München Zweite Stammstrecke: Angst vorm Marienloch

Entsteht hier am Marienhof bald eine riesige Baugrube? Foto: Daniel von Loeper

MÜNCHEN - Geschäftsleute vom Marienhof klagen gegen eine Riesenbaugrube direkt vor ihrer Tür.Die AZ erklärt, worum es in dem Streit geht.

 

Der geplante Bau der zweiten Stammstrecke macht wieder Ärger. Ab Dienstag verhandelt der Verwaltungsgerichtshof die Klagen von Geschäftsleuten, die eine Riesenbaugrube am Marienhof verhindern wollen.

DER STAND DER PLANUNG

Der Bau ist in drei Abschnitte geteilt. Abschnitteins beginnt in Laim vor der Donnersberger Brücke und reicht bis zum Stachus. Abschnitt zwei geht über der Marienhof zur Isar. Abschnitt drei reicht bis zum Leuchtenbergring. Für jeden Abschnitt muss es ein Planfeststellungsverfahren geben, in dem Betroffene Einwände vorbringen dürfen. Die werden erörtert, danach gibt es einen Planfeststellungsbeschluss.

Für Abschnitt zwei, zu dem der Marienhof gehört, gibt es bereits einen Planfeststellungsbeschluss. Ab 2012 sollen der Bahnhof gebaut und der Tunnel gegraben werden. Fünf bis sechs Jahre wird das dauern. Gegen diesen Planfeststellungsbeschluss wird geklagt. Die anderen Abschnitte sind noch in der Erörterungsphase – allein in Haidhausen gibt es 1300 Einwendungen.

DIE KLÄGER

Es klagen zwölf Geschäftsleute und Firmen, darunter Betten Rid, das Modehaus Maendler, Dallmayr, Gastronom Charles Schumann und Prinz Albert von Thurn und Taxis. Der Sohn von Fürstin Gloria besitzt dort ein Geschäftshaus.

DIE ARGUMENTE

Die Kläger betonen, dass sie nicht gegen die Stammstrecke sind – ihnen gehe es ums Wie. Das Ganze sei zu laut, zu groß, zu dreckig und zu schlecht geplant. „Da wird die Planung komplett auf dem Rücken der Anwohner ausgetragen“, sagt Wolfgang Leitner, Anwalt von Labbé & Partner, der die Kläger vertritt. Die Einschränkungen für die Geschäftsleute seien unzumutbar. Wenn kein Gast mehr draußen sitzen könne, sagt etwa Schumann, könne er dichtmachen. „Wir haben im Planfeststellungsverfahren ausführlich eine andere Variante vorgetragen – vergeblich“, sagt Leitner.

Die Bahn hatte die Variante unter anderem deswegen abgelehnt, weil sich der Bau dadurch verzögern würde.

IM EINZELNEN GEHT ES UM:

Lärm: „Es werden extrem lärmintensive Baumaschinen verwendet“, sagt Anwalt Leitner. Die Bahn lässt eine Lärmschutzwand aufstellen – ungenügend, sagen die Kläger.

Bauvariante: Der Bau der gesamten Strecke beginnt am Marienhof. Die offene Baugrube, das Marienloch quasi, wird 40 Meter tief sein und 50 mal 60 Meter groß. Der Aushub, der durchs Tunnelgraben entsteht, muss per LKW abtransportiert werden. „Wir rechnen mit Spitzenbelastungen von 180 LKW-Fahrten pro Tag“, sagt Leitner. Die Kläger sagen: 7O Prozent des Aushubs könne auch unterirdisch entsorgt werden, wenn man an der Donnersberger Brücke anfinge zu graben und so einen Tunnel hätte, über den der Schutt aus der City gefahren würde.

Zeitplan: „Unseren Mandanten wurde versprochen, dass die Planfeststellungsbeschlüsse der drei Abschnitte in enger zeitlicher Abfolge stattfinden. Davon kann keine Rede sein“, sagt der Anwalt. Ob und wann es in Haidhausen zum Planfeststellungsbeschluss kommt, ist offen – und gegen den können dann Betroffene klagen. Marienhof-Anlieger fürchten eine ewige Baustelle im Wartestand.

SO GEHT’S WEITER:

Der Verwaltungsgerichtshof verhandelt erst einmal, ob die Belastungen am Marienhof zumutbar sind. Doch die nächsten Klagen sind schon eingereicht. „Es wird fünf weitere Verfahren geben“, sagt Gerichtssprecherin Andrea Breit. Die Kläger sind Anlieger an der Maximilianstraße und am Promenadeplatz.Tina Angerer

 

0 Kommentare