Münchner Traditionsfirma Radikaler Sparkurs: Bei Osram sieht es finster aus

"Hell wie der Lichte Tag": Die berühmten Neonreklame von Osram an der Hausfassade am Stachus. Foto: Imago

Das Münchner Unternehmen baut sein Geschäft weiter um und kündigt einen neuen Sparkurs an. Der Chef setzt auf High-Tech und will viele Stellen streichen.

 

München - Die Umstellung von Glühbirne auf LED und die steigende chinesischen Konkurrenz: Die Beleuchtungsbranche befindet sich seit Jahren in einem rapiden Strukturwandel. Das spürt auch das Münchner Traditionsunternehmen Osram.

Der einstige Glühbirnen-Riese hat bereits einen drastischen Umbau durchlaufen - jetzt kündigte Finanzchef Ingo Bank ein neuerliches (wenn auch kleineres) Sparprogramm an.

Bis 2020 sollen die Kosten um 130 bis 140 Millionen Euro sinken, wie Bank am Mittwoch sagte. In Deutschland sollen 600 Arbeitsplätze in der Herstellung nicht mehr lohnender alter Produkte wegfallen, dafür neue High-Tech-Jobs entstehen. Ein Interessenausgleich mit den Arbeitnehmern ist vereinbart. Konzernchef Olaf Berlien will das einst zum Siemens-Konzern gehörende Unternehmen konsequent umkrempeln - jetzt eben zu einer High-Tech-Schmiede.

Am Vorabend hatte Osram bekanntgegeben, dass das Geschäft mit Beleuchtung für Straßen, Büros, Industrie- und Sportanlagen verkauft werden soll.

Die Anzahl der Mitarbeiter ist bereits drastisch gesunken

Das Management sieht wohl wenig Chancen, gegen die Konkurrenz in diesem Bereich zu bestehen: "Wir haben gesehen, dass es sehr schwierig sein wird, eine Nummer Eins-, Zwei- oder Drei-Marktposition in diesem Geschäft zu haben", sagte Finanzchef Bank. Das größte Werk des nun zum Verkauf stehenden traditionellen Leuchtengeschäfts mit 800 Mitarbeitern steht in Traunreut. Besonders schwierig war der Markt in den USA. Der Vorstand will nun mit Interessenten sprechen. 

Abgesehen davon hat Osram heuer mit Nachfrageschwäche vor allem aus der Autoindustrie zu kämpfen und die Börse mit zwei Gewinnwarnungen in Folge geschockt. Der Nettogewinn brach im dritten Quartal des Geschäftsjahres (30. Juni) um fast die Hälfte auf 33 Millionen Euro ein. Der Umsatz blieb stabil bei gut einer Milliarde Euro.

Das Unternehmen hat wegen des rasanten technologischen Wandels in der Beleuchtungsindustrie bereits einen großen Umbau hinter sich: Das traditionelle Leuchtengeschäft wurde 2016 verkauft, die Zahl der Osram-Mitarbeiter sank von über 33.000 auf 26.400. (Lesen Sie hier: Osram-Gelände wird zum Wohnquartier)

Grundsätzlich will Osram auf Expansionskurs bleiben: Wachsen soll unter anderem der Standort Regensburg, in Malaysia wird in einem großen neuen Werk schrittweise die Produktion erhöht, und auch in China will Osram mehr produzieren. Auf bessere Zeiten bei Osram hoffen auch die Aktionäre. Seit dem Allzeithoch Anfang des Jahres - als die Aktie knapp unter 80 Euro notierte - sackte das Papier zwischenzeitlich um rund 60 Prozent ab.

 

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