Münchner Bürgerbefragung Ihr Stadtviertel: Stärken und Schwächen

Hohe Lebensqualität, hohe Mieten - das ist München. Foto: Martha Schlüter

Wohnen und einkaufen, Parkplätze finden, etwas Grünes vor der Tür haben: Jeder Bezirk hat andere Stärken. Wir zeigen sie.

 

Alle fünf Jahre fragt die Stadt mal nach: Wie geht’s uns Münchnern eigentlich? Wie leben wir? Mit wie viel Geld müssen wir zurecht kommen? Wie oft ziehen wir um? Wie glücklich sind wir in unserem Viertel – und: Was hätten wir gerne anders? 11055 Münchner aus allen Stadtvierteln gaben in der letzten Erhebung 2010 Auskunft. Jetzt sind die Ergebnisse ausgewertet. Die AZ zeigt, was heraus kommt:

Wie viel Geld haben wir? Arm und Reich – ganz nah beieinander: Im Durchschnitt hat jeder Münchner im Monat netto 1667 Euro zur Verfügung. Aber: Knapp 20 Prozent der Haushalte müssen mit weniger als 1000 Euro pro Haushaltsmitglied auskommen; betroffen vor allem: ausländische Familien, Alleinerziehende und Frauen. Etwa ebenso viele können pro Kopf allerdings mehr als 2500 Euro ausgeben (eher deutsche Familien und eher Männer).

Und der Trend ist eindeutig: Die Armen in der Stadt werden weniger, die Reichen immer mehr. Und der großen Masse der Münchner geht’s insgesamt gut: Drei Viertel (78,5 Prozent) haben ein mittleres Pro-Kopf-Einkommen (also zwischen 50 und 200 Prozent des Durchschnittseinkommens).

Wie schätzen wir unsere finanzielle Lage ein? Eher besser als schlechter. 37 Prozent bezeichnen ihre Lage als gut oder sehr gut. Dagegen finden 16 Prozent, dass es ihnen finanziell schlecht oder sehr schlecht geht. Darunter sind mehr ausländische Befragte als Deutsche – und mehr Frauen als Männer.

Wie oft ziehen Münchner um? Oft! Fast 40 Prozent aller Haushalte sind in den letzten fünf Jahren mindestens ein Mal umgezogen. Macht – statistisch gesehen – rund 60000 Umzüge im Stadtgebiet jedes Jahr. Weitere 20 Prozent wechselten in den letzten zehn Jahren ihre Wohnung. Nur 13 Prozent bewohnen ihre Vier Wände seit über 35 Jahren. Für Makler? Traumverhältnisse.

Wer ist am mobilsten? Vor allem Haushalte mit Kindern ziehen am häufigsten um. Nur etwa jeder zehnte Kinder-Haushalt blieb länger als 20 Jahre an einem Fleck. Singles oder Paare ohne Kinder dagegen leben eher sesshaft: Jeder dritte bis vierte solche Haushalt blieb 20 Jahre und mehr in der selben Wohnung. Außerdem: je jünger, desto umzugsfreudiger sind die Münchner. Bei den Unter-30-Jährigen sind 40 Prozent in den letzten fünf Jahren umgezogen. Bei den Über-70- Jährigen nur 6 Prozent.

Wie viel Miete zahlen wir? Im Schnitt zahlen die Münchner pro Quadratmeter 12,61 Euro Miete (einschließlich Betriebs- und Nebenkosten). Klar ist aber: Je länger ein Mieter schon in seiner Wohnung lebt, desto weniger zahlt er. Wer Anfang der 90er Jahre eingezogen ist (also seit etwa 20 Jahren nicht mehr umgezogen), ist heute noch mit rund 10 Euro/qm dabei. Wer dagegen um 2010 neu eingezogen ist, wohnt mit rund 15 Euro pro Quadratmeter um die Hälte teurer.

Wie viel vom Einkommen geht fürs Wohnen drauf? Durchschnittlich geben die Münchner ein Drittel (33,4 Prozent) ihres Einkommens für die Miete aus. Um einiges mehr also, als der deutsche Durchschnitt (der liegt bei 28 Prozent). Tatsächlich aber muss jeder dritte Haushalt zum Teil weit mehr als 40 Prozent des Einkommens allein für die Miete ausgeben. Am meisten berappen dabei Singles, die eine Wohnung allein finanzieren, und Alleinerziehende.

Daran hat sich in den letzten zehn Jahren nicht viel geändert. Froh sind die Münchner mit dieser Lage ganz und gar nicht. Jeder zweite findet, dass er im Verhältnis zu dem, was er verdient, viel oder zu viel an Miete bezahlt.

Wie beengt leben wir? Statistisch gesehen bewohnt jeder Münchner im Schnitt 42 Quadratmeter. Tatsächlich macht sich aber jeder Vierte auf 50 Quadratmetern breit, während jeder Zehnte sich mit höchstens 20 Quadratmetern begnügen muss. Vor allem Haushalte mit Kinder rutschen eng zusammen.

Wer hat Eigentum, wer wohnt in Miete? Drei Viertel der Münchner (72 Prozent) wohnen in Miete, ein Viertel in einer Eigentumswohnung oder in einem eigenen Haus. Eigentümer sind: jede dritte Familie, die Kinder hat jede(r) vierte Kinderlose jede(r) vierte Alleinerziehende 39 Prozent aller Familien mit drei und mehr Kindern.

Wie glücklich sind wir mit unserem Viertel? Alles in allem: Das passt schon. Rund um die eigenen vier Wände haben die meisten Münchner wenig zu klagen. Top-bewertet werden etwa: die Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel (finden 98 Prozent zufriedenstellend oder sehr zufriedenstellend) die Nähe von Grünflächen (80) die Sicherheitslage im Viertel (83) Einkaufsmöglichkeiten um die Ecke (76) das Ärzteangebot (82) die Einrichtungen zur Religionsausübung (88).

Auf der Minus-Liste: Treffpunkte für Familien und Nachbarschaft (47 Prozent sehen hier einen Mangel); Parkplatzmöglichkeiten rund um die Wohnung (46); Einrichtungen für Senioren (48); Versorgung mit Sportanlagen (35).

Finden Familien und Kinder ihr Viertel gut? Teils, teils. Klar auf der Plus-Liste: Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche (finden knapp 60 Prozent gut bis sehr gut). Kindergartenangebot (55 Prozent). Angebot an weiterführenden Schulen (rund 55 Prozent). Verbesserungsbedarf sehen die Befragten allerdings auch: Auf der Minusliste: Krippen-Angebot: 25 Prozent sind sehr unzufrieden – und nur 35 Prozent zufrieden) Nachmittagsbetreuung (20 unzufrieden, 40 zufrieden) Ganztagsschulen (30 unzufrieden, 25 zufrieden).

Wie empfinden wir die Lebensbedingungen in München generell? Grandios – einerseits. In den allermeisten Bereichen lieben die Münchner ihre Heimatstadt. MVV, Theater, Konzerte, Schulen, Ärzte, Krankenhaus-Angebote, Kirchen, VHS-Kurse, Schwimmbäder, Sportanlagen und Parks – alles top (80 bis 98 Prozent der Befragten sind damit zufrieden oder sogar sehr zufrieden). Dazu finden an die drei Viertel der Bewohner ihre Stadt auch noch sauber, sicher und radlfreundlich, relativ gut versorgt mit Alten- und Pflegeheimen und auch mit Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten.

Nur drei Punkte finden – erwartungsgemäß – keinen großen Fanclub: Die Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen (60 Prozent Kritiker), das Angebot an Wohnungen (fast 80 Prozent Kritiker) und der Zugang zu öffentlichen Klohäusln (benörgeln fast 85 Prozent). 

 

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