Musical in München Im Deutschen Theater begeistert "Bodyguard – das Musical"

 Foto: Nilz Boehme

Glitzer, Sterne und ein gefährlicher Stalker: "Bodyguard – das Musical" begeistert im Deutschen Theater.

 

Schatten in der Nacht und ein Mann mit einer Waffe. Im nächsten Moment ist Rachel Marron (Aisata Blackman) zu sehen, die "Queen of the Night" von Whitney Houston singt. Sagenhaft. Bei "Bodyguard – das Musical" im Deutschen Theater geht es emotional richtig zur Sache: Als Zuschauer bewegt man sich zwischen Begeisterung, erwartungsvoller Spannung und kitschig-schmachtender Rührseligkeit. Und im Anschluss ist man völlig aufgedreht und möchte im nächsten Club einfach nur tanzen.

Schon der Film-Blockbuster von 1992 mit Whitney Houston und Kevin Costner nach dem Drehbuch von Lawrence Kasdan zog sechs Millionen Zuschauer in die Kinos. Die Geschichte ist bekannt: Der frühere Geheimagent Frank Farmer wird engagiert, um Superstar Rachel Marron vor einem unbekannten Stalker zu beschützen. Sie ist eine Diva, die wie ihr Beschützer nicht bereit ist Kompromisse einzugehen. Es entbrennt eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, die sich nicht nur auf der Kinoleinwand gut sehen lässt.

Bodyguard-Musical in München: Elan und gute Laune

Das Musical, das am Londoner West End Theater im Jahr 2012 uraufgeführt wurde, ist nun in einer deutschen Inszenierung in München zu sehen. Die Liedtitel sind – zum Glück – im englischen Original zu hören. Und so wippt man mit bei "I Wanna Dance With Somebody" und ist gerührt bei "I Will Always Love You" oder eben "One Moment in Time".

Technisch ausgetüftelt ist das Bühnenbild, der Umbau wechselt spielerisch leicht zwischen verschiedenen Schauplätzen, genau wie das Licht. Die Kostüme passen zum jeweiligen Plot: glitzernd bei den großen Auftritten oder im gemütlichen Schlafanzug-Look zuhause in der Villa. Genau wie die Tanzchoreografie von Karen Bruce: Ihre Tänzerinnen und Tänzer bringen Elan, gute Laune und Sixpacks auf die Bühne.

Man könnte sagen, das Musical ist Kinoblockbuster und Konzertbesuch in einem. Der Zuschauer fiebert mit, wenn Rachel den Drohbrief erhält, oder horcht gespannt auf, wenn der Inspektor (Gabriel Marian Skowerski) mit neuen Informationen zum Fall anruft.

"Der Kerl ist akribisch. Er meint es ernst", heißt es dann. Im nächsten Moment sieht man dann den potenziellen Mörder, dämonisch verkörpert von Christopher Neris. Aber Mut steht vor der Angst, das jedenfalls bringt Rachel ihrem Sohn bei. Also tritt sie trotz Mord-Drohungen bei der Oscarverleihung auf.

Goldener Glitter im Deutschen Theater

Natürlich zuckt man bei jedem Schuss zusammen, wenn der "Verbotene Liebe"-Schauspieler Jo Weil als Frank Farmer dem Mörder nachjagt, während sich auf der Bühne das wahre Drama abspielt: Rachel hält ihre angeschossene Schwester Nicki (Andrea del Solar) in den Armen. Diese war ihr Leben lang eifersüchtig auf den Erfolg der Schwester.

Die Geschichte mag oft genug durchschaubar sein – man amüsiert sich trotzdem prächtig. Zum Beispiel bei einer witzigen Karaoke-Nummer. Mitreißend sind auch die Bühneneffekte, vor allem aber die tollen Pop-Stimmen der Sänger und die Tanzeinlagen. Aisata Blackman läuft besonders dann zur Hochform auf, wenn sie Rachels sensible Seite zeigt und in stillen Momenten alleine im Kuscheloutfit Balladen, wie "Run to You" oder "Greatest Love of All" singt.

Blackman und ihr Gegenüber Weil ergänzen sich als Liebespaar perfekt. Zu guter Letzt kommt zur Kombination aus Blockbuster und Konzertbesuch dann noch eine gute Portion Hollywood-Schnulze. Frank zieht weiter zum nächsten Auftrag, und Rachel im schwarzen Funkelkleid, singt zum letzten Mal für ihren Bodyguard "I Will Always Love You", also eines von der Sorte von Liedern, die sie als "Irgendwer vermisst immer irgendwen"-Songs bezeichnet.

Dazu wird sie auf einem Podest in die Höhe gefahren, es regnet goldenen Glitter, und im Hintergrund erscheint ein Sternenhimmel. Kitsch pur – aber es funktioniert. Das Publikum dankt mit Standing Ovations, und spätestens nach der Zugabe zu "I Wanna Dance With Somebody" tanzt der ganze Saal. 

Deutsches Theater, bis 15. Dezember, täglich außer Montag, ab 34,10 Euro


 
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