Münchner Philharmoniker Susanna Mälkki mit Wagner, Strauss und Ammann

Die Dirigentin Susanna Mälkki. Foto: Simon Folwer

Die Philharmoniker mit Richard Strauss und dem Klavierkonzert von Dieter Ammann

 

Man nehme die schnellen Sätze aller Klavierkonzerte von Béla Bartók, presse sie gut zusammen und füge noch eine Prise Prokofjew hinzu: Dann erhält man einen Eindruck von der kraftvollen Vitalität des Klavierkonzerts „The Piano Concerto“, das die Münchner Philharmoniker mit anderen Orchestern und Institutionen beim Schweizer Dieter Ammann in Auftrag gegeben haben und das am Donnerstag erstmals im Gasteig zu hören war.

Der Untertitel „Gran Toccata“ beschreibt den Charakter des Stücks gut. Der Pianist ist ständig beschäftigt, meist im Vordergrund, manchmal verschmilzt sein Klang auch mit den Marimbaphonen oder den beiden Harfen. Nur in den beiden (sehr kurzen) Solo-Kadenzen durfte Andreas Haefliger auch einmal lyrisch werden.

Ansonsten ist der Klavierpart schweißtreibend perkussiv. Das Orchester fügt dem Solo-Part verblüffende Mischklänge hinzu, deren Zusammensetzung sich bisweilen nicht entschlüsseln lassen, obwohl keine avantgardistischen Spieltechniken verlangt werden.

Hohe Energiedichte

Tolerante Konzertbesucher dürfte das gut 30 Minuten lange Stück mit seiner zeitgenössischen Anverwandlung eines Virtuosenkonzerts nicht vor den Kopf stoßen. Die Dichte der Musik schenkt dem Hörer nichts, allerdings wird schon nach wenigen Takten eine energetische Dichte erreicht, die sich nur schwer steigern lässt.

Weil auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört, folgte auf Ammanns Klavierkonzert der symphonische Optimismus der Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss. Beim leisen Rauschen des Beginns schmeckte am ersten Abend das Kontrafagott arg vor, und wie schon beim einleitenden „Lohengrin“-Vorspiel spielte das Orchester unbekümmert über fast jedes Piano oder Pianissimo hinweg.

Susanna Mälkki dirigierte Richard Strauss mit voller Wucht voraus. Das hat manches für sich, wenn etwa plastisch herauskommt, wie sehr die Passage „Von den Freuden und Leidenschaften“ das spätere „Tanzlied“ vorwegnimmt. Aber die eine oder andere verdeutlichende, den Vollautomatikbetrieb unterbrechende oder gar steigernde Tempo-Rückung wäre ein Gewinn gewesen.

Trotzdem: Ammann und Strauss passen zusammen, und der Erfolg dieser mit anderen Orchestern geteilten Uraufführung mag die bei Gegenwartsmusik zurückhaltenden Philharmoniker ermutigen, dergleichen öfter zu wagen.


 
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