Münchnerin in Not ausgenutzt Dreiste Abzocke! 1.176 Euro für den Schlüsseldienst

Ricarda S. und Sohn Liam (2) vor ihrem Hauseingang. Das Aussperren kam sie teuer zu stehen. Foto: Daniel von Loeper/Holger Hollemann/dpa/AZ

Eine Erzieherin aus München wird Opfer einer dreisten Schlüsseldienst-Abzocke. Ein ganzes Monatsgehalt verliert sie, als der Anbieter ihre Notsituation ausnutzt.

München - Es ist ein kalter Donnerstagnachmittag, die Temperaturen liegen im Minusbereich. Ricarda S. und ihr Sohn haben sich aus ihrer Wohnung ausgeschlossen.

Hinzu kommt, dass beide krank sind, sie sind an diesem Tag zuhause geblieben, um sich auszukurieren. S. will schnell wieder in die warme Wohnung, ein Schlüsseldienst ist rasch gefunden: die Webseite "Schloss-auf.de" verspricht "seriöse Preise und schnelle Bearbeitung".

Schlüsseldienst will keinen Preis nennen

Doch erst nach einer knappen Stunde Wartezeit kommt der Schlüsseldienst. S. fragt vorab nach den Kosten, der Handwerker will sich aber nicht festlegen. Den genauen Preis könne er erst nach getaner Arbeit nennen, übrigens brauche er dazu "einen Taschenrechner".

Allerdings nötigt er Ricarda S. trotzdem gleich ab, eine Klausel zu unterschreiben, dass sie über den Preis belehrt wurde. "Sonst kann ich nicht anfangen", so der Handwerker.

Ein Mal Tür auf für ein Monatsgehalt

Als der Mann seine Arbeit beendet hat und ein neues Schloss eingebaut ist, stellt er die Rechnung: 1175,83 Euro. Diese müsse auch sofort bezahlt werden, da er sonst das Schloss wieder ausbauen würde. S. ist schockiert, doch da sie mit ihrem kranken Sohn alleine ist und keinen anderen Ausweg sieht, zahlt sie die Summe mit ihrer EC-Karte.

Für die Erzieherin ist diese Summe ein ganzes Monatsgehalt, was sie so kurz vor Weihnachten verliert.Wer den Schlüsseldienst, die "MK Notservice GmbH" im Internet sucht, findet schnell viele ähnliche Fälle, in manchen wurden die Opfer sogar physisch eingeschüchtert.

Verantwortlicher schwer zu ermitteln

Was vielen allerdings nicht klar ist: Die MK Notservice GmbH, die auch unter Schlossauf.de zu finden ist, ist eine Vermittlerfirma und führt die Aufträge gar nicht selber aus.

So wurde auch Ricarda S.' Fall an den Sub-Unternehmer Tolga Guda in Bonn weitergeleitet. Dieser gab den Auftrag dann wieder weiter. Wer am Ende den Auftrag in München ausführte, weiß Frau S. nicht.

Der Mann nannte weder seinen Namen, noch legte er seine Kontaktinformation auf der Rechnung dar. Auf AZ-Nachfrage war beim Schlüsseldienst bis Redaktionsschluss auch kein Verantwortlicher zu erreichen.

Anzeige bei der Polizei aufgegeben

Ricarda S. hofft jetzt, dass sie das Geld vielleicht zurückerstattet bekommen kann, bei der Polizei hat sie schon Anzeige erstattet. Doch die Ermittlungen werden sicher noch einige Zeit dauern. Deshalb wird Ricarda S. ihr Geld wohl auch nicht mehr vor Weihnachten wiederbekommen.

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