Münchener Kammerorchester Beethoven mit Alexander Lonquich

Alexander Lonquich als Beethoven-Interpret. Foto: Florian Ganslmeier

Alle fünf Klavierkonzerte Ludwig van Beethovens mit Alexander Lonquich und dem MKO im Prinzregententheater

 

Wenn ein Pianist die fünf Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven mit einem Kammerorchester aufführt, wäre ein eher kleinteiliges, aufs Detail und den Dialog gerichtetes Zusammenspiel zu erwarten. Alexander Lonquich verstand die Konzerte im Prinzregententheater allerdings mehr sinfonisch und das Orchester als Fortsetzung des Solo-Instruments, allein schon dadurch, dass er die Einleitungen im Stehen dirigierte und sich erst zum eigenen Einsatz ans Klavier setzte.

Beethoven ist auch für diese Sicht offen genug. Lonquich spielte die Konzerte in der Reihenfolge der Entstehung – mit der noch mozartnahen Nr. 2 an erster Stelle. Bereits hier stand die Brillanz im Vordergrund. Der harte Anschlag harmonierte bestens mit dem rauschenden, historisch informierten Klang des Münchener Kammerorchesters, das mit sehr dezentem Streicher-Vibrato und knackigen Naturtönen im Blech auftrumpfte.

Das Beste gibt's vor und nach dem Jubliäumsjahr

Wenn nur die Hälfte einer philharmonischen Besetzung spielt, werden Farben wie die Flöte in der Introduktion des Konzerts Nr. 1 nicht unterschlagen. Sonst ließ Lonquich hier den napoleonischen Weltgeist siegreich über das Podium marschieren. Am Beginn des Adagios von Nr. 2 antworteten die Bläser dem Forte der Streicher statt mit der vom Komponisten gewünschten Ruhe in ähnlicher Lautstärke, wie es beim Münchener Kammerorchester öfter vorkommt. Der mitreißende Schwung des ganzen Abends machte dergleichen aber mühelos wett.

Der Pianist verschwieg nicht, dass dieses Adagio zum ersten Mal den erhabenen Beethoven-Ton anschlägt. Aber sonst übertrieb er es nicht mit dem Tiefsinn. Die Stärke seiner Deutung ist ohnehin weniger das Philosophische, sondern eine heftige Diesseitigkeit, die er vor allem in den phänomenal gesteigerten Finali brillant ausspielte. Darunter litt ein wenig das lyrische Konzert Nr. 4. Von Mozart-Nachklängen in der Nr. 2 über den forschen Triumphalismus der Nr. 1 erreichte Lonquich das dramatische Dritte. Die Nr. 5 dagegen begriff der 1960 in Trier geborene Pianist als monumentale Variante von Nr. 1. Dass er sich ganz am Ende ein wenig verlief, überspielte er sehr geschickt.

Auch wenn Lonquich nicht zu den ganz großen Stars seines Instruments zählt: Wenn es um die Energie und das Zusammenspiel geht, ist er schwerlich zu übertreffen. Seine Nachfolger werden es im für 2020 angedrohten Beethoven-Jahr schwer haben. Aber die wirklichen Ereignisse, zu denen dieser Zyklus zählt, finden ohnehin außerhalb solcher Jubiläen statt.

 

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