Münchner Firma in der Krise Gigaset: Mit Billig-Handys aus der Abwärtsspirale?

Eine Gigaset-Mitarbeiterin kontrolliert das gerade montierte Smartphone GS 185. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Seit Jahren geht es beim Telefonhersteller Gigaset bergab. Die Münchner wagen nun ein Experiment mit Billig-Handys – und möchten so die Wende schaffen.

 

München - Über mehrere Jahre hinweg hat der Telefonhersteller Gigaset nur mit negativen Schlagzeilen für Aufsehen gesorgt: Stellenabbau, miserable Zahlen und fehlende Zukunftskonzepte nagten am Image des Konzerns. Jetzt soll der Erfolg zurückkehren – als Dienstleister für das smarte Zuhause und Produzent günstiger Smartphones "Made in Germany" wollen die Münchner den Umbruch meistern.

Das 2008 aus der ehemaligen Siemens-Festnetzsparte hervorgegangene Unternehmen will seine starke Marktstellung bei Festnetztelefonen in Europa als Grundlage der Expansion in den neuen Geschäftsfeldern nutzen. Dazu gehört der Einstieg in den global heiß umkämpften Handymarkt.

"Wir haben erstmals Talente eingestellt", sagt Chef Weßing Ein Pluspunkt bei den Kunden soll Qualität "Made in Germany" sein: Gigaset bietet seit 2016 Mobiltelefone an, seit vergangenem Jahr Modelle, die im Bocholter Stammwerk hergestellt werden. Gigaset will laut Vorstandschef Klaus Weßing mit Smartphones im unteren und mittleren Preissegment von rund 200 bis 400 Euro punkten – etwa mit dem GS 185.

Smartphones - ein guter Start am Markt für Gigaset

Das Erfolgsrezept soll Schnelligkeit sein: "Der Lebenszyklus eines Smartphones ist nur etwa neun Monate. Wenn man zu lange Produktzyklen hat, erodieren am Ende die Abverkäufe", sagte der Gigaset-Chef. "Es heißt also schnell sein am Markt. Schnell rein, schnell durchverkaufen, schnell etwas Neues bringen."

Laut Weßing verlief der Start erfreulich: "Bei Smartphones hatten wir im ersten Jahr einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich, und im zweiten Jahr eine Umsatzsteigerung um 25 Prozent", sagte der Manager.

Nach langer Abwärtsspirale: Gigaset wieder im Aufschwung?

Siemens hatte seine Festnetzsparte 2008 verkauft, Gigaset erbte damit eine starke Stellung bei der langfristig als Auslaufmodell geltenden Festnetztelefonie. "Wir sind in Europa Marktführer für DECT-Schnurlostelefone und unsere Marke ist in ungefähr 200 Millionen Haushalten", sagte Weßing. "DECT-Schnurlostelefone gehen im Markttrend runter, das will ich nicht abstreiten."

Die in Deutschland hergestellten Smartphones sind nur ein Teil des Plans. "Deswegen die Themen Smart Home, Smart Care, Professional – also Telefonie für Unternehmen", sagte Weßing. "Das vierte Quartal 2018 war eines der stärksten, das wir je hatten."

Das Unternehmen hat harte Jahre hinter sich: "Von den vergangenen 15 Jahren ging 12 Jahre lang jedes Jahr der Umsatz runter", sagte Weßing. "Wir mussten Mitarbeiter entlassen und uns anders aufstellen." Auch mit einem Sponsoring beim FC Bayern, das 2015 begann, wollte Gigaset seine Marke aufpäppeln. Damals hatte es der Konzern geschafft, dass die FC-Bayern-Profis von den Smartphones iPhone 6 und Galaxy S6 auf Geräte von Gigaset umstiegen.

"Wir sind auf dem Weg, uns zu stabilisieren und zu wachsen"

Trotzdem ging es mit Gigaset weiter bergab, der Aktienkurs brach massiv ein. Vor zwölf Jahren war ein Papier 30 Euro wert, heute sind es nicht mal mehr 50 Cent. Allerdings trauen einige Analysten den Münchnern einen Kurssprung zu – vom Allzeittief bei 20 Cent von Ende Dezember ist die Aktie mittlerweile bereits etwas entfernt.

Mut macht auch der Konzernchef. "Wir haben jetzt auch erstmals wieder neue Talente eingestellt. Jetzt sind wir auf dem Weg, uns zu stabilisieren und zu wachsen, das ist eigentlich schon ein Riesenerfolg", sagt Weßing. Gigaset habe die Wende hinbekommen.

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