen Enkeln in Hamburg und Griechenland verbringen will, wird er – wie seit 44 Jahren – weiter ums Eck wohnen. Auch die Hausmeisterei will er nicht aufgeben. "So kann ich den Kontakt halten."

Und er will oft vor seinem alten Laden sitzen, den ein 37-jähriger Grieche übernimmt. Der kommt zwar von einem griechischen Lokal in der Jahnstraße, aber Nikos hat mit seiner Tochter Musaka und Gulasch gekocht und sie hat die Rezepte ganz genau aufgeschrieben. "Die Leute haben sich daran gewöhnt", sagt Nikos und verspricht, dass sein Nachfolger den Laden in seinem Sinne weiterführen wird. Und wer einen Rat oder Ratsch braucht, wird Nikos weiter in der Baaderstraße treffen oder beim Abschieds- und Willkommensfest am 22. Juni.


Baaderstr. 35, Mo-Fr 8 bis 14 und 15 bis 20 Uhr, Sa 8 bis 13 Uhr

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