Münchener Kammerorchester Raphaela Gromes liebt Entdeckungen

Raphela Gromes mit ihrem Cello im Wetterstein – genauer gesagt am Osterfelderkopf am Fuß der Alpspitze. Foto: Anna-Maria Hefele

Raphaela Gromes spielt am Sonntag im Prinzregententheater ein Cellokonzert von  Jacques Offenbach, das sie lange gesucht hat

 

Die junge Cellistin aus München liebt das Unbekannte. Vor Kurzem erschien ihre Aufnahme mit der Ersteinspielung der bisher unveröffentlichten Cellosonate von Richard Strauss, vor zwei Jahren nahm sie die lang verschollene „Hommage à Rossini“ für Cello und Orchester von Jacques Offenbach auf. Mit diesem Cellokonzert und Gioachino Rossinis „Une larme“ ist sie am Sonntag im Prinzregententheater zu hören. Das Münchener Kammerorchester unter seinem Konzertmeister Daniel Giglberger begleitet sie.

AZ: Frau Gromes, wie haben Sie dieses unbekannte Cellokonzert von Offenbach über Themen von Rossini entdeckt?
RAPHAELA GROMES: Rossini war für mich immer wichtig. Ich war schon als Kind ein großer Opernfan und habe seine Oper rauf und runter gehört. Ich habe gemerkt: Wenn es mir mal nicht so gut geht, gibt mir Rossini Trost, Hoffnung und ein Lächeln, mit dem ich besser durch den Tag komme. Aus diesem Grund habe ich im Rossini-Jubiläumsjahr 2018 eine CD „Hommage á Rossini“ mit lauter Werken zusammengestellt, die von seinen Melodien angeregt wurden.

Wie kamen Sie auf Offenbach?
Als ich habe von seiner „Hommage á Rossini“ gelesen habe, war ich sofort interessiert, weil ich ihn als großen Komponisten und Cello-Virtuosen schätze, konnte aber das Stück für Cello und Orchester nirgendwo finden. Das war der Beginn einer eineinhalbjährigen Suche, die mich auch ins 2009 eingestürzte Stadtarchiv von Offenbachs Geburtsstadt Köln geführt hat, wo sich ein Teil seines Nachlasses befindet. Dann wurde ich auf den Offenbach-Forscher Jean-Christophe Keck verwiesen, der bei Nachkommen und Erben Offenbachs einzelne Teile der Stimmen und der Partitur fand, die er wie in ein Puzzle wieder zusammengesetzt hat.

Wann hat Offenbach dieses Werk komponiert?
1847, zum 600-jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung des Kölner Doms. Offenbach wollte sich mit dem Konzert selbst in Szene setzen und zugleich den Hörern bekannte Melodien bieten. Rossini war damals der populärste Komponist überhaupt. Und die Leute hörten schon immer gern Musik, die sie schon kennen.

Welche Themen von Rossini hat Offenbach in seinem Cellokonzert verarbeitet?
Aus dem „Barbier von Sevilla“, aus „Mosè in Egitto“ und „Guillaume Tell“ - lauter Melodien, die ich immer schon geliebt habe und die ich nun auf dem Cello spielen darf. Julian Riem, mein Kammermusikpartner, hat das Werk, das eigentlich für großes Orchester komponiert wurde, für die Streicher des Münchener Kammerorchesters eingerichtet.

Sie spielen auch noch „Un larme“ von Rossini – eigentlich ein Stück für Cello und Klavier.
Auch das funktioniert sehr gut für Cello und Streicher. Es ist eines seiner Spätwerke aus der Zeit nach seinem Rückzug von der Bühne. Der Titel bedeutet „Eine Träne“. Das Stück ist wie eine kleine, auf acht Minuten komprimierte Oper mit Szenen, Recitativen und Kadenzen, die traurig beginnt – doch wie so oft bei einer Rossini-Oper – zu einem Happy End findet.

Passt das Melancholische zu Ihrem Instrument besser?
Das würde ich nicht sagen. Natürlich singt das Cello schöner und lyrischer als fast jedes andere Instrument. Aber es kann auch leichtfüßig, blühend, euphorisch und jubelnd sein – ohne die Ohren durch zu viele Obertöne zu überanstrengen.

Wie sind Sie auf die Urfassung der Cellosonate gestoßen, die Richard Strauss als 16-Jähriger komponierte?
Ich habe zusammen mit meinem Klavierpartner Julian Riem 2012 den Richard-Strauss-Wettbewerb in Garmisch gewonnen und ein Duokonzert gespielt. Uns verbindet eine Freundschaft mit dem dortigen Richard-Strauss-Institut, unter anderem auch, weil Riem für die Kritische Ausgabe der Werke Korrektur liest. Als 2017 Brigitte Fassbaender als Leiterin der Richard-Strauss-Tage verabschiedet wurde, haben wir die Cello-Sonate gespielt. Danach erzählten uns Strauss-Forscher von der früheren Fassung. Wir wurden hellhörig, sind drangeblieben und haben die Urfassung auch erst unseren ehemaligen Professoren und Mentoren vorgespielt, bevor wir uns entschieden haben, sie aufzunehmen.

Wird sich die Fassung durchsetzen?
Alle, die es gehört haben, sind begeistert. Strauss hat von der Urfassung nicht viel in die oft gespielte Zweitfassung seiner Sonate übernommen. Die Urfassung ist ein eigenständiges, positives und überschwängliches Stück.

Restkarten von 36 bis 59 Euro für das Konzert am Sonntag, den 8. März um 15.30 Uhr im Prinzregententheater unter Telefon 93 60 93, bei muenchenmusik.de und an den bekannten Vorverkaufsstellen. Die CD mit der Ersteinspielung der Urfassung der Cellosonate von Richard Strauss erschien bei Sony Classical

 

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