Münchner Philharmoniker Dieter Ammann über sein Klavierkonzert

Dieter Ammann stammt aus Aarau. Er studierte Schul- und Kirchenmusik in Luzern und Jazz in Bern. In den 1990er-Jahren verlagerte sich sein Schwerpunkt hin zur Komposition, die er heute in Luzern lehrt. Foto: René Mosele

Der Komponist Dieter Ammann über sein Klavierkonzert, Udo Lindenberg und den ökologischen Fußabdruck.

 

Am Donnerstag, am Freitag und in einer Matinee am Sonntag spielt Andreas Haefliger im Gasteig das Klavierkonzert des Komponisten Dieter Ammann. Es ist ein gemeinsames Auftragswerk mehrerer Orchester und Institutionen, zu denen neben den Münchner Philharmonikern auch das Boston Symphony Orchestra, das Konzerthaus Wien und das Lucerne Festival zählen. Die finnische Dirigentin Susanna Mälkki dirigiert die drei Aufführungen in München.

AZ: Herr Ammann, Sie haben schon mal mit Udo Lindenberg gespielt. Wie kam es dazu?
DIETER AMMANN: Ich war 1999 als Franz-Liszt-Stipendiat in Weimar. Der Kulturreferent hat mich ins Hotel Elephant eingeladen, wo Lindenberg in der ehemaligen Hitler-Suite abgestiegen war. Wir warteten im Ballsaal auf ihn, wo er dann erschien, mit zwei Damen in Engelskostümen und dazu, symmetrisch angeordnet, zwei Kleinwüchsigen und doggenähnlichen Hunden an seiner Seite. Er hat dann mit Freunden gespielt. Ich habe zum Kulturreferenten gesagt, dass die meiste Popmusik so einfach sei, dass ich aus dem Moment heraus mitspielen könne.

Haben Sie es getan?
Der Kulturreferent wollte mir nicht glauben, und da hat sich das Gespräch hochgeschaukelt. Udo Lindenberg saß am Schlagzeug, der Platz am Flügel war frei. Dann bin ich auf die Bühne gesprungen. Lindenberg hat mir zugenickt und ich habe ein paar Stücke mitgespielt. Hinterher habe ich ihn gefragt, ob ich das in meiner Vita verwenden dürfte und er hat es mir erlaubt.

Sie kommen von der improvisierten Musik.
Jein. Mein Vater war ein großartiger Stegreifpianist. Ich habe mit ihm und mit meinen Brüdern viel gespielt, aber das alles lief bei uns über das Gehör, von Mozarts „Sonata facile“ bis Duke Ellington. Deshalb bin ich ein schlechter Notenleser. Aber es hat mich später davor bewahrt, in musikalischen Kategorien zu denken.

Finden sich Spuren von Udo Lindenberg und Ihrer Zeit als Jazz-Musiker in Ihrem Klavierkonzert wieder?
Man sagt meiner Musik nach, dass sie das energetische Potential des Funk-Jazz und der Rockmusik in die Neue Musik hinüberrettet. Auf dieser Meta-Ebene besteht eine Verwandtschaft. Allerdings entlädt sich Energie im Rock meistens in der Lautstärke, obwohl man Energie auch durch ein Vakuum erzeugen kann.

Beim Blättern in der Partitur kommt mir Ihr Klavierkonzert nicht besonders leise vor.
Es ist kein Anti-Konzert, sondern steht in der Tradition einer virtuosen Schwierigkeit, die man auch hört. Der Solist ist durchaus hyperaktiv, und das strahlt auch auf das Orchester aus.

Warum haben Sie es so lapiar mit „The Piano Concerto“ überschrieben?
Weil ich pro Gattung immer nur ein Stück schreibe. Es soll gewichtig genug sein, um möglicherweise ins Repertoire einzugehen. Anfangs habe ich mir viele Texturen der virtuosen Musik von Chopin und Liszt herausgeschrieben und in meine harmonische und rhythmisch-melodische Sprache verwandelt. Leider wurde mir im Nachtzug die Tasche mit den Skizzen gestohlen. Das hat mich so frustriert, dass ich ein halbes Jahr nicht daran gearbeitet habe.

Das Konzert trägt die englische Widmung: „Die Leidenschaft dieser Musik ist als Leuchtfeuer zur Bekämpfung des Klimawandels zu verstehen“. Was kann man als Einzelner dafür tun?
Kleinvieh macht auch Mist. Wenn viele Leute symbolische Sachen machen, kann das etwas bewirken. Ich habe unser Haus energetisch sanieren lassen, obwohl ich die Kosten trotz des gesparten Geldes für das Heizöl wahrscheinlich nicht hereinholen werde. Außerdem fahre ich auch längere Strecken mit dem Zug. Man muss dafür mehr Zeit einplanen und bei anderen Sachen auch mal Nein sagen, um Zeit zu gewinnen.

Das Taipeh Symphony Orchestra war einer der Auftraggeber des Klavierkonzerts. Sind Sie nach Taiwan geflogen?
Meine Anwesenheit bei der Aufführung stand im Vertrag, aber ich habe das wegverhandelt, vor allem wegen des Fluges. Ich denke – auch wenn mir Ökonomen immer das Gegenteil erzählen: Wenn wir alle etwas weniger konsumieren würden, müssten wir auch weniger produzieren.

Donnerstag und Freitag, 20 Uhr, sowie am Sonntag um 11 Uhr im Gasteig. Restkarten an der Abendkasse

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