Münchener Kammerorchester Mahan Esfahani spielt Ligeti und Frank Martin

Der Cembalist Mahan Esfahani wuchs in den USA auf. Er lebte in Mailand und London und hat sich nun in Prag niedergelassen. Foto: Kaja Smith

Mahan Esfahani über das Cembalo und sein Konzert mit dem MKO im Prinzregententheater.

 

Die Saison des Münchener Kammerorchesters steht unter dem Motto "Wärme". Am Donnerstag spielt Mahan Esfahani auf einem Instrument, das manche für kühl halten dürfte: dem Cembalo. Neben Frank Martins Konzert und Ligetis Solo "Continuum" stehen im Prinzregententheater die Suite aus Rameaus "Les Boreades", "Xenos III" von Beat Furrer und Schrekers Kammersymphonie unter Ilan Volkov auf dem Programm.

AZ: Mr. Esfahani, die Saison des MKO ist mit "Wärme" überschrieben. Klingt ein Cembalo nicht eher kalt?
MAHAN ESFAHANI: Das sagen höchstens dumme Leute. Kommen Sie ins Prinzregententheater, ich beweise das Gegenteil.

Warum spielen Sie im Prinzregententheater erst ein Solo-Stück von György Ligeti? In einem Konzert mit Orchester ist das ungewöhnlich.
Das war eine Idee des Dirigenten Ilan Volkov. Er macht manchmal seltsame Vorschläge, aber ich vertraue ihm.

Was ist die Idee hinter Ligetis "Continuum"?
Ligeti überdreht in "Continuum", was auf dem Cembalo möglich ist – ähnlich wie in seinen Klavier- und Orgelwerken. Das Stück spielt kompositorisch mit der Annahme, auf dem Cembalo wäre kein Sostenuto möglich. Wenn der Ton angeschlagen ist, lässt sich bei einem Tasteninstrument die Farbe anders als bei einer Oboe oder beim Horn nicht mehr verändern.

Das dürfte es sein, was bei diesem Instrument die Empfindung von Kälte auslöst.
Es mag schon sein, dass es kalte Cembalisten gibt, aber ich würde das nicht auf das Instrument schieben. Aber Cembalo klingt nicht kälter wie ein Klavier oder eine Orgel. Mich fröstelt bei Pianisten vergleichsweise selten.

Warum erlebte das Cembalo im 20. Jahrhundert eine Renaissance?
Natürlich gibt es beim Cembalo eine Lücke im 19. Jahrhundert. Aber die gibt es auch bei anderen Dingen, etwa bei der parlamentarischen Demokratie. Frank Martin blickt in seinem Anfang der 1950er Jahre entstandenen Cembalokonzert nicht auf die Musik des 18. Jahrhunderts zurück. Er benutzt das Instrument für seine persönliche Sprache.

Wie verständlich ist sie?
Frank Martins Musik ist sehr besonders und sehr schweizerisch. Der Komponist gehört einerseits zur europäischen Moderne und gleichzeitig auch wieder nicht. Es gibt eine archaische oder gar orientalische Dimension in seiner Musik, die ich sehr aufregend finde. Sie klingt nach Bergen, Tälern und Echos. Daher passt es, sie hier in Oberbayern zu spielen. Wenn sie hier fremd klingt, wie fremd muss sie dann erst außer Sichtweite der Berge klingen!

Es läge nah, das Cembalo nostalgisch einzusetzen.
Das ist Kitsch und langweilt mich, mit einer Ausnahme: der klugen Verwendung des Cembalos durch Richard Strauss in seiner Oper "Capriccio". Und wenn ich ehrlich sein soll: Ich habe das neoklassizistische Cembalokonzert von Francis Poulenc oft gespielt. Aber ich mag es nicht besonders, weil es zu sehr auf die Musik des 18. Jahrhunderts zurückschaut. Da spiele ich lieber die Partita von Krzystof Penderecki.

Cembali sind eher leise. Was halten Sie in großen Sälen von einer Verstärkung?
Ich habe kein Problem damit, ich mag es, weil die Details besser herauskommen. Ich war eben in Ungarn, wo man Speisen sehr intelligent würzt: als Unterstreichung des Eigengeschmacks. So ähnlich funktioniert eine gute Verstärkung. Aber es bleibt eine Herausforderung, weil es Tontechniker gibt, die es gut machen und andere, die von der Rockmusik kommen. Die drehen den Klang hart und metallisch auf.

Werden Sie im Prinzregententheater verstärkt?
Das entscheiden wir erst auf der Probe. Ilan Volkov ist kein Freund von Verstärkung. Übrigens hatte man zu Bachs Zeit offenbar kein Problem mit der Lautstärke des Instruments: Es gibt Bilder von Freiluftkonzerten, auf denen ein Cembalo zu sehen ist, auch wenn das für uns seltsam wirkt.

Prinzregententheater, Do., 12. Dezember, 20 Uhr, Einführung ab 19.15 Uhr. Restkarten (39 bis 75 Euro) unter Telefon 4613640 und an der Abendkasse. Esfahani hat zuletzt Bachs Toccaten eingespielt (Hyperion)


 
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