Münchner Philharmoniker in der Balanstraße 73 "Küchenklassiker" am Beckenrand

Eingekesselt in der Ex-Küche von Holger Stromberg in der Balanstraße 73: Das Klarinettentrio Beckenrand der Münchner Philharmoniker. Foto: Christian Beuke

Philharmoniker in Giesing: Die Reihe „Küchenklassiker“ im Gewerbegebiet mit einem Klarinettentrio

 

Vielleicht erinnern sich Münchner noch an die wunderbar ortsfremde Currywurstbude: „Curry 73“ deutete auch gleich im Namen noch die Adresse im Pförtnerhäuschen des Gewerbegebiets Balanstraße 73 an. Der „junge wilde“ Starkoch Holger Stromberg betrieb dahinter auch eine große Kantine. Deren Räume nutzen seit 2018 die Münchner Partylöwen Otger Holleschek und Matthias Schlick, die mit Giesinger Bräu auch noch unter die Brauer gegangen sind.

Anmoderierte Stücke

Für die Kammerkonzertreihe „Küchenklassiker“ zusammen mit den Münchner Philharmonikern ließ Holleschek die Einladung durch seinen Verteiler laufen, was den Altersdurchschnitt fast halbierte. Und auch insgesamt bewies das vorerst letzte Konzert hier: So muss man es machen, wenn man die Klassik in die Zukunft retten will – an diesem Abend mit dem Klarinettentrio „Beckenrand“. Die drei Klarinettisten Albert Osterhammer, Matthias Ambrosius und Stefan Schneider präsentierten ein äußerst originelles Programm mit allen denkbaren Klarinettentypen: von der kleinen C-Klarinette und drei Bassetthörnern über mehrere Bassklarinetten bis zur Kontrabassklarinette. Und musikalisch unter anderem vom Klarinettenjodler über Mozart, Beethoven, Bach bis hin zu einem kubanischen Volkslied oder dem Wannsee-Schlager „Pack die Badehose ein“ und Eigenkompositionen.

Witz ohne Klamauk

Niemals – trotz Faschingswochenende – geriet dabei der Abend zum Klamauk. Vielmehr gelang Moderator Albert Osterhammer in elegantem Chiemgau-Bairisch eine Art lässige Volkshochschule über die Klarinette und ihre Möglichkeiten in Kombination mit sanftem Kabarett und viel Selbstironie. Denn natürlich mussten die meisten Klassiker – wie Bachs Präludium und Fuge II aus dem „Wohltemperierten Klavier“ – eigen arrangiert werden, was Ambrosius aber augenzwinkernd bestritt: „Fast alle Werke der Klassik sind für drei Klarinetten geschrieben, weil sich der verarmte Landadel kein Opernhaus oder Orchester leisten konnte.“

Ein lässiger Ort

Als Schuberts Kunstlied „Die Forelle“ ohne vorherige Ansage erklang und am Ende die Frage nach dem Titel in der Luft lag, kamen dann witzige Zurufe aus dem Publikum: „Der Saibling“ oder „Das Lachsfilet“.

Kompaktes Konzept

Witz hatte das ganze auch, weil die drei Klarinettisten im Spotlight alter Filmscheinwerfer vom Publikum auf Bierbänken umlagert waren und spielten, während hinter der Küchentheke noch der Koch in Kesseln mit Chili con und sin Carne rührte, das im Preis (14,50 für Studenten, sonst 24,50 Euro) inkludiert war.
Was so erst einmal nach Happening klingt, war ein seriöses Konzert, das aber eben in eine Richtung weist, wie Klassik ein neues, jüngeres Publikum ziehen können: örtlich und zeitlich kompakt, dabei erhellend witzig und kurz anmoderiert und an einem Ort, dem man nach dem Konzert gerne gleich treu bleibt zum Austausch mit Freunden und Gleichgesinnten.     
    
Falls sich die Zwischennutzung der Balanstraße 73 vor dem Totalabriss verlängert, wird es weitere „Küchenklassiker“ geben
 

 

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