Münchner Nordosten SEM-Befürworter werben mit Alternativ-Vorschlägen

Das Bebauungsgebiet in Daglfing. Foto: Petra Schramek

Die Befürworter der Planungen im Münchner Nordosten werben mit Beispielen aus anderen Regionen für den Ausbau in Daglfing und Johanneskirchen.

München - Im Münchner Nordosten erhitzen die drei Buchstaben die Gemüter: SEM. In Daglfing und Johanneskirchen will die Stadt eine solche Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) ausweisen. Anwohner und Betroffene wehren sich heftig dagegen. Nun wollen die Befürworter in die Offensive gehen.

Bis zu 30.000 Neubürger sollen hier wohnen und bis zu 10.000 Arbeitsplätze sollen durch die SEM entstehen, nachdem die CSU bei einer Veranstaltung jüngst von der Maßnahme abgerückt ist, steht das nun jedoch zur Diskussion. Für die SEM wirbt das Bündnis "Pro SEM", in dem sich rund 80 Organisationen vereint haben.

Alternative zu Enteignungen

"Ohne SEM geht es nicht", ist dort das Credo, für das bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch geworben werden sollte. Bezahlbarer Wohnraum in München könne nur mit diesem Instrument geschaffen werden, Enteignung der Grundbesitzer sei dabei das letzte Mittel.

Die rund hundert Besucher der "Pro-SEM"-Podiumsdiskussion (Teilnehmer die ehemalige Stadtbaurätin Christiane Thalgott, Bündnissprecher Christian Stupka und der ehemalige Planungs-Stadtdirektor Stephan Reiß-Schmidt) hatten Fragen: "Was bringt die SEM, nachdem die Stadtpolitiker betonen, Enteignungen werde es nicht geben?" Dazu Christian Stupka: "Es ist blöd, wenn man so was sagt! Das ist dem Sachverhalt nicht angemessen!"

Enteignen könne man nur, wenn es zum Allgemeinwohl nötig sei, beispielsweise für einen Bahnhofsbau. Den besseren Weg habe Freiburg vorgemacht: "Ein Bürgerentscheid ging dort für die SEM aus. Zuvor hatte aber schon die Sparkasse im Auftrag der Stadt die Grundstücke für 64 Euro pro Quadratmeter aufgekauft."

U-Bahn-Ausbau und Klimawandel

Christiane Thalgott erklärte, einen so großen Bereich könne man nur mit einer SEM erschließen, in Schleswig-Holstein habe sie das schon 1973 gemacht. "Alle sind froh und glücklich damit!" Was die Bedenken wegen des Verkehrs betreffe, brauche es eine Verkehrswende. Da fehle die große Linie, kritisierte Stupka und erklärte: "Bei der SEM die U-Bahn first!"

"Das klingt alles toll, wir brauchen wegen des Klimawandels aber richtig viel Grün und alte Bäume", so eine Frau im Publikum. Die fehlten in Neubauvierteln. "Mir kommt der Erhalt des Altbestands in München zu kurz!" Auf die Frage, wie weit München noch verträglich wachsen könne, erklärte Reiß-Schmidt, es gebe keine Obergrenze.

Im fairen und offenen Dialog mit den Menschen vor Ort müsse die SEM entwickelt werden, erklärten Thalgott und Stupka. Der forderte die Anwesenden auf, sich einzumischen. "Treten Sie dem Bündnis bei". Stupka zeigte sich hernach zufrieden: Bei der Veranstaltung habe es durchaus auch kritische Fragen gegeben, dennoch sei es sehr sachlich zugegangen. Das Publikum sei sehr interessiert gewesen.

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