Münchner Hauptbahnhof Großbaustelle: Warum der Bahnhof einen Brunnen bekommt

Abbruch-Projektleiter Ulrich Axmann und Bau-Projektleiter Martin Wieser in der Baugrube am Münchner Hauptbahnhof. Foto: Daniel von Loeper

Bald wird für die Zweite Stammstrecke 70 Meter tief gebohrt. Dafür muss Wasser abgepumpt werden. Unter der Baustelle könnten alte Bomben liegen

 

München - Das Niveau des Grundwasserspiegels ist eine der größten Herausforderungen auf der Baustelle am Hauptbahnhof. "Es ist in der Stadt allgemein sehr hoch", so der Bau-Projektleiter Martin Wieser, zuständig für die Haltestelle Hauptbahnhof auf der Zweiten Stammstrecke. Und das verleitet ihn zu einer Metapher, die auch von einem Seemann stammen könnte: "Wir müssen schauen, dass wir das Schiff über Wasser halten."

Schon während der nächsten Bauphase muss das Wasser abgepumpt werden, um den Pegel an der Stelle deutlich zu senken. "Sonst drücken mehrere Tonnen gegen die Schlitzwände, die wir nächstes Jahr einsetzen", sagt Wieser beim Baustellenrundgang am Donnerstag. "Diesen Druck müssen wir verringern. Wenn wir nicht abpumpen, würde irgendwann alles zusammenbrechen."

Ungewöhnliche Methoden 

Bereits zwei Meter unter der Bauebene steht das Grundwasser. Die Projektleiter der Baugrube greifen daher zu Mitteln, die erst einmal ungewöhnlich klingen, aber scheinbar Routine sind: Der Hauptbahnhof bekommt bald einen Brunnen! "Bei so hohem Grundwasserpegel kann man den Wasserdruck auch dadurch senken, dass man einen Brunnen bohrt, in dem sich das Wasser sammeln kann", so Wieser. Und das werde man daher tun. Die Münchner werden vom Brunnen allerdings nichts haben – denn er geht nur in die Tiefe und wird nicht öffentlich zugänglich sein. Keine Alternative zum Stachus also.

Erdbohrer mit eineinhalb Meter Durchmesser sollen ab Februar anrücken, um sich mit tonnenschwerem Druck in den Boden zu rütteln und zu drehen. Aber nicht "nur" 40 Meter tief, bis dorthin also, wo die S-Bahn-Haltestelle Hauptbahnhof der Zweiten Stammstrecke irgendwann liegen wird. "Wir müssen die 61 Primärstützen bis zu 70 Meter tief einsetzen, damit wir eine stabile Baugrube haben", erklärt Wieser.

Die Stützen werden in etwa sechs Metern Abstand voneinander gegossen Sobald im Untergrund stabile Räume entstehen, werden die meisten Stützen wieder abgebrochen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Planmäßig endet die Baustelle 2028. Ob es dabei bleibt? "Wir sind im Zeitplan", sagt Wieser.

"Anlieger werden die unterirdischen Arbeiten kaum hören"

7.500 Quadratmeter ist die Baugrube groß. Der Hauptteil misst etwa 110 Mal 45 Meter. Mehrere Außenwände und sechs Betondecken ziehen die Bauarbeiter ab Februar nach und nach ein. Die oberste Decke wird die erste sein. Das sorgt für Stabilität und hat einen weiteren Vorteil: "Die Anlieger werden dadurch von den Bauarbeiten unter den Betondecken kaum etwas hören", sagt Wieser.

Nicht nur das hohe Grundwasser ist eine Herausforderung für die Ingenieure. Auch der Abbruch hatte seine Tücken. Ulrich Axmann, als Teil-Projektleiter zuständig für die Abbruch- und Rückbauarbeiten, spricht von der sogenannten Medienfreischaltung. "Wir mussten alle Kabel auf dem Areal entfernen, konnten sie aber nicht einfach wegreißen. Manche werden ja weiterhin gebraucht", erzählt Axmann, "also haben wir sie außenrum verlegt, bevor wir mit dem Rückbau und Abbruch beginnen konnten." Das sei recht mühsam gewesen.

Mögliche Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg

Eine Sache müssen die Ingenieure noch unbedingt klären, bevor sozusagen ein 40-Meter-Hochhaus in die Tiefe gebaut werden kann: Es geht um mögliche Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Wieser spricht von Kampfmittel-Sondierung – und zwar ab dem heutigen Freitag. "Vor den Bohrungen im Februar wird ab sofort ein Team von Kampfmittel-Experten das ganze Gelände absuchen", sagt Wieser, "wir müssen ausschließen, dass noch Blindgänger in der Grube liegen, die noch nicht entdeckt wurden." Schließlich sei das Hauptbahnhof-Viertel doch sehr stark im Visier der Kampfbomber gewesen.

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