Münchner Traditionsunternehmen Maschinenbauer Krauss-Maffei geht an Chinesen

Der Allacher Kunststoffmaschinen-Bauer wechselt für fast eine Milliarde Euro den Besitzer und geht an den Chemiekonzern ChemChina. Welche Pläne der hat und was mit den Mitarbeitern passieren soll.

 

Es ist der bisher teuerste Zukauf eines chinesischen Unternehmens in Deutschland: ChemChina kauft die Münchner Traditionsgruppe Krauss-Maffei mit ihren drei Marken Krauss-Maffei, KraussMaffei Berstorff und Netstal vom kanadischen Konzern Onex für 925 Millionen Euro. Nicht davon betroffen ist die Firma Krauss-Maffei Wegmann (KMW): Das Rüstungsunternehmen arbeitet eigenständig und gehört nicht zur KraussMaffei Gruppe.

Wer ist ChemChina? Einer der größten Chemiekonzerne in der Volksrepublik. Die staatseigene Unternehmensgruppe zählt 140.000 Mitarbeiter und setzte 2015 rund 37 Milliarden Euro um. Zuletzt war das Unternehmen beim italienischen Reifenhersteller Pirelli mit einer Minderheitsbeteiligung von 26,2 Prozent für 7,1 Milliarden Euro eingestiegen.

Was passiert mit der Krauss-Maffei Gruppe? „Mit ChemChina gewinnen wir einen strategischen und langfristig orientierten Investor“, erklärt Krauss-Maffei-Chef Frank Stieler. Das Unternehmen solle in seiner Struktur fortgeführt werden.

Müssen Mitarbeiter um ihre Jobs bangen? Nein, im Gegenteil. ChemChina kündigte am Montag am Krauss-Maffei-Firmensitz in Allach an, dass die Standorte des Konzerns mit zuletzt 4500 Mitarbeitern erhalten würden. Zugleich sollen vor allem in Deutschland neue Stellen geschaffen werden – bis zu 150 in diesem Jahr. Die behördlichen Genehmigungen für die Transaktion stehen noch aus.

Wie stehen Arbeitnehmervertreter und IG Metall zur Übernahme? Sie begrüßen den Eigentümerwechsel. „Wir sind zuversichtlich, dass durch weiteres Wachstum die bestehenden Arbeitsplätze in Deutschland und Europa gesichert und neue geschaffen werden“, so Krauss-Maffei-Betriebsratschef Peter Krahl. Auch die IG Metall steht der Übernahme positiv gegenüber. „Dieser Wechsel kommt zum richtigen Zeitpunkt für das Unternehmen“, sagt Horst Lischka, als Unternehmensbeauftragter der IG Metall zuständig für München.

Was erhoffen sich die Chinesen durch den Zukauf? ChemChina-Chef Jianxin Ren sieht Wachstumschancen für Krauss-Maffei durch einen verbesserten Marktzugang in China. Vor allem die Autoindustrie mit ihrer fortschreitenden Automatisierung in der Produktion und einem Trend zu Leichtbau-Materialien biete Potenziale. „Zusammen sind ChemChina und die Krauss-Maffei-Gruppe sehr gut aufgestellt, um künftig zu wachsen“, sagt Ren. ChemChina hatte bereits vor einigen Jahren Interesse an dem Spezialmaschinenbauer gezeigt, sich damals aber dem Investor Onex beugen müssen. Der hatte 2012 noch 568 Millionen Euro für Krauss-Maffei hingelegt – und macht jetzt mit dem Weiterverkauf nach China großen Reibach.

Nimmt das Interesse chinesischer Firmen an hiesigen Unternehmen zu? Um die Industrie in dem Riesenreich anzuschieben, sind Konzerne aus der Volksrepublik auf Druck der Regierung auf deutsche Technologie erpicht. In den vergangenen Jahren hatten Konzerne aus China vermehrt deutsche Konzerne gekauft oder sich beteiligt. Bisher größte Transaktion war der Kauf des schwäbischen Betonpumpenherstellers Putzmeister, der vom Baumaschinenhersteller Sany für 700 Millionen Dollar übernommen wurde. Der Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme, Kiekert, ging an den Automobilzulieferer Lingyun. Und der Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power stieg beim Gabelstaplerhersteller Kion ein.

 

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