Münchnener Kammerorchester Mahan Esfahani und Ilan Volkov im Prinzregententheater

Der Cembalist Mahan Esfahani wuchs in den USA auf. Er lebte in Mailand und London und hat sich nun in Prag niedergelassen. Foto: Kaja Smith

Das Münchener Kammerorchester mit Werken von Ligeti, Frank Martin, Furrer und Schreker im Prinzregententheater

 

Wer direkt von einem Pressegespräch und einer Probe für Hans Abrahamsens eisiger Oper „The Snow Queen“ vom Nationaltheater zum dritten Konzert der „Wärme“-Saison des Münchener Kammmerorchesters wechselt, bringt naturgemäß ein geschärftes Temperaturgefühl mit. Kalt und warm ließen sich im Prinzregententheater allerdings nur schwer trennen, beides ereignete sich nicht als Wechselbad, sondern gleichzeitig. Und das ist ein durchaus anziehender Schock.

Gleich zu Beginn stürzte sich Mahan Esfahani auf György Ligetis Solo „Continuum“ – eine eiskalte Klangflächenkomposition, die auch einen virtuosen Solisten allein wegen der erforderlichen Fingerarbeit am Cembalo zum Schwitzen bringt. Dann folgte, zur Beruhigung, eine Suite aus Jean-Philippe Rameaus Oper „Les Boréades“ über den gleichnamigen Gott des kalten Nordwindes.

Gleichwohl wurde einem da warm ums Herz, weil die im Vergleich zum deutschen oder italienischen Barock-Durchschnitt viel aufregendere französische Musik dieser Zeit so selten gespielt wird. Das MKO bewies, dass man da auch mit modernem Instrumentarium weit kommen kann, auch wenn die allerletzte Eleganz nicht erreicht wurde.

Heiß, kalt, lauwarm und schwül

Dann erschien der Cembalist wieder für Frank Martins zweisätziges Konzert, dessen Reiz unter anderem auch darin besteht, dass hier der riesenhafte Geist eines romantischen Virtuosenkonzerts für Klavier in die Flasche einer Kammerbesetzung gezwängt wird. Das Cembalo wurde dabei – wie zuvor bei Ligeti – dezent verstärkt, um die Balance zu wahren. Wenn man es so kunstvoll macht, ohne jede Verfälschung des Klangs und im Interesse der Deutlichkeit, ist das eine Bereicherung.

Der an Jubel grenzende Beifall ermutigte Esfahani noch zu drei Zugaben: einem Stück von Henry Purcell, einer rauschenden Scarlatti-Sonate und Bachs Bearbeitung der Melodie „Bist Du bei mir“. Und wenn das Orchester nicht irgendwann mal aufgestanden wäre, würde der Cembalist zur allgemeinen Begeisterung noch immer spielen.

Ein spannendes Programm

Der schweigsame Minimalismus von Beat Furrers „Xenos III“ für zwei Schlagzeuger und Streicher hatte es nach diesem barocken Cembalo-Klangfest sowohl beim Publikum wie auch bei einem dem Komponisten zugeneigten Hörer etwas schwer: Als Zwischengang sind diese die Konzentration fordernden Stücke zu gewichtig.

Zum Beschluss beschwor das MKO mit den nur 23 Instrumenten von Franz Schrekers Kammersymphonie die schwüle Atmosphäre seiner Opern und der Tondichtungen von Richard Strauss. Der Dirigent Ilan Volkov wollte beides: die weiche Opulenz und die Schärfung mit dem glühenden Messer durch die kleine Besetzung. Deshalb wurde es am Ende ein wenig lauwarm. Was aber nichts daran ändert, dass es diese „Wärme“-Saison musikalisch wie dramaturgisch in sich hat. 

Im 4. Abo-Konzert am 23. Januar spielt das MKO um 20 Uhr im Werke von Wagner, Eisler, Beethoven und Lachenmann. Karten unter www.m-k-o.eu

Lesen Sie auch unser Interview mit dem Cembalisten Mahan Esfahani


 
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