MVG entdeckt Gift Asbest in der U-Bahn-Baustelle am Sendlinger Tor

Giftiges Gelb: In der Wandverkleidung der U-Bahnstation am Sendlinger Tor hängt Asbest. Etwa 100 Kubikmeter hat die MVG schon entsorgt. Foto: Daniel von Loeper

Bei der Sanierung der U-Bahnstation am Sendlinger Tor in München holt die MVG auch eine Menge giftiges Material aus der Baustelle. Dabei gilt höchste Vorsicht.

München - In München hat fast jeder U-Bahnsteig seine eigene Farbe: Die Münchner Freiheit leuchtet blau, der Marienplatz ist orange – und das Sendlinger Tor? Das ist am Gleis von der Linie U1/2 im Wesentlichen gelb. Man könnte sogar sagen: giftig gelb.

In den Wänden mit dem gelben Mosaikmuster schlummert gesundheitsschädlicher Asbest. Um 1970 herum, als die Station gebaut wurde, war das ein überaus beliebter Baustoff: feuersicher, stabil und zudem recht günstig. Heute dagegen, knapp 50 Jahre später, muss man das Material aufwendig entsorgen.

Asbest: Früher beliebt & billig, heute teure Entsorgung

Seit knapp einem Jahr wird der Bahnhof Sendlinger Tor nun schon saniert. Die Bahnsteige werden erweitert, neue Querverbindungen gebaut – und im gleichen Aufwasch schafft die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auch den Asbest aus dem Tunnel. Freilich: Einfach so wegmeißeln und rauskarren kann man das krebserregende Material nicht. Beim Abbruch entsteht feinster Staub, der sich in der Lunge einnisten kann. Für die Asbest-Entsorgung muss deshalb immer wieder ein Bahnsteig für ein Wochenende gesperrt werden. Die Baustelle wird mit einer luftdichten Schleuse samt Dekontaminationskammer vom Rest der U-Bahnstation isoliert. Erst dann kann es losgehen.

Dieses Wochenende war nun mal wieder ein Asbest-Wochenende am Sendlinger Tor. Ausgerüstet mit weißen Ganzkörperanzügen und Atemschutzmasken hat sich ein etwa 40-köpfiges Sonderkommando ans weitere Abtragen der belasteten Wandverkleidung gemacht. Seit Beginn der Bauarbeiten war das bereits der vierte Einsatz dieser Art. Die MVG hat inzwischen also durchaus eine gewisse Routine bei der Asbest-Beseitigung. Trotzdem steigt in der Konzernzentrale jedes Mal der Puls, wenn die Arbeiter am Sendlinger Tor loslegen. Denn sollte man am frühen Montagmorgen, kurz bevor der Berufsverkehr wieder einsetzt, noch Asbest-Spuren in der Luft nachweisen können, müsste der betroffene Bereich gesperrt werden.

40-köpfiges Sonderkommando im Einsatz

Von einer "Operation am offenen Herzen" spricht Arne Petersen deshalb auch, der Chef der Abteilung für Verkehrsbauwerke bei der MVG. Schließlich nutzen jeden Tag etwa 220 000 Fahrgäste die U-Bahnstation. Was für ein Verkehrschaos entstünde, wenn werktags Teile des Bahnhofs gesperrt werden müssten, kann man sich also leicht ausmalen.

Die MVG tut deshalb alles dafür, dass am Sendlinger Tor kein Asbest-Alarm ausgelöst werden muss. Bereits am Sonntag gegen 10 Uhr wird am Bahnsteig die erste Luftprobe genommen. Die wird im Labor dann unter dem Mikroskop untersucht. Werden Auffälligkeiten festgestellt, wird der Bahnsteig noch einmal drei bis vier Stunden lang mit einem speziellen Asbest-Staubsauger gereinigt. Sollte das Labor danach immer noch Asbest-Reste in der Luft feststellen, müsste die MVG einen Notfallplan in Kraft setzen.


Und so soll der Bahnsteig von U1/2 aussehen, wenn alles fertig ist. Immer noch gelb – aber dann ganz ohne Asbest. Illustration: MVG

Asbest-Reste in der Luft? 

"Bis jetzt war zum Glück immer alles unauffällig", sagt Christoph Schaller, der Leiter der Bahnhofssanierung. Und auch gestern lief die Auswertung im Labor ohne bedenklichen Befund ab.

Zittern muss die MVG aber trotzdem noch länger. Um die 100 Kubikmeter verseuchtes Material hat das Sonderkommando bis jetzt aus der U-Bahnstation herausgeholt. Etwa 75 Prozent des Asbests sind damit schon beseitigt. Bis Mitte April sollen die Arbeiten am giftig-gelben Bahnsteig von U1 und U2 abgeschlossen sein. Erledigt hat sich das Asbest-Problem damit aber noch lange nicht.

Asbest: 75 Prozent sind bereits entsorgt

Im April geht es eine Ebene höher weiter, am blauen Bahnsteig von der Linien U3 und U6. Auch dort hängt in der Verschalung Asbest – wie in jeder anderen Station aus der Anfangszeit des Münchner U-Bahnbaus. Die MVG hat also noch einige Baustellen vor sich. Der Bahnsteig von U1/2 am Sendlinger Tor wird sein bekanntes Aussehen übrigens weitgehend behalten.

In einem eigens dafür eingerichteten Musterraum kann man sich schon jetzt anschauen, wie der Bahnsteig in Zukunft aussehen soll. Die Wandverkleidung wird wieder gelb sein. In Zukunft dann allerdings ganz ungiftig – ohne Asbest.

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