Münchner Volkstheater Die Pläne für den Neubau im Viehhof

Das Modell für den Neubau. Foto: RBR

Im Foyer des Volkstheaters ist nun der siegreiche Entwurf für den Neubau im Viehhof zu sehen

Exakt eine Minute nach Mitternacht am 24. Dezember erteilte die Stadt der Firma Reisch den Auftrag für den Neubau des Volkstheaters im ehemaligen Viehhof an der Ecke Tumblinger- und Zenettistraße. Nur acht Minuten später, berichtet die Stadtbaurätin Rosemarie Hingerl, kam er unterschrieben aus Bad Saulgau zurück.

Der oberschwäbische Sitz der Firma stimmte Oberbürgermeister Dieter Reiter optimistisch, dass der Generalübernehmer die Planung der Architekten Lederer Ragnarsdóttier Oei aus Stuttgart pünktlich bis zum Herbst 2021 fertigstellen wird. Mit Blick auf die zeitlich und finanziell explodierte Sanierung des staatlichen Gärtnerplatztheaters verweist die Stadtbaurätin auf ihre eigenen Projekte: Das NS-Dokuzentrum und die Sanierung des Lenbachhauses wurden termin- und kostentreu fertig. An das Deutsche Theater mag man sich allerdings lieber nicht erinnern.

Der Bau wurde notwendig, weil die von der Stadt gemieteten Räume des Volkstheaters an der Brienner Straße sanierungsreif sind. Mit Blick auf die engen Verhältnisse und die am Stadtrand in Containern gelagerten Bühnenbilder entschied sich die Stadt, den Mietvertrag mit dem Haus des Sports nicht zu verlängern und auf eigenem Grund ein neues Theater zu errichten.

Eingebettet in die Umgebung

Die drei konkurrierenden Entwürfe der letzten Runde des Wettbewerbs sind nun im Foyer des Volkstheaters zu sehen. Unterschiede sind nur für Feinschmecker wahrzunehmen: kein Wunder bei einer 1000 Seiten starken „funktionalen Leistungsbeschreibung“. Die Begründung der Jury hebt die lebendige Gestaltung der Fassade und die Verbindung mit dem denkmalgeschützten Trakt an der Zenettistraße hervor. Der Torbogen wirke einladend, die Sichtziegel nähmen das Baumaterial der Umgebung auf.

Über das Innere sagte der Juryvorsitzende Ulrich Holzscheiter bei der Ausstellungseröffnung kein Wort. Nicht ganz grundlos: Hier gab es klare Vorgaben seitens des Theaters. Denn die drei Projekte unterscheiden sich nur äußerlich. Der Zuschauerraum des Neubaus hat wie das Theater an der Brienner Straße rund 600 Plätze. Die Reihen sind allerdings viel breiter. Volkstheater-Intendant Christian Stückl wünschte sich einen schmucklosen, funktionalen Raum „ohne Designerlampen, Farbspiele und angeklebte Säulen“.

Jeder Münchner Theaterbesucher dürfte ahnen, welchen Zuschauerraum Stückl nicht kopiert haben wollte. Die große Bühne verfügt über eine Hinter- und Seitenbühne. In den denkmalgeschützten Trakt zieht die Intendanz ein. Stückl kann sich dort auch Wohnungen für Gastregisseure und einen Kindergarten vorstellen.

Räume greifen ineinander

Neben der großen Bühne befindet sich ein kleiner, variabler Veranstaltungsraum mit 200 Plätzen. „Theatersaal, Probebühnen, Foyer, Gastronomie und Hof sollen gleichermaßen bespielbar sein und ineinander greifen“, heißt es in Stückls Stellungnahme zur Beschlussvorlage des Neubaus.

Diese Vorgaben wurde von den Architeken Lederer Ragnarsdóttier Oei schnörkellos klar umgesetzt. Der Neubau ist daher eine verbesserte Version des bisherigen Gebäudes ohne dessen Nachteile wie die fehlenden Lager- und Probenräume. Das große Plus, den einladenden Innenhof mit Gastronomie, wird es auch im Viehhof geben.

Bei der Entscheidung der Jury wurde der Gesamtpreis mit 50 Prozent gewichtet, die architektonische und die funktionale Qualität mit 27 und 23 Prozent. Der Generalübernehmer verpflichtet sich, den Bau zu planen und das Theater zum Festpreis von 130,7 Millionen Euro schlüsselfertig zu realisieren. Er trägt auch „die üblichen Risiken“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Nur keine teuren Extrawürste!

Die Stadtbaurätin ermahnte alle Beteiligten, sich mit Änderungswünschen zurückzuhalten. Derzeit werden die Winterstallungen des Viehhofs abgerissen. Der Zeitplan ist ambitioniert: Im Mai 2019 soll der Rohbau stehen, im Februar 2020 der Bühnenturm. Ein Jahr später ist die Übergabe des Gebäudes vorgesehen, ehe sechs Monate später das Haus hoffentlich eröffnet wird.

„Bis dahin werden wir in der Brienner Straße noch 25 Premieren feiern“, sagt Christian Stückl. „Wir werden noch viele Scheinwerfer kaufen und Bühnenbilder bauen. Wir machen hier eine gescheite Party bis zum Schluss. Und am nächsten Tag geht es dann weiter, im Viehhof, im neuen Haus.“

Die Entwürfe sind bis 15. Februar im Foyer des Volkstheaters während der Öffnungszeiten der Kasse zu sehen, anschließend bis 2. März im Foyer des Technischen Rathauses, Friedenstraße

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