musicAeterna im Gasteig Teodor Currentzis dirigiert Mahler

Teodor Currentzis mit seinem Orchester bei Plattenaufnahmen. Foto: Sony/Anton Zavyalov

Teodor Currentzis und musicAeterna mit Liedern und einer Symphonie von Mahler im Gasteig

 

Internationale Auftritte, nicht zuletzt bei den Salzburger Festspielen, sowie eine vielbeachtete Tätigkeit im Tonstudio, haben Teodor Currentzis und seinem russischen Orchester „musicAeterna“ großen Ruhm beschert. Der griechische Dirigent, Jahrgang 1972, hat das an der Oper in Perm ansässige Ensemble vollständig auf sich eingeschworen und seinen Klangvorstellungen angepasst. Diese speisen sich vornehmlich aus Einflüssen der historisierenden Szene sowie eigenen Ideen. Rein orchestertechnisch beeindruckt in der Symphonie Nr. 4 G-Dur von Gustav Mahler etwa die Kluft zwischen dem aggressiven Tutti und extrem leisen Passagen.

Oft müssen die Streicher mit winzigen Bewegungen und ohne Vibrato dicht am Griffbrett spielen. Der Klang ist dann flötenartig, fast körperlos. So interessant das auch ist, es führt doch zumal in einem so großen Saal wie der Philharmonie immer wieder zu handfesten akustischen Problemen. Es ist kaum vorstellbar, dass auf den mittleren oder höheren Plätzen überhaupt noch etwas zu hören ist. Wenn alle spielen, gehen die Streicher geschlossen unter, sodass „musicAeterna“ nur noch aus einem Skelett von Bläsern und lautem Schlagwerk besteht. In den melodischen Passagen ist der Klang zudem monoton, fast steril, wenn auch bewundernswert sauber.

Manierismen

Ohne beleidigend zu werden, kann man das gekünstelt nennen. Wie aller Manierismus funktioniert auch dieser mal besser, mal schlechter. Dass die Musiker im Stehen spielen, hört man nicht, wenn man die Augen schließt. Die ersten Sätze der vierten Symphonie geht Currentzis sogar überraschend natürlich an. Mahlers Spielanweisungen werden sorgfältig befolgt, Currentzis verzichtet wohltuend darauf, die angebliche Ironie der Musik, ihre berüchtigte „Uneigentlichkeit“, herauszustellen. Erst der letzte Satz, das Lied „Das himmlische Leben“, wird von der Sopranistin Jeanine De Bique und den Musikern im hemmungslos übertriebenen Pianissimo dahingesäuselt. Spät, aber doch wirkt die Musik wie ein Vehikel zur Selbstdarstellung des Dirigenten.

Auch im ersten Teil müssen die beiden Sänger, die sich Mahlers Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ teilen, oft so leise singen, dass man vom Text nichts mehr versteht. Die Mezzosopranistin Paula Murrihy gestaltet charmant, der Bariton Florian Boesch hingegen oft unangenehm überheblich, sodass die anrührende Verzweiflung der Soldatenlieder konterkariert wird. Zusätzlich zum grassierenden Manierismus irritiert die traditionelle Verteilung der Geschlechterrollen, nach der die Sängerin für die lieblichen, der Sänger hingegen für die bärbeißigen Momente zuständig ist.
 
Vor kurzem hat Currentzis mit „musicAeterna“ die Symphonie Nr. 6 von Gustav Mahler auf CD veröffentlicht (Sony).

 

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