Münchner Philharmoniker Valery Gergiev dirigiert Wagners "Fliegenden Holländer"

 Foto: Hans Engels

Valery Gergiev und die Philharmoniker mit Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ im Gasteig

Am frühen Nachmittag sprach Valery Gergiev bei der Pressekonferenz der Münchner Philharmoniker noch von der absoluten Treue zur Partitur und von der Pflicht, nichts an der Instrumentierung zu ändern. Am Abend dann der „Fliegende Holländer“ im Gasteig, mit Theater-Strichen und ohne die von Richard Wagner erbetenen Echo-Hörner und zusätzlichen Piccolo-Flöten zur Unterstützung des Spuks im Duell der Matrosenchöre.

Details, gewiss. Christian Thielemann hat aber im Gasteig bei Auszügen aus der „Götterdämmerung“ seinerzeit sogar die sechs Harfen aufgeboten, die aus Orchestergräben nie zu hören sind. Wenn in der Stadt der Bayerischen Staatsoper und des Gärtnerplatztheaters unbedingt Oper in Konzertform gespielt werden muss, dann aus dem Vollen geschöpft und ohne musikalische Kompromisse.

Davon abgesehen: Gergiev kann Wagner. Und er hatte Glück im Unglück. Der kurzfristig eingesprungene John Lundgren dürfte bei Licht besehen ein besserer Holländer sein wie der ursprünglich vorgesehene Bryn Terfel. Der glatzköpfige Schwede singt zwar ein wenig unstet, aber die Stimme verbindet eine bassige Schwärze mit heldenbaritionaler Kraft. Daher ist für die Rolle ideal – und im Sommer auch in der gleichen Rolle am Grünen Hügel im Einsatz.

Erfreuliche Überraschung

Der ebenfalls erkrankte Günther Groissböck wurde dagegen als Daland durchaus vermisst. Mikhail Petrenko bot als Daland etwas kauzige, aber solide Komödiantik. Aber sein Bass klingt etwas trocken. Eric Cutler brachte bei Erik seine Erfahrung mit dem französischen Repertoire ein. Unsentimentaler und schöner singt das derzeit niemand.

Es ist erfreulich, die Mary einmal von einer frischen Stimme gesungen zu hören (Okka von der Damerau). Eine Überraschung gab es auch: Elena Stikhina als klar singende, jugendliche Senta ohne hochdramatischen Überdruck. Eine Überraschung bei einer Sängerin, die laut Biografie im Programmheft vorwiegend im italienischen Fach unterwegs ist.

Dazu frische und machtvoll auftrumpfende Damen und Herren des Philharmonischen Chors (Einstudierung: Andreas Herrmann) und ein warmer, dunkler Orchesterklang. Gergiev entschied sich für die in letzter Zeit selten zu hörende Endfassung mit Harfe und lyrischer Erlösung. Dazu passte ein eher vom mittleren Wagner und einem spätromantischen Mischklang inspirierter Blick auf die Partitur, der bei etwas abwechslungsreicheren Tempi weiter gewinnen würde.

Eine Wiederholung der bejubelten Aufführung wird es in München nicht geben, nur ein Gastspiel in Baden-Baden. Darüber kann man sich wundern. Aber auch das andere Münchner Groß-Orchester neigt dazu, in der Heimat nur noch Generalproben für prestigeträchtige Gastspiele draußen in der Welt abzuhalten.
 

 

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