Münchner Philharmoniker Rafael Payare dirigiert Bartók und Prokofjew im Gasteig

Rafael Payare wurde 1980 geboren und erhielt seine erste musikalische Ausbildung beim venezuelanischen „El Sistema“. Foto: Benjamin Ealovega

Veronika Eberle und die Philharmoniker unter Rafael Payare mit Bartók und Prokofjew im Gasteig

 

Als sie das Violinkonzert Nr. 1 von Béla Bartók vor ein paar Jahren schon einmal spielte, damals begleitet vom Bayerischen Staatsorchester unter Heinz Holliger, stampfte Veronika Eberle gerne ab und zu mit dem Fuß auf, wie um überschüssige Energien in den Boden abzugeben. Ganz so ungestüm gibt sie sich heute nicht mehr. Sie hat ihre Interpretation zwar verfeinert, macht dafür aber noch zielgerichteter den Kontrast zwischen den beiden Sätzen anschaulich.

So hat sie im ersten Teil des Werkes Mut zu einem geradezu aufreizenden Regelmaß. Die melodischen Gestalten pendeln ruhig hin und her, ihren charaktervollen Ton hält Veronika Eberle über weite Strecken hinweg flächig, lange Noten belebt sie erst spät mit einem kontrollierten Vibrato. Da wirkt es nicht weniger als dramatisch, wenn diese lyrische Person im zweiten Satz gewissermaßen ausgetauscht wird: Plötzlich artikuliert Veronika Eberle frappierend schroff und lässt den Solopart dadurch ins Groteske umkippen. Die motzigen Glissandi verzerrt sie sogar bis zur mikrotonalen Verstimmung. Nur, weil sie am Schluss wieder zur anfänglichen Natürlichkeit des Ausdrucks zurückfindet, liegt hier kein Fall von Persönlichkeitsspaltung vor. In einer solchen bravourös szenischen Zuspitzung hat man das Werk sicherlich noch nicht gehört.

Die Wände zittern

Im Orchester spiegeln sich diese Kontraste nicht in letzter Konsequenz wider. Eher schafft Rafael Payare am Pult der Münchner Philharmoniker eine Bühne für diese verschiedenen Personen, einen Rahmen, der garantiert, dass das gleichsam janusköpfige Geschehen nicht vollends den Zusammenhang verliert.

Er erreicht dabei einen verschwenderischen, an Luxus grenzenden Klang, wie ihn selbst die Münchner Philharmoniker in letzter Zeit nicht immer hinbekommen haben. In neun Nummern aus der Ballettmusik zu „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjew sorgt der Venezolaner mit seiner unmissverständlichen Zeichengebung dafür, dass die Solisten, allen voran das wunderbar zwischen Seriosität und halbseidenem Charme oszillierende Saxophon, sich nach Herzenslust frei entfalten können.

Mehr noch, er animiert die Philharmoniker dazu, sich selbst zu verausgaben – und mit glühenden Streichern und übermenschlich ausdauerndem Blech die Philharmonie zum Zittern zu bringen. Phänomenal.

 

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