Muslime auf Raumsuche Ramadan in München – und keine Gebetsräume

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Ein Mann beim Gebet. (Symbolbild) Foto:

In der Innenstadt gibt es keine Moschee mehr. Die Muslime in München treffen sich zum Freitagsgebet deshalb an wechselnden Orten.

 

München - Eine der über vierzig Moscheen in München verbarg sich unauffällig hinter einem grauen Eisentor in der Landwehrstraße. 36 Jahre lang gingen die Münchner Muslime durch einen Hinterhof im Bahnhofsviertel in ihre kleine Moschee, um zu beten, den Koran zu lesen oder sich bei Tee auszutauschen.

Anfang des Jahres hat der Vermieter, die Theatergemeinde München, dem Moschee-Verein fristlos gekündigt. Der Grund: Die Moschee war hoffnungslos überlaufen, es gab Probleme mit den Brandschutzbestimmungen und Fluchtwegen Mittlerweile gibt es in der Innenstadt keine Moschee mehr. Nach und nach wurden alle geschlossen. Deshalb treffen sich einige Münchner Muslime zum Freitagsgebet in wechselnden Räumlichkeiten in der Innenstadt. Im Gemeindesaal von St. Michael waren vor zwei Wochen rund 200 Muslime, in den Kammerspielen sind es diesen Freitag einige Dutzend.

"Wir sind zufrieden", sagt der Imam – er ist ein demütiger Mann

"Wir sind auch mit diesen Teillösungen zufrieden", sagt Imam Ahmad Popal (27), der das Freitagsgebet leitet, Islamwissenschaften in Südafrika studiert hat und derzeit Wirtschaft in seiner Heimatstadt München studiert. "München hat ein schönes Gesicht, das man auf der ganzen Welt zeigen kann", und Popal schwärmt davon, wie hilfsbereit die Münchner sich gegenüber Geflüchteten zeigen und wie die Jesuiten und die Kammerspiele den Muslimen beim Freitagsgebet geholfen haben. Popal ist ein demütiger Mann, Forderungen will er nicht stellen.

Um Demut ging es auch bei seiner Predigt am Freitag, die er selbstverständlich auf Deutsch hält. "Als Vorbeter spreche ich über die Themen, die uns als deutsche Gesellschaft betreffen" sagt Popal. Vergangenen Freitag hat er über Selbstkritik gesprochen und darüber, dass niemand sich über einen anderen erheben darf. Vergangene Woche sprach er über die Moschee als Ort der Kultur und Bildung.

Popal als Vertreter der jungen, liberalen Muslime, hat auch Stadtrat Marian Offman (CSU) beeindruckt, der Kontakte zu Menschen mit Räumen für das Freitagsgebet hergestellt hat. Durch die Trennung von Staat und Religion ist es für die Stadt schwierig, den Muslimen bei der Suche nach neuen Moscheen zu helfen. Doch Offman sieht trotzdem die Notwendigkeit von Gebetsräumen: "Es ist wichtig, dass gerade junge Leute das Gefühl haben, dass wir uns um ihre religiösen Belange kümmern. Sonst sind sie frustriert und laufen Gefahr, von Extremisten eingenommen zu werden."

Er sieht es aber als Problem an, dass die Muslime kein gemeinsames Sprachrohr haben, sondern in vielen kleinen Gruppen sprechen. "Gerade als jüdischer Stadtrat bemühe ich mich um ein Miteinander von Juden, Christen und Muslimen."

Kein Vorschlag zur Lösung in Sicht

Julia Schönfeld-Knor, Cumali Naz und Christian Müller von der Stadtrats-SPD haben sich Donnerstagabend mit Vertretern von Muslimverbänden und Muslimen zu einem Austausch getroffen und Vorschläge gemacht, wie man das Raumproblem lösen kann. Einen Vorschlag gibt es noch nicht.

Ein Jahr ist vergangen, seit das Projekt des bekanntesten Imams Bayerns, Benjamin Idriz, gescheitert ist. Er wollte eine repräsentative Moschee an der Dachauer Straße bauen. Doch es fehlte das Geld und der Zusammenhalt der oft landsmannschaftlich organisierten Muslime. Andere Muslime wünschen sich kleine Moscheen, in denen die Muslime je nach Herkunft zusammenkommen können.

Der Freitag ist ein heiliger Tag für die Muslime – gerade jetzt während des Fastenmonats Ramadan. Vor dem Gebet waschen sich die Muslime. "Der Kontakt mit dem Wasser ist besonders an Ramadan intensiv, weil wir nichts getrunken haben", sagt Popal. "Beim Gebet schieben die Gläubigen ihre weltlichen Gedanken beiseite und konzentrieren sich auf sich selbst und den Schöpfer."

Sie beten, dass sie bald einen Platz in der Innenstadt haben, wo sie für eine halbe Stunde zusammenkommen können.

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