Münchner Kult-Kino macht dicht Das war's: Der letzte Vorhang im Eldorado

Letzter Gruß statt Programmankündigung: An seinem letzten Tag verabschiedet sich das Eldorado in der Sonnenstraße 7 von seinen Besuchern. Foto: Sigi Müller

Nach 45 Jahren schließt das Eldorado-Kino in der Sonnenstraße. Viele Stammgäste kommen zur Verabschiedung.

 

Das schummrige Licht wird gedimmt, als sich die Kinogänger auf den flaschengrünen Sitzen niederlassen. Die 185 Plätze, die so viel Beinfreiheit lassen, sind zur ersten von drei Woody-Allen-Vorstellungen an diesem Tag gut besetzt. Dann erklingt Josephine Baker: „Sag beim Abschied leise Servus“ singt sie, und die ohnehin schon sehr gedämpften Flüsterstimmen verstummen ganz. Es ist das letzte Mal, dass im Eldorado Filme gezeigt werden – dann muss sich das kleine Programmkino am Anfang der Sonnenstraße verabschieden.

Vor 45 Jahren hat das „Filmtheater“ Eldorado unter Betreiber Steffen Kuchenreuther eröffnet und war immer stolz darauf, Filme abseits des Massengeschmacks, dafür mit Kopf und Herz zu zeigen. 1997 wurde es von den City Kinos übernommen. Dann kam eine Mieterhöhung, die das Kino nicht mehr stemmen konnte.

Die Gäste, die nach und nach durch den schmalen Gang am verglasten Kassenhäuschen vorbeigehen, begrüßen die Mitarbeiter mit Handschlag, die meisten duzen sie. „Es ist eine Katastrophe“, sagt die 78-jährige Françoise Savin, die in der Innenstadt wohnt. Sie hat Zuhause keinen Fernseher. „Heutzutage verschwindet die Kinowelt. Das ist inakzeptabel. Wer Kultur sucht, muss doch nach draußen gehen.“

Auch Julian Wagner, der eigentlich in Wien studiert, ist noch einmal gekommen, um sich von seinem Kino zu verabschieden. „Der Saal war einer der schönsten, die Filmauswahl besonders. München zerstört sich selbst“, sagt der 24-Jährige und spielt damit auf das Kinosterben an, dem auch schon das Tivoli oder das Atlantis zum Opfer fielen.

Theaterleiter Bruno Börger geht noch einmal über den grün beleuchteten Marmorboden in den Kinosaal. „Heute ist der letzte Tag, und er sitzt auch mir tief in den Knochen“, sagt der 49-jährige, bedankt sich bei den Mitarbeitern und wünscht ein letztes Mal angenehme Kinostunden im Eldorado. Ein kleiner, feiner Abschied eines kleinen, feinen Kinos – wieder einmal.

 

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