Musikgeschichte Vor 50 Jahren zerbrachen die Beatles

John Lennon, Ringo Starr, Paul Mc Cartney und George Harrison – hier in karnevalesken Uniformen für das 1967 veröffentlichte Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ – hätten sich wirklich nicht gleich auflösen müssen, um die Museumsreife zu erlangen. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Vor 50 Jahren war es mit der Gemeinschaft der Liverpooler Fab Four endgültig vorbei – ein schleichender Prozess

 

Da hat der Weltgeist scheinbar wieder ganze Arbeit geleistet. Der 10. April 1970 wird in den Geschichtsbüchern als der Tag geführt, an dem sich die Beatles trennten. Es ist also genau an diesem Karfreitag 50 Jahre her, dass die vier Pop-Götter ans Ende ihres Weges gekommen waren. Doch so passend das auch erscheint: Wer es mit der Religion hält, deren Ursprung in Liverpool liegt, weiß, dass man dieses Datum eher symbolhaft begreifen sollte. Es lässt sich nämlich nicht sagen, wann sich die Band auflöste.

Das Ende war kein Schlussakkord, sondern ein verzögerter, unstimmiger Fade-Out. Es passte überhaupt nicht zu dieser Saga, die sich kein Autor besser hätte ausdenken können: Sie begann mit der Freundschaft zweier Kriegskinder aus Liverpool namens John und Paul, ging weiter im Hamburger Rotlichtmilieu, wo die jungen Musiker in endlosen Live-Nächten zur großartigen Band zusammengeschweißt wurden. Einen Plattenvertrag ergatterten sie dennoch nur mit Mühen, schließlich landeten sie bei einem Label, das auf Comedy spezialisiert war. 

Die Stimmung verschlechtert sich

Der Rest dann im Zeitraffer: Hits, Ekstase und ohnmächtige Mädchen, die Eroberung Amerikas und der Welt, der Aufstieg zu nie dagewesenem Ruhm, das Sprengen aller popmusikalischen Grenzen.

So überlebensgroß diese Story war, so seltsam verdruckst war ihr Ende. Die verschworene Band war mehr und mehr auseinandergefallen, nachdem ihr Manager Brian Epstein 1967 gestorben war. Nach all den Jahren, in denen sie sich gemeinsam vor hysterischen Fans verschanzen mussten, nahmen Fliehkräfte und Spannungen zu. Die Stimmung im Studio wurde schlechter, und sicher war auch nicht förderlich, dass Yoko Ono ständig dabei war und musikalische Vorschläge machte. Sie sei aber nicht der Grund für die Trennung gewesen, sagte Paul McCartney. Zum allmählichen Zerwürfnis habe eher geführt, dass John, George und Ringo – gegen seinen Willen – den kriminellen Allen Klein zum Manager gemacht hatten.

Am 20. September 1969 verkündete dann John Lennon bei einem Treffen: „Ich will die Scheidung“. Klein überredete ihn, das geheim zu halten, um einen zuvor ausgehandelten lukrativen Plattendeal nicht zu gefährden – und aus der irrigen Sorge, dass sich das wenige Tage später erscheinende Album „Abbey Road“ sonst schlechter verkaufen würde. Nach diesem Treffen spielten nie wieder alle vier Beatles zusammen. Aber war das wirklich schon das Ende der Band? Die anderen drei waren sich da nicht so sicher.

Erst eine Pause, dann das Ende

Im Januar 1970 vollendeten Paul und George gemeinsam den Song „Let It Be“, der schon früher in großen Teilen eingespielt wurde, die Single wurde ein weiterer Welthit. Außerdem nahmen sie mit Ringo noch einen neuen Song auf, „I Me Mine“. Im März aber hatte dann auch McCartney keine Lust mehr: Allen Klein und seine drei Kollegen entschieden über seinen Kopf hinweg, das Album „Let It Be“ mit Aufnahmen früherer Sessions zu veröffentlichen, sein erstes Solo-Album auf dem gemeinsamen Label „Apple“ sollte deshalb verschoben werden. Und dann enthielt „Let It Be“ auch noch eine Version seines „The Long And Winding Road“, die der von Klein beauftragte Produzent Phil Spector stark verändert hatte. Das war zu viel.

Als Paul McCartney Rezensionsexemplare seines Solo-Albums an die Presse verschickte, tütete er höchstpersönlich einen Fragebogen mit ein: Darin sagte er, keine neuen Platten mit den Beatles zu planen. Doch auf die Frage, ob der Bruch der Band endgültig sei, sagte er: „Das weiß ich nicht.“ Auch das Wort „Pause“ war zu lesen. Aber die Boulevard-Zeitung „Daily Mirror“ verkürzte am 10. April 1970 alles zu der Überschrift: „Paul verlässt die Beatles“. So verkündete also keiner der Fab Four das Ende, sondern die Yellow Press.

Am Ende ein Rechtsstreit

Und es folgte ein trauriges Nachspiel: McCartney sah sich gezwungen, seine Bandkollegen zu verklagen. Die vier hatten 1967 aus Steuergründen die Personengesellschaft „The Beatles & Co“ gegründet, in die bis 1977 weitgehend alle Einnahmen der vier fließen und paritätisch verteilt werden sollten. So hätte etwa Ringo ebenso viel an Pauls Solo-Hits verdient wie dieser selbst. Das Problem aber war ein anderes: McCartneys Erzfeind Allen Klein verwaltete alle Gelder und verweigerte Zahlungen und Abrechnungen.

McCartney klagte also Anfang 1971, um aus diesem Vertrag herauszukommen, um den verhassten Manager loszuwerden und das Beatles-Vermögen zu retten. Lennon, Harrison und Starr hingegen wollten alles beim Alten belassen und beharrten darauf, dass man wie bisher partnerschaftlich zusammenarbeiten könne. Die größte Band aller Zeiten stritt also nach ihrem Ende darüber, ob sie eine Personengesellschaft bleiben sollte. McCartney gewann im März 1971 vor Gericht. Seine Anwälte hatten in dem Prozess gegen Lennon, Harrison und Starr mit vielen Einzelbelegen überzeugend dargelegt: Die Beatles gab es nicht mehr. 

 

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