Münchner Philharmoniker Valery Gergiev dirigiert Beethoven und Bruckner

Valery Gergiev im Gasteig. Foto: dpa

Valery Gergiev, Rudolf Buchbinder und die Philharmoniker mit Beethoven und Bruckner im Gasteig

 

Leider besuchen Rezensenten immer den ersten Abend – aus Gründen der Aktualität. Bei Valery Gergiev mag das zu schiefen Urteilen führen, weil seine Sicht auf bestimmte Stücke erst im Verlauf mehrerer Konzerte reift. Wenn das hier gesagt wird, dann ohne jede Ironie: Man kann das mühelos nachprüfen, wenn das Orchester des Mariinski-Theaters St. Petersburg unter seiner Leitung einen russischen Klassiker spielt und der so frisch wirkt, als sei es das erste Mal.

Auf die Münchner Philharmoniker lässt sich diese Arbeitsweise nur bedingt übertragen. Am Dienstag dirigierte Gergiev Bruckners Siebte – zum sechsten Mal seit Beginn dieser Saison. Das Orchester strahlte in jenem Glanz von altem Gold, der gern der Staatskapelle Dresden nachgesagt wird. Eine riesige Besetzung sorgte für einen weichen Mischklang, der allerdings subtil schattiert war – etwa beim finster-feierlichen Tubenklang, der sich deutlich von den verwandten Hörnern abhob.

Ein Rastloser - mit Reifegarantie

Gergiev betonte mit eher gemessenen, sehr flexiblen Tempi mehr die klangliche Seite. Es gelang ihm, die Steigerungen maßvoll aufzubauen und die Spannung über die ganzen Sätze durchzuhalten. Nur dem Finale hätte mehr Schärfe gutgetan. Bruckners symphonische Querulanz wirkte so gemäßigt, die Kanten und Scharten gehüllt in dunkelroten Samt. Die kunstvoll zelebrierte Kunst des Übergangs strich die Nähe der Musik zu Wagner stärker heraus, als es heutzutage in Bruckner-Aufführungen üblich geworden ist. Was aber, konsequent durchgeführt, kein Schaden ist.

Davor spielte Rudolf Buchbinder das dritte Klavierkonzert von Beethoven. Es liegt dem Österreicher mehr als das zweite, das er vor kaum einem Monat mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks interpretierte, weil es seiner Neigung zur kraftvollen Dramatik entgegenkommt.

Insofern blieben keine Wünsche offen, allenfalls im zweiten Satz, bei dem Gergiev wie Buchbinder allzu geschäftsmäßig Erhabenheit herstellte. Und das ist eine Sache, auf die sich Bruckner auch ohne Deutung einfach besser versteht.

 

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