Münchner P&R-Gruppe Container-Investment: Die Milliarden-Pleite

Die aktuelle Zahlungsunfähigkeit von drei Container-Investmentgesellschaften ruft Kritiker auf den Plan. Foto: Axel Heimken/dpa

Von der Insolvenz der Münchner P&R-Gruppe sind 51.000 Anleger betroffen – sie bangen um ihr Geld. Experten fordern Konsequenzen.

 

München - Es könnte einer der größten Anlage-Skandale der jüngeren Finanzgeschichte werden: die Insolvenz der Grünwalder P&R-Gruppe, die ihren Anlegern Investments in Container angeboten hat. Rund 3,5 Milliarden Euro stehen im Feuer.

Insolvenz der P&R-Gruppe: ein Überblick

Um wen geht es bei der aktuellen Insolvenz?
Hintergrund ist die Insolvenz dreier Container-Leasing- und Vertriebsfirmen der Investmentgesellschaft P&R in Grünwald. 51.000 Kapitalanleger müssen um ihr Geld bangen. Bis zu 3,5 Milliarden Euro sind gefährdet. Das Amtsgericht München hat Rechtsanwalt Michael Jaffé und dessen Kollegen Philip Heinke zu Insolvenzverwaltern bestellt.

Wie konnten Sparer bei P&R ihr Geld anlegen?
Laut Jaffés Kanzlei haben die Firmen Frachtcontainer zur privaten Anlage angeboten. Die Container wurden von den Anlegern gekauft und einige Jahre an Leasinggesellschaften und die Transportindustrie vermietet, die Anleger erhielten während der Laufzeit Mietzahlungen und hatten die Aussicht, dass die P&R-Firmen die Container am Ende der Vertragslaufzeit zurückkaufen.

Warum geriet P&R in Turbulenzen?
Die Schwierigkeiten beruhten darauf, dass Anlegern Rückkäufe in einem erheblichen Umfang angekündigt worden seien, die derzeit aber nicht zu den bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellten Rückkaufswerten erfolgen könnten, teilte P&R mit. Zudem könnten die fälligen Mietzahlungen nicht erbracht werden. Als die laufenden Verträge abgeschlossen worden sind, herrschte laut P&R eine große Nachfrage nach Containern, "die nur zu marktüblichen hohen Preisen befriedigt werden konnte". Seit 2011 seien die Containerpreise rückläufig bis zum Tiefstand 2016. Hinzu kämen Wechselkursentwicklungen. Seit 2017 sei eine Trendwende sichtbar, die Containerpreise ziehen laut P&R an.

Gibt es für die Anleger Möglichkeiten, an ihr Geld zu kommen?
"Wenn nun P&R ausfallen sollte, hat der Anleger keinen Anspruchsgegner mehr und muss mit finanziellen Nachteilen rechnen", heißt es bei der Verbraucherzentrale Bayern. Im vorläufigen Insolvenzverfahren sind noch keine Forderungsanmeldungen möglich. Verbraucher können jedoch prüfen lassen, ob sie bei dem damaligen Verkauf des Investments falsch beraten worden sind.

Was fordern nun Verbraucherschützer?
Sie plädieren dafür, Produkte des sogenannten Grauen Kapitalmarktes schärfer zu regulieren. Seit Jahren weise der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) darauf hin, dass Produkte ohne transparente Preisbildung etwa an einer Börse nicht an Privatanleger verkauft werden sollten, sagte VZBV-Chef Klaus Müller dem Handelsblatt. "Ein aktiver Vertrieb sollte verboten werden." 

Wird der Graue Kapitalmarkt aktuell reguliert?
Ja, aber lange Zeit wurde er das nicht. Neben seriösen Anbietern tummeln sich dort auch Zocker, die auf leichtgläubige Laien treffen. Nach einer Ende 2014 auf den Weg gebrachten Reform wurden Anbieter und Vermittler schärfer an die Kandare genommen. Strengere Regeln sollen Anleger besser vor risikoreichen Finanzprodukten schützen.

P&R-Insolvenz: Infos für Anleger und Gläubiger

Anleger und Gläubiger von P&R können sich online über den Stand der vorläufigen Insolvenzverfahren informieren unter: www.frachtcontainer-inso.de.

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