Münchner Regisseurin Auf Umwegen nach Hause

Barbara Weber wohnt seit vielen Jahren in Haidhausen. Hier radelt sie mit ihrem Hollandrad über den Wiener Platz. Foto: Daniel von Loeper

Barbara Weber (47) ist in Haidhausen daheim. Ihr Film „Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.“ läuft derzeit im Kino. Die AZ hat die Regisseurin am Wiener Platz getroffen.

Haidhausen - Sie ist so freiheitsliebend wie viele ihrer Filmfiguren - Barbara Weber. Die Dokumentarfilmerin aus Haidhausen kämpft unbeirrt und gegen alle Widerstände für ihre Herzens-Projekte. „Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.“ hat es sogar bundesweit ins Kino geschafft. Der Film über die vierköpfige Band aus Oberammergau läuft derzeit auch im Rio Filmpalast.

Barbara Weber ist im Münchner Osten aufgewachsen und hier zur Schule gegangen. Mit ihrem Lebensgefährten und ihren drei Töchtern zwischen acht und 14 Jahren lebt sie gerne und seit vielen Jahren in Haidhausen – immer unterwegs mit ihrer Gazelle (einem Hollandrad).

Anzutreffen ist sie in den Cafés und auf Märkten rund um den Wiener Platz. Im kreativ-subversiven, tief münchnerischen Stadtteil-Milieu findet sie die Stoffe und Menschen, die sie packen: Mal ist es ein Münchner Taxifahrer, ein Puppenspielerkünstler oder ein Kabarettist.

Ihre Helden sind nie konform und keine Alltagstypen. Barbara Weber hat einen Draht zu kritischen, hochmusikalischen, talentierten, schrägen, manchmal stark gebrochenen Menschen, die ohne die filmische „Übersetzungsarbeit“ der Autorin so nicht sichtbar und zu verstehen wären. „Mich zieht es immer zu den Anarchisten“, sagt sie.

In die ganz typischen Fernsehformate mag sie sich mit ihren Beiträgen ungern zwingen lassen. Dennoch porträtierte sie für die Reihe „Lebenslinien“ im Bayerischen Fernsehen einfühlsam und psychologisch „gründelnd“ (Weber) Münchner Originale: facettenreiche Persönlichkeiten, mit ihren Zweifeln und Ängsten – tief von ihrer Familienhistorie geprägt. Etwa Allround-Künstlerin Petra Perle, den Schuster-Ferdl, der das bayerisch-japanische Wirtshaus „Nomia“ in der Wörthstraße betreibt, oder den schillernden Schwabinger Puppenspieler Albrecht von Weech. Journalistik und Soziologie hat die 47-Jährige an der Katholischen Universität Eichstätt studiert.

Ein langer Umweg, auf dem Weg zur Dokumentarfilmerin, findet Weber selbst: „Aber die Umwege sind in meinem Leben immer nötig gewesen, um an die Orte zu kommen, an denen ich wirklich gut sein kann.“ Anerkennung für eine Kinder-Doku erhielt sie bereits: Für „gutes Kinderfernsehen“ bekam die Münchnerin den „Emil 2013“. Ihr Film „Lilli, Opa hat Alzheimer“, für die Reihe „Stark!“ im ZDF, zeigt nah und intim, wie natürlich ihre eigenen Töchter, vor allem die älteste Lilli, mit dem Sterben ihres Großvaters umgehen.

Er war Musiker: Hornist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Der weiche Klang des Horns gehörte deshalb schon zu Barbara Webers Kindheit: „Als ich den Klang von Kofelgschroa das erste Mal hörte, war es ein bisschen wie heimkommen. Die Sensibilität und Fragilität dieser vier jungen Musiker zog mich sofort magisch an. Diesem Klang wollte ich nachgehen.“

 

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