Münchens Theater schließen bis zum Ende der Osterferien Ein Virus als Hauptdarsteller

Tja, so wird es nun die kommenden Wochen in der Staatsoper aussehen – jeden Abend. Foto: Wilfried Hösl

Bis zum 19. April geht nichts mehr auf den städtischen und staatlichen Bühnen in München

 

Gestern vormittag sah es noch so aus, als könnte die Bayerische Staatsoper trotz Corona-Virus ihre Aufführungen mit reduzierter Besucherzahl weiterführen – ähnlich wie in Zürich, wo man vor 1000 Leuten weiterspielt. Seit der Pressekonferenz des Bayerischen Kabinetts ist aber klar: Am Dienstagabend wurde noch gespielt, dann sind neben der Staatsoper auch das Gärtnerplatztheater und das Bayerische Staatsschauspiel bis zum 19. April geschlossen. Und zwar alle Spielstätten, auch die kleinen wie der Marstall, der nur 150 Zuschauer fasst.

„Es gibt nichts Schlimmeres für einen Theaterdirektor, als das Publikum ausschließen zu müssen“, sagt Nikolaus Bachler, der Intendant der Bayerischen Staatsoper. Er empfindet die Schließung als Überreaktion: „Die heutige Generation der Politiker ist nicht krisenfest“, sagt er und hofft gleichzeitig, dass der Spielbetrieb bereits vor Ende der Osterferien wieder aufgenommen werden kann.

Die Staatsoper überträgt ein Konzert ins Internet

In der Zwischenzeit geht die Staatsoper online. Bachler wird seine letzte Spielzeit am Sonntag um 11 Uhr nicht vor Publikum im Nationaltheater, sondern in einem Livestream vorstellen. Das Konzert der Musikalischen Akademie mit der Dirigentin Joana Mallwitz und dem Pianisten Igor Levit wird am Montag ebenfalls ins Internet übertragen. Auch ältere Livestreams werden in Kürze als Online-Spielplan Opernsüchtige mit Stoff versorgen.

Die Proben für „Seven Deaths of Maria Callas“ von Marina Abramovic gehen weiter, die für Karsamstag anberaumte Uraufführung wird womöglich verschoben. Auch im Residenztheater wird weitergearbeitet. Der Intendant Andreas Beck wirkte auch nicht gerade begeistert über die Entscheidung der Politiker. Auch an seinem Haus wird weiter geprobt, Lydia Steyers premierenreife Inszenierung von Franz Xaver Kroetz’ „Der Drang“ wird auf Eis gelegt.

Auch das Gärtnerplatztheater macht zu. „Der Probenbetrieb ist von der Entscheidung unberührt, womit wir eine Aufnahme der Vorstellungen und der für uns so lebenswichtigen Kunst ab dem 22. April auf dem gewohnten Qualitätsniveau sicherstellen werden“, sagt Staatsintendant Josef E. Köpplinger. Bereits gekaufte Karten werden von allen Theatern erstattet. Kunstminister Bernd Sibler rechnete in der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung allein bei der Staatsoper mit einem Ausfall von vier Millionen Euro.

Die Stadt unter Zugzwang

Doch offenbar hatte Söder mal wieder Geschwindigkeit vor Genauigkeit gesetzt. Unter Zugzwang gesetzt, gab es vom Presseamt der Stadt ein Statement: „Da der Freistaat angekündigt hat, sämtliche Opern- und Theateraufführungen sowie Konzerte in staatlichen Häusern abzusagen, hat der Oberbürgermeister entschieden, dass dies auch für alle städtischen Häuser, wie etwa die Philharmonie, das Deutsche Theater, die Kammerspiele und das Volkstheater, gilt.“

Das könnte voreilig gewesen sein. Denn vom federführenden Landesamt für Gesundheit gab es auch bis zum späten Nachmittag noch keine Allgemeinverfügung, die die rechtliche Basis für die Absagen bieten würde – und für Veranstalter natürlich auch aus versicherungstechnischen Gründen von höchster Bedeutung ist.

Ob also der Gasteig geschlossen bleibt, oder nur die Philharmonie, was das Ganze finanziell für private Veranstalter bedeutet, die städtische Bühnen gemietet haben, ist auch weiterhin unklar. Ob etwa der Beethoven-Zyklus der Wiener Philharmoniker im Gasteig fortgesetzt wird (siehe unten), war bis Redaktionsschluss nicht entschieden.

Maximale Verunsicherung

So gab es, bei allem Verständnis für den Schutz der Bevölkerung, auch Kritik an der Umsetzung der Corona-Kultursperre. Dietmar Lupfer von der Muffathalle beispielsweise wusste auch am späten Nachmittag nicht, ob das von der Muffathalle veranstaltete, ausverkaufte Konzert von Faber in der Tonhalle am heutigen Mittwoch stattfinden könnte. „So etwas schafft doch maximale Verunsicherung“, wunderte sich Lupfer.

Ein positiver Ausblick: Literatur-Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, deren Lesung im Audimax der LMU abgesagt wurde, hat bereits zugesagt, im September zu kommen und die Lesung nachzuholen. Das Literaturhaus nimmt die Tickets für die abgesagte Lesung selbstverständlich zurück.

 

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