München Waschsalon mit Café: Schleudern & Schlürfen

Waschen im Wohlfühl-Ambiente: Christian Wolko (l.) hatte die Idee des Waschsalons mit Café, Peter van der Meer leitet das „Wash&Coffee“ in der Klenzestraße – hier sollen die hippen Bewohner des Gärtnerplatzviertels neue Freunde finden. Foto: Petra Schramek

Mit einer einfachen Idee und der Hilfe zweier großer Firmen soll in der City ein neuer Trend begründet werden: Der Waschsalon mit Café.

 

MÜNCHEN Sitzt man einmal drin, fragt man sich, wieso erst jetzt jemand auf die Idee gekommen ist. Schleudern und Schlürfen unter einem Dach. Das „Wash&Coffee“ im Gärtnerplatzviertel ist der erste Waschsalon Münchens, der gleichzeitig ein Café ist.

Hinter dem Laden mit der weiß-roten Einrichtung stehen die Firmen Bosch und Henkel. Vor eineinhalb Jahren griffen die beiden Unternehmen die Idee des damaligen Azubis Christian Wolko auf. Bis vor kurzem reifte das Konzept. Jetzt hat das erste „Wash&Coffee“ geöffnet.

„Es war nicht ohne weiteres möglich“, erklärt Peter van der Meer, der den neuen Salon leitet. „Alles musste mit dem KVR abgesprochen werden, zum Beispiel die sorgfältige Trennung von Waschmitteln und Essen.“ Jetzt freut er sich über den Erfolg der ersten Tage. Die helle und saubere Einrichtung gefalle den Kunden, die oft frustriert seien von dunklen und dreckigen Alternativen. Doch die Flucht aus den Waschkerkern ist nicht der einzige Gedanke hinter dem Konzept. Die Betreiber sind sich sicher: Einen Waschsalon zu eröffnen, der gemütlich ist und zum Bleiben einlädt, trifft den Nerv der Zeit.

So erklärt es auch der Trend-Forscher Oliver Perborn. Einerseits sei die Gesellschaft zunehmend mobil, die Ortsbindung der Menschen nehme ab. „Urbanes Nomadentum“ nennt Perborn das. Zudem seien immer mehr Menschen Singles. Andererseits gebe es eine Sehnsucht nach einem „dritten Zuhause“ neben Heim und Arbeitsplatz. Ein Ort, wo man andere in guter Atmosphäre treffen kann. „Ein Waschsalon mit Café ist ein solcher Ort. Hier lernt man leicht jemanden kennen und kommt ins Gespräch.“

„Vielleicht haben wir einen Trend angestoßen und es gibt bald mehr solcher Läden“, meint Peter van der Meer, der Single und in zehn Jahren zwölf mal umgezogen ist. „Es kommt sehr gut an“, freut sich Christian Wolko. Ganz umsonst ist der Trendladen natürlich nicht: Eine 8-Kilo-Ladung zu waschen kostet 3,50 Euro, eine Latte Macchiato kommt auf 2,80 Euro. Internetempfang gibt’s auch. Manche Gäste verstehen das Konzept aber nicht sofort. „Eine Dame meinte, die Waschmaschinen seien nur Dekoration.“ Christian Pfaffinger

 

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