Musikalische Akademie Dima Slobodeniouk dirigiert im Nationaltheater

Dima Solobodeniouk und Frank-Peter Zimmermann im Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Dima Slobodeniouk dirigiert das Bayerische Staatsorchester, der Geiger Frank Peter Zimmermann spielt im Nationaltheater Bohuslav Martinu

 

Nicht nur für das Bayerische Staatsorchester stellt das Violinkonzert Nr. 2 von Bohuslav Martinu Neuland dar, sondern wahrscheinlich auch für große Teile des Publikums. Da ist es ein Glücksfall, dass man dieses kaum gespielte Werk aus den 1940er Jahren in so vollendeter Gestalt kennenlernt.

Frank Peter Zimmermann lässt für seine Kollegen kaum was übrig, was sie anders, und nichts, was sie besser machen könnten. Allein, wie er mit seinem festen Ton, der sofort das ganze Nationaltheater erfüllt, den massiven Orchester-Türmungen standhält, die zwischen seinen Soli aufragen. Wie er ein extrem expressives Vibrato mit angedeuteten Schluchzern einsetzt, das immer noch genießbar bleibt. Oder wie er im Finale deftig fiedelt und dabei penibel die Waage zwischen dem Malerischen und dem Klischee hält. Oder, oder, oder...

Prachtvolles Tutti

Von dieser höchsten Geigenkunst lässt sich das Staatsorchester anstecken und begeistert mit glühenden Streichern und blitzsauber intonierenden Bläsern. Dem Dirigenten Dima Slobodeniouk gelingt ein prachtvolles Tutti, das aufs Schönste solistisch aufgebrochen ist. Er hat nicht nur einen echten Zugriff auf den Gesamtklang, sondern treibt die Entwicklungen ernst und dramatisch voran, ohne sie je pathetisch wirken zu lassen.

Hier ist offenkundig viel Probenzeit investiert worden. Darüber wurde die Ballettmusik zum „Feuervogel“ von Igor Strawinsky, die in vollständiger Fassung im zweiten Teil erklingt, nicht vernachlässigt. Von den mindestens drei Interpretationen des Stücks, die allein in diesem Jahr bereits in München zu hören waren, ist dies diejenige, die am längsten im Gedächtnis bleiben wird.

Slobodeniouk verwirklicht faszinierender als François-Xavier Roth oder jüngst Mirga Grazinyte-Tyla sowohl die bedrohlichen, die komischen als auch die zauberischen Momente der Partitur und schafft es, diese zu einer spannungsvollen Erzählung zu verdichten. Hier vermisst man den Tanz auf der Bühne einmal nicht, weil die Gesten und Bilder allein im Staatsorchester greifbar werden. Die glänzenden Soli etwa des Horns oder des Fagotts stellen rein instrumental plastische Figuren vor, sodass das gesamte Ballett vor dem inneren Auge der Zuhörer ablaufen kann.
    

 

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