Münchner Philharmoniker Auf Brautschau

Andris Nelsons, der lettische Chef des City of Birmingham Symphony Orchestra, hat die Wahl, wenn er irgendwo Chefdirigent werden will. Foto: Marco Borggreve

Die Philis umwerben Andris Nelsons als Maazel-Nachfolger im Prinzregententheater

 

Wenn ein internationales Symphonieorchester erst jetzt auf die Idee kommt, einen weltweit gefragten jungen Dirigenten auszuprobieren, hat es die Zukunft verpennt. Andris Nelsons aus Lettland ist ein solches Talent: Schon in Bayreuth durfte der Zögling von Mariss Jansons dirigieren, ganz zu schweigen von den BR-Symphonikern. So wirkte sein überfälliges Debüt bei den Münchner Philharmonikern im Prinzregententheater hilflos, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Was das Konzert wollte, blieb unklar: Dem Publikum erklärte Intendant Paul Müller, dass auch die neue Reihe „Die Münchner Philharmoniker vor Ort“ starte.

Andere Orte sollen bespielt werden, um Menschen abseits der Klassik anzulocken. Im gewöhnlichen Prinze saßen indes vor allem Abonnenten. Rund 5000 von ihnen hatten sich für das kostenlose Konzert beworben, das Los entschied. Es war ein „Dankeschön-Konzert“, so der Programmzettel, das nicht angekündigt wurde. Immerhin war der Verein „Stadtteil-Kultur 2411“ vertreten, er macht sich für ein neues Bürger- und Kulturzentrum im Münchner Norden stark.

Sonst aber wurde Nelsons ausprobiert: Auch bei den BR-Symphonikern ist er ein heißer Kandidat für den Chefposten. Die Frage ist nur, wer sich bei wem bewerben muss, denn im Gegensatz zu den Philharmonikern braucht sich der Lette um seine Zukunft nicht zu sorgen. Leider haben sich die Philis bei Nelsons nicht optimal beworben, was gerade für die 90. Symphonie von Haydn galt. Es war Nelsons’ Verdienst, dass sich dieser Haydn nicht dahinschleppte. Trotzdem war das vibratoreiche Legato-Spiel weit entfernt von einer zeitgemäßen Entschlackung, wie sie die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle pflegen.

Besser gelangen das Vorspiel und Isoldes Liebestod aus Wagners „Tristan“ sowie das „Heldenleben“ von Richard Strauss. Mit geballter Energie stürzte sich Nelsons in die Partituren, um die Strukturen und klanglichen Raffinessen freizulegen. Zwar war der Mezzosopran von Lioba Braun für Wagner nicht die optimale Wahl, dafür aber verschmolz ihre Stimme wunderbar mit dem Orchester, zumal sie bei den Holzbläsern stand. Die Philis fühlten sich unter Nelsons pudelwohl, und auch bei den Abonnenten kam er gut an – so bei Gerda Hartmann. Seit 25 Jahren ist die Münchnerin eine treue Hörerin. „Mir würde ein junger Chef sehr gut gefallen“, verriet sie.

 

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