Münchner Volkstheater Ein sehr begrenzter Spaß

In der Tennis-Akademie spielt ein Teil von Foster Wallaces „Unendlicher Spaß“ Foto: Arno Declair

Bettina Bruinier scheitert im Volkstheater an Foster Wallaces Kultbuch

 

Man soll als Künstler durchaus nach den Sternen greifen. Darf sich aber dann nicht wundern, wenn der Arm zu kurz ist. Regisseurin Bettina Bruinier und Dramaturgin Katja Friedrich sind ein bislang am Volkstheater erfolgreiches Team für Roman-Bearbeitungen. Mit dem Versuch, das 1500-Seiten-Kultbuch „Unendlicher Spaß” von David Foster Wallace auf die Bühne zu bringen, scheitern sie. Bruiniers Inszenierung bleibt ein (zum Glück) nach 130 Minuten endlicher Unspaß. Aber unendlich langweilig.

Den 1996 erschienenen Roman bevölkern hochintelligente Irre, psychisch Gestörte und sonstige vom Leben und Dauer-Kiffen Versehrte: Ein aufgesplittetes Abbild der Innenwelt des Autors David Foster Wallace, der sich wegen Depressionen 2008 erhängte. Seine hellsichtige Analyse der US-Medien-Kultur ist bis heute gültig.

Diesen Roman auf die Bühne zu bringen, ist todesmutig, aber unmöglich. Bruinier und Friedrich versuchen, Erzähl-Stränge herauszudestillieren. Sie gliedern fein: Erst die Familie Incandenza: Beim Essen dominiert die elegante Erfolgs-Mama (Xenia Tiling). Ihr Mann James (Jean-Luc-Bubert), ein genialer Erfinder, trinkt seinen Whisky aus dem Plastikkanister und bringt sich in der Mikrowelle um. Der behinderte Sohn Mario (Lenja Schultze) fragt als einziger vernünftig: „Woher weiß man, wann man einmal traurig ist?” Traurig sind hier alle. Sohn Orin (Max Wager) glaubt, seine Freundin Joelle (Kristina Pauls) habe ein Verhältnis mit seinem Vater. Hal, Tennis-Crack, Wunderkind und Hauptperson, soll auf die von seinem Vater gegründete Tennis-Akademie. Justin Mühlenhardt spielt überzeugend einen Verlorenen – denn Einsamkeit und innere Leere sind das große Thema.

In der zweiten Station, der Tennis-Akademie, gibt’s eine überzeugende Szene: Der Trainer (Oliver Möller) feuert vier Schüler zu einem synchronen Tennis-Ballett an. Dritte Station ist die Entzugsklinik: Da finden sich alle Durchgeknallten, da kommt auch die titelgebende, verschollene Filmpatrone „Unendlicher Spaß” ins Spiel, die Hals Vater gedreht hat. Weil die angeblich tödlich süchtig macht, suchen Terroristen danach. Ex-Mörder Gately (Oliver Möller), jetzt Patienten-Betreuer, schmeißt sich heldenhaft vor seine Klienten.

Die Simultan-Bühne von Markus Karner wird ergänzt durch Videos, die auch nichts erklären. Ein paar starke Bilder und hübsche Einfälle, aber am Ende hat einem die Inszenierung nichts erzählt.

 

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