Münchner Philharmoniker Der finnische Dirigent Santtu-Matias Rouvali im Gasteig

Der Dirigent Santtu-Matias Rouvali- Foto: Kaapo Kamu

Die Cellistin Harriet Krijgh und der finnische Dirigent Santtu-Matias Rouvali debütieren im Gasteig bei den Philharmonikern

Die Hände schweben hoch in der Luft, als wollte er gleich in die Weiten der Philharmonie abheben. Dazu bewegt sich Santtu-Matias Rouvali mit seiner grazilen Statur wie ein Tänzer. Der optische Eindruck trügt nicht: Auch als Interpret hat der 33-jährige Finne ein bisschen etwas von einem Traumtänzer. Allen drei Werkdeutungen, mit denen er bei den Münchner Philharmonikern debütiert, ist gemein, dass er unermüdlich auf die Suche nach avantgardistischen Klangwirkungen geht.

In der Tondichtung „En Saga“ von Jean Sibelius lässt er die Streicher gern mit vibratolos fahlem Klang in einem Pianissimo ersterben, wie man es aus der klassischen Moderne kennt. Dazu hat Rouvali Mut und Kraft zu langsamen Tempi, die oft zur Statik neigen. Das ist extrem und funktioniert nicht immer. Gerade in dieser ohnehin etwas auf der Stelle tretenden ersten Tondichtung des Komponisten zerreißt die Spannungskurve, Löcher tun sich auf, der extrem langsam genommene Schluss wirkt wie ein angeklebter Fremdkörper. Doch muss man anerkennen, dass Rouvali, Chef in Göteborg, sich merklich eigene Gedanken zu jedem der Werke gemacht hat. Und selbst ein nicht ganz geglücktes Experiment ist immer noch weitaus interessanter als die oftmals befremdende Routiniertheit mancher Kollegen aus Rouvalis Generation.

Ein Erklärer

Zum Meisterstück dieses Konzertes wird der Kopfsatz der Symphonie Nr. 5 B-Dur von Sergej Prokofjew. Mit dessen bräsigem Andante-Gang konnte sogar Mariss Jansons nicht viel anfangen. Durch Rouvalis leichten Schlag belebt, wird die massige Instrumentierung hier angenehm aufgelockert. Deutlich gliedert er die Musik, manchmal setzt er geradezu Absätze wie in einem Text. Dazu animiert er die Münchner Philharmoniker dazu, jede Phrase mit Sinn aufzuladen. Rouvali entpuppt sich als ein echter Prokofjew-Erklärer.

Mit der niederländischen Violoncellistin Harriet Krijgh, auch sie eine Debütantin bei den Philharmonikern, legt Rouvali die mit Abstand spannungsvollste Version des Violoncellokonzerts e-moll von Edward Elgar der letzten Zeit vor. Beide halten die meditativen Tempi gnadenlos durch, Frau Krijgh spielt die einzelnen Töne mit ihrem gambenhaft intensiven Ton oftmals fast selbstquälerisch aus. Die Musik drängt nie nach vorn, sondern wirkt stets nostalgisch reflektierend, phasenweise geisterhaft. So radikal hat wohl noch kaum jemand die in sich gekehrte Melancholie des alternden Komponisten verwirklicht. Mehr davon!

Noch einmal am Freitag, 11. Januar um 20 Uhr, Karten: 089/54 81 81 400 und unter www.mphil.de/kartenvorverkauf. – Eine Aufzeichnung des Konzertes wird am 19. Januar um 20 Uhr auf BR Klassik gesendet.

 

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