München "Unser Projekt ist eine gute Alternative"

Die Penzberger Moschee: Die Islam-Gemeinde liegt im Streit mit Innenminister Joachim Herrmann. Foto: az

MÜNCHEN - Die Moschee am Gotzinger Platz wird nicht gebaut. Dafür will der Imam der Moschee in Penzberg, Benjamin Idriz, ein Großprojekt in München verwirklichen. Was hat er vor?

 

AZ: Nachdem es nun doch keine Moschee am Gotzinger Platz geben wird, ruhen viele Erwartungen auf Ihrem Projekt. Sie wollen ein „Zentrum für Islam in Europa - München“ bauen. Wo?

BENJAMIN IDRIZ: Es gibt noch keinen Standort, das ist auch nicht das Dringendste. Ende Januar haben wir einen Antrag an die Landeshauptstadt gerichtet und um Unterstützung gebeten. Wir warten auf ein Signal der Stadt und werden dann erst über einen geeigneten Platz sprechen. Wenn Integration gelingen soll, dann kann sie jedenfalls nicht an den Stadträndern stattfinden.

Wie soll das Zentrum, das Sie planen, aussehen?

Das steht im Detail noch nicht fest, aber es soll ausdrücklich eine europäische Erfahrung von Islam abbilden. Klar ist, dass es fünf Bausteine geben soll. Eine Islam-Akademie, in der auch Imame auf Deutsch ausgebildet werden, eine attraktive Moschee, eine öffentliche Bibliothek, ein Gemeindezentrum und ein Museum. Nach dem Scheitern der Moschee in Sendling glaube ich, dass unser Projekt eine gute Alternative ist. Wir wollen auch anderen muslimischen Organisationen die Chance geben, sich daran zu beteiligen.

Bedauern Sie, dass das Projekt am Gotzinger Platz nicht verwirklicht wird?

Ich bedauere sehr, dass es nicht geklappt hat. Aber die Gründe dafür lagen außerhalb Münchens. Der Dachverband Ditib plant ein sehr großes Projekt in Köln. Und in Zeiten der Finanzkrise ist es nicht einfach, Spender zu akquirieren.

Sind Fehler gemacht worden?

Es hat ja nicht nur Probleme gegeben, sondern auch viel Zustimmung – auch aus dem Stadtviertel. Trotzdem gab es am Anfang wohl zu wenig Öffentlichkeitsarbeit. In Penzberg haben wir drei Jahre, bevor gebaut wurde, damit angefangen, eine öffentliche Diskussion zu führen.

Haben Ihnen die Pläne für den Sendlinger Bau gefallen?

Mir gefällt unsere Penzberger Moschee. Sie ist zeitgemäß und nicht am Stil anderer Länder orientiert.

Braucht München eine repräsentative Moschee?

München ist eine Weltstadt und verdient repräsentative Sakralbauten, natürlich auch eine Moschee. In München leben mehr als sieben Prozent Muslime, etwa 100 000 Menschen. Die vermissen eine sichtbare Mitte. Das sollte aber eine Münchner Moschee sein, die sich mit den Werten der Gesellschaft und des Landes identifiziert.

Da ist noch eine Altlast – Ihre Gemeinde wurde im Verfassungsschutzbericht erwähnt.

Das stimmt, dagegen haben wir geklagt. Die Frage ist, warum das Innenministerium ausgerechnet gegen eine Gemeinde vorgeht, bei der jeder, der sie kennt, weiß, dass die Vorwürfe absurd sind. Es gibt offensichtlich Strömungen, die eine effektive Integration von Muslimen absolut verhindern wollen. Davon unabhängig ist das Zentrum für Islam in Europa-München ein eigenständiger Verein. Wir wollen nichts anderes, als mit und für München etwas auf die Beine zu stellen, auf das am Ende alle stolz sind – wahrscheinlich sogar besonders die, die immer erst einmal dagegen sind.

Interview: Julia Lenders

 

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