Münchner Scheidungsanwalt Fußball schauen als Paar? Die zehn goldenen Regeln

Clemens Hagen.
Gemeinsam jubeln: Das ist der Idealfall. Doch Fußball birgt bei Pärchen viel Konfliktpotenzial, weiß Scheidungsanwalt Hermann Messmer (kleines Bild). Foto: imago/privat

Der renommierte Münchner Scheidungsanwalt Hermann Messmer kennt sich aus mit Ehekrisen. Sogar die EM kann welche auslösen, sagt er – und gibt hier Tipps, wie sich das vermeiden lässt.

 

München - Der Jurist Hermann Messmer (81, Kanzlei "Messmer & Vitti") ist einer der bekanntesten Scheidungsanwälte Deutschlands (Klienten: Tony Curtis, Hans Clarin). Mit der AZ spricht er über Pärchen-Streitereien beim Fußballschauen und wie diese vermieden werden können.

AZ: Herr Messmer, nach der Vorrunde und dem Achtelfinal-Sieg gegen die Slowakei geht für viele die Fußball-EM mit dem Klassiker gegen Italien erst so richtig los. Auch für Sie?

Hermann Messmer: Natürlich, bisher waren die Gegner ja eher zweitklassig. Aber Italien – das ist kein Prüfstein, sondern ein Prüffelsen.

Zu Ihrem Fachgebiet: Als einer der profiliertesten Scheidungsanwälte Deutschlands warnen Sie ausdrücklich vor den unerwünschten Nebenwirkungen, die ein großes Fußballturnier wie die EM auf eine Beziehung, besonders eine Ehe, haben kann.

Richtig, das tue ich aus gutem Grund. Der Fußball hat eine erhebliche Anzahl von Ehen auf dem Gewissen, was schade ist, da beim Sport Spaß und Lebensfreude im Vordergrund stehen sollten.

Der Fußball-Fan, besonders der weibliche, hat sich in den letzten Jahren offensichtlich stark verändert. Sehen Sie das auch so?

Absolut. Früher war der Fußball ein reines Männerprivileg. Frauen standen im Abseits. Das hat sich total gewandelt. Seit Fußballstars zur besseren Gesellschaft gehören, ja zum Showgeschäft, so wie Schauspieler, Sänger oder Politiker, sind sie auch für Frauen hoffähig geworden. Außerdem kommt meiner Meinung nach bei den ganzen durchtrainierten Körpern auch eine sexuelle Komponente hinzu.

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Aber Sie müssen zugeben: Viele Frauen haben heute auch richtig viel Ahnung von Strategie und Taktik.

Oft mehr als ihre Männer! Auch wenn die das natürlich nicht wahrhaben wollen. Viele denken ja immer noch, dass ihre Liebste weder einparken noch Abseits erklären kann.


Damit es über diese – und viele andere – Themen bei der EM nicht zum Beziehungs-Gau kommt, haben Sie zehn goldene Regeln aufgestellt, die Paare beim Fußballschauen befolgen sollten. Bitte!

Messmer zählt auf

Regel Nummer 1: Wenn die beiden schon vorher wissen, dass die Chemie zwischen ihnen nicht mehr stimmt, sobald der Ball rollt, sollten sie besser gleich getrennt schauen.

Regel Nummer 2: Sie gilt besonders für Frauen: keine verletzten Vergleiche zwischen dem Fußballstar und dem Liebsten anstellen. So nach dem Motto: Schau dir mal diesen Waschbrettbauch an. Wann unternimmst du etwas gegen deine Bierwampe? Oder: Schau mal, der verdient spielend Millionen, während du trotz Überstunden immer noch keine Gehaltserhöhung gekriegt hast.

Regel Nummer 3: Ganz besonders sollte frau solche Vergleiche vermeiden, wenn Verwandte oder Freunde zu Besuch kommen. Vor Dritten sind sie noch verletzender.

Regel Nummer 4: Alkohol macht aggressiv und besserwisserisch. Beides ist nicht gut für eine Partnerschaft. Also heute lieber etwas weniger Bier – oder Prosecco. Auf keinen Fall so viel trinken, dass man das Ergebnis nicht mehr mitbekommt.

Regel Nummer 5: Partner müssen auch mal einlenken können, obwohl sie anderer Meinung sind oder irgendetwas tatsächlich besser wissen als der oder die andere. Hauptstreitpunkt ist da meiner Erfahrung nach der portugiesische Star Ronaldo – den halten Männer für einen eitlen, überbewerteten Gockel, Frauen finden seine Muskeln supersexy.

Regel Nummer 6: keine unpassenden Bemerkungen während des Spiels. Sätze wie: ,Schatz, morgen muss ich aber unbedingt zum Friseur’, sollten erst nach Spielende fallen.

Regel Nummer 7: Ruhig auch mal ein Kompliment machen. Etwa: ,Schatz, du kannst Fußball echt am besten erklären.’ Oder: ,Früher warst du selbst doch auch mal ein guter Spieler.’

Regel Nummer 8: Sie gilt besonders für Männer: Man sollte sich freuen, wenn sich die Liebste für Fußball interessiert und deshalb keinesfalls den Oberlehrer spielen, sobald der Ball rollt.

Regel Nummer 9: Ebenfalls besonders wichtig für den männlichen Fußballfan: Obacht bei der Kleiderwahl zum Spiel. In dem 20 Jahre alten Deutschlandtrikot sieht man heute vielleicht aus wie eine Presswurst.

Regel Nummer 10: Sollten die anderen neun Regeln versagt haben und es kommt dennoch zum Streit, nach dem Spiel einmal tief durchatmen. Am besten ist es immer, wenn man sich vor dem Schlafengehen wieder liebhat. Ansonsten kann ich aus eigener Erfahrung raten: Ein bisschen Shopping hat die meisten fuballgequälten Damen wieder versöhnt.

 

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